Wirtschaftsplan mit 178,7 Millionen Euro beschlossen 

Schnelles Internet: 2019 beginnen Tiefbauarbeiten

Landkreis  Diepholz - Von Anke Seidel. Gigantische Summe für ein historisches Projekt: 178,7 Millionen Euro will der Landkreis Diepholz bis zum Jahr 2022 in schnelle Datenautobahnen investieren – und so viele Häuser wie möglich mit Breitband versorgen. Im kommenden Jahr sollen die Bürger in allen 15 Städten, Gemeinden und Samtgemeinden zu Informationsveranstaltungen eingeladen werden – und die Tiefbaumaßnahmen für das ehrgeizige Projekt beginnen.

Aktuelle Basis: der Wirtschaftsplan des Eigenbetriebs „Breitbandausbau Landkreis Diepholz“ für 2019, den der Betriebsausschuss bereits verabschiedet hat. Ob es bei den veranschlagten Summen bleibt oder sie noch einmal geändert werden müssen, ist unklar. „Die große Unbekannte sind die Tiefbauarbeiten“, sagt Landrat Cord Bockhop. Die Ausschreibung läuft zurzeit. Deshalb ist noch nicht klar, welche Unternehmen zu welchen Preisen für den Landkreis arbeiten können.

„Wir erarbeiten uns in dem Themenbereich gerade Kompetenz“, blickt der Landrat grundsätzlich auf ein ganz neues Arbeitsfeld, das seine Mitarbeiter übernommen haben. „Wir machen das, weil sich andere davor gedrückt und mit alten Leitungen viele Millionen Euro verdient haben“, blickt Bockhop auf den allgemeinen Telekommunikationsmarkt, der das Kreisgebiet nur zum Teil zufriedenstellend versorgt hat – und fügt hinzu: „Wir haben kein Vertrauen mehr.“

Ein Markterkundungsverfahren hatte ergeben, dass im Landkreis Diepholz 15.472 Gebäude – darunter 402 Firmen und Betriebe – keine ausreichende Internet-Versorgung haben, sprich weniger als 30 MBit/s. Und sie haben ebenso wenig eine Chance, in den kommenden drei Jahren durch private Telekommunikationsunternehmen versorgt zu werden.

18. 634 Kunden in diesen weißen Flecken – darunter 1712 aus dem gewerblichen Bereich – könnten durch das Breitbandprojekt mit schnellem Internet versorgt werden. Dafür müssen im Flächenlandkreis Diepholz jedoch sage und schreibe 2428 Kilometer Leitungen verlegt werden. Herzstück dieses ehrgeizigen Tiefbauprojektes ist ein Glasfaserring (Backbone), von dem die einzelnen Versorgungstrassen abzweigen.

Wie bereits berichtet, wird die GVG Glasfaser aus Kiel Pächter und Betreiber des Glasfasernetzes im Landkreis Diepholz. Das Unternehmen will im Landkreis ein Büro eröffnen, um auch regional als Ansprechpartner erreichbar zu sein.

Vorab plant der Landkreis Informationsveranstaltungen

Voraussichtlich in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres soll mit dem Bau des Netzes begonnen werden. Vorab plant der Landkreis Informationsveranstaltungen in allen Kommunen des Landkreises, die im Abstand eines Zeitfensters von etwa zwei Monaten vorgesehen sind. Dort können sich Bürger informieren, wie sie künftig vom Breitbandnetz profitieren können.

In welcher Kommune die Tiefbauarbeiten beginnen, darüber entscheiden sachliche Kriterien: Dort, wo besonders günstige Bedingungen bestehen, könnte nach Auskunft des Landrats der Startschuss fallen.

Per Postwurfsendung hatte er die Bürger im Landkreis über das Projekt informiert. Positive Reaktionen habe es darauf gegeben, erklärte Bockhop auf Anfrage. Aber genauso gemeldet hätten sich Bürger, die aktuell nicht an das Glasfasernetz angeschlossen werden können. Er werde ihnen persönlich antworten, erklärte der Landrat – und versprach: „Wer werden alle anschließen, aber nicht alle gleich.“

Zunächst sei unbedingt das neue Netz erforderlich, „erst dann können wir Einzelfälle lösen“. Betroffen sind demnach rund 700 Häuser, die in einem späteren Schritt mit schnellem Internet versorgt werden sollen – und das möglichst preiswert.

Schnelle Ausnahme-Lösung aktuell nicht möglich

Dass eine schnelle Ausnahme-Lösung aktuell nicht möglich ist, stellte der Landrat mit den Worten klar: „Wir benutzen Steuergeld und wir dürfen Steuergeld nicht überall verwenden.“

Die Installation des Breitbandnetzes finanziert der Landkreis im engen Schulterschluss mit seinen Kommunen, die sich über eine Laufzeit von 25 Jahren mit 694 .800 Euro pro Jahr an den Investitionen beteiligen. Hinzu kommen Zuschüsse des Bundes und des Landes Niedersachsen sowie Mittel des Landkreises. Eine tragende Säule sind langfristige Darlehen. Erste Pachterträge sollen im Jahr 2020 fließen. Zunächst sind 524 .156 Euro kalkuliert. 2023 erwartet der Landkreis 2,7 Millionen Euro.

Hintergrund: Glasfaser-Versorgung

Nach einer Studie der Bertelsmann Stiftung sind in Estland 73 Prozent der Haushalte mit direkt verfügbaren Glasfaserverbindungen versorgt, in Schweden 56 und in Spanien 53 Prozent – in Deutschland hingegen nur 6,6 Prozent.

Das Land Niedersachsen liegt nach Auskunft des Breitbandkompetenzzentrums in Osterholz erst bei etwa sechs Prozent gigabitfähiger Anschlüsse.

Rubriklistenbild: © dpa

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