Wenig Impfdosen

Landkreis Diepholz möchte alle 22.800 Menschen von der Impf-Warteliste anrufen

Rund 20.000 Menschen haben bisher vergebens auf eine Corona-Impfung gewartet. Jetzt sind es noch 2800 mehr, weil die Priorisierung gefallen ist. Die Kreisverwaltung steht als Träger des Impfzentrums vor einer Mammutaufgabe. Sie will alle 20.000 bisher Wartenden anrufen und nachfragen, ob sie womöglich schon beim Arzt geimpft worden sind.

Landkreis Diepholz – Kreisrätin Ulrike Tammen ist unzufrieden, wenn sie auf die Inzidenzkarte Niedersachsens schaut, aus der ausgerechnet der Landkreis Diepholz mit einem Wert von 35 herausragt. „Unser Ziel ist es, am Wochenende unter 35 zu sein“, erklärte sie im Fachausschuss für Jugend, Gesundheit und Soziales ganz entschieden. Doch das Gesundheitsamt muss an immer wieder neuen Fronten kämpfen: „Immer, wenn wir ein großes Thema im Griff haben, ploppt an einer anderen Stelle etwas auf“, so die Kreisrätin – wie zum Beispiel ein Infektionsgeschehen in zwei Familien oder in kleineren Betrieben. Unmissverständlich erinnerte die Kreisrätin an den einzigen Weg zum Schutz vor Infektionen: „Das ist nichts, was der Staat steuern kann oder der Landkreis. Das hängt vom Verhalten der Menschen ab.“ Sprich von der Akzeptanz und der Einhaltung der Hygienevorschriften: „Wir haben es in der Hand!“

Landkreis erhält über einen Zeitraum von drei Wochen nur 1000 Impfdosen

Gleichzeitig sollen so schnell wie möglich so viele Menschen wie möglich geimpft werden. Aber der Impfstoff scheint rarer denn je: Bis zum 24. Juni erwarte der Landkreis 1000 Dosen, berichtete die Kreisrätin. Mancher Sitzungsteilnehmer glaubte, sich verhört zu haben, aber es sind tatsächlich nur 1000 Dosen in fast drei Wochen.

Wartelistenplatz stornieren

Wer sich in Niedersachsen einen Wartelistenplatz für eine Covid-19-Schutzimpfung gesichert hat, hat dabei auch einen mehrstelligen, persönlichen Code erhalten. Wer nun bereits in einer hausärztlichen Praxis geimpft wurde oder dort einen entsprechenden Termin hat, kann den Wartelistenplatz im niedersächsischen Impfportal bei Angabe des persönlichen Codes schnell stornieren.

Auch wenn die Haus- und Betriebsärzte ihren Impfstoff selbst zugewiesen bekommen, also ihr Kontingent zusätzlich zur Verfügung steht, will der Landkreis die avisierten 1000 Dosen so effektiv wie nur eben möglich einsetzen. Deshalb steht die Kreisverwaltung vor einer Mammutaufgabe: Alle 20.000 Bürger auf der bisherigen Warteliste sollen einen Anruf aus dem Kreishaus erhalten – mit der Frage, ob sie bereits geimpft sind.

Feuerwehreinsatz- und Lehrkräfte gegen Covid-19 geimpft

Denn nachdem auch die Hausärzte impfen dürfen, könnten auf besagter Liste „Karteileichen“ stehen: Bereits geimpfte Menschen, die sich nicht abgemeldet haben und immer noch im System sind. Wie schwierig es grundsätzlich ist, Impfstoff zu erhalten, erläuterte die Kreisrätin an einem Beispiel: Selbst vertraglich vereinbarte Mengen würden manchmal nicht geliefert – und statt der versprochenen 5000 Dosen nur 1250. Dieses Problem, so betonte Ulrike Tammen, habe nicht nur der Landkreis Diepholz.

Unabhängig davon erinnerte sie an die Entscheidung des Landkreises, in allen 15 Kommunen eine dezentrale Impfmöglichkeit anzubieten – und nicht alle Bürger durch das „Nadelöhr“ Impfzentrum zu schleusen: „Das ist eine gute Sache!“ Am Wochenende werde im Landkreis Diepholz die 100.000. Impfung verabreicht, berichtete Ulrike Tammen. Am vergangenen Wochenende waren Feuerwehreinsatz- und Lehrkräfte geimpft worden. Die Kreisrätin weiß um den dringenden Impfwunsch vieler Bürger. Man könne es aber allen nicht sofort recht machen: „Ich hoffe, dass wir zum Sommer hin eine ganz andere Situation haben.“

Corona-Bürgertelefon hat bisher 30000 Anrufe beantwortet

Der Informationsbedarf der Bürger indes scheint ungebrochen. Mehr als 30.000 Anrufe sind demnach beim Bürgertelefon des Landkreises eingegangen – unter anderem mit Fragen wie: „Kann ich in zwei Monaten heiraten?“, was die Mitarbeiter mit Blick auf die nicht vorhersagbare Corona-Entwicklung und die entsprechenden Verordnungen natürlich nicht beantworten konnten.

Das werden wir nicht wegbekommen. Das Virus verändert sich permanent – wie alle Viren.

Dr. Daniel Tabeling, Leiter des Gesundheitsamtes im Landkreis Diepholz

Als Leiter des Gesundheitsamtes stellte Dr. Daniel Tabeling klar, dass die Menschen mit Corona leben müssen: „Das werden wir nicht wegbekommen. Das Virus verändert sich permanent – wie alle Viren.“ Zuvor hatte Ulrike Tammen bewusst die Zahlen am Sitzungstag verglichen. An diesem Datum – dem 8. Juni – gab es vor einem Jahr zehn bestätigte Corona-Infektionen im Landkreis Diepholz, ein Jahr später waren es 137. Für Daniel Tabeling war letztere eine vergleichsweise geringe Zahl: „Wir haben eine ganz andere Testsituation als vor einem Jahr“, beschrieb er die veränderten Möglichkeiten. Ganz entscheidend: „Wir haben keine Krankheitslast“, so formulierte es der Leiter des Gesundheitsamtes. Will heißen: Die Infizierten haben keinen schweren Krankheitsverlauf. „Wir haben auch seit Wochen keine Intensivpatienten mehr“, beschrieb er die Lage in den Kliniken des Landkreises Diepholz.

Ausschuss-Vorsitzender Ortwin Stieglitz (SPD) gedachte der 103 Menschen, die im Landkreis Diepholz mit Corona gestorben waren – und gab zu bedenken: „Im Landkreis Görlitz waren es tausend Tote.“

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