4546 Betroffene im Kreis

Landkreis Diepholz ist Teil der nationalen „Demenzstrategie“

Menschen mit Demenz brauchen Helfer, die sie an die Hand nehmen und ihnen in ihrem Leben Orientierung geben.
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Menschen mit Demenz brauchen Helfer, die sie an die Hand nehmen und ihnen in ihrem Leben Orientierung geben.

Demenz – mit dieser Krankheit müssen im Landkreis Diepholz mindestens 4546 Menschen leben. Das große Vergessen: Für Angehörige ist es viel zu oft eine große Belastung, damit umzugehen. Die nationale Demenzstrategie will Forschung, Versorgung und Teilhabe Betroffener gleichermaßen verbessern. Mitwirkungschancen hat auch der Landkreis Diepholz.

Landkreis Diepholz – Durch diese Krankheit verändert sich alles. Nicht nur der Mensch, der unter Demenz leidet – sondern auch der Ehepartner oder die Kinder. Denn sie sind es meist, die den dementen Angehörigen pflegen. Es ist eine enorme Herausforderung, wenn Erkrankte zum Beispiel mitten in der Nacht das Mittagessen kochen wollen. 4 546 Frauen und Männer leiden allein im Landkreis Diepholz unter Demenz, weiß die Gerontologin Lilja Helms (ProDem).

Demenzkranken sollten nicht alle Aufgaben abgenommen werden

In der Pflegekonferenz des Landkreises stellte sie die Möglichkeiten vor, die Menschen mit Demenz helfen können. Dazu gehört beispielsweise die Einzelbetreuung, aber auch die teilstationäre Tagespflege. Andere Betroffene leben in Wohngemeinschaften oder – je nach Schwere der Erkrankung – in vollstationären Pflegeeinrichtungen. Lilja Helms verweist aber genauso auf Selbsthilfegruppen, von denen insbesondere Angehörige profitieren können.

Ihnen bietet zum Beispiel das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin (im Auftrag von Bundesärztekammer und Kassenärztlicher Bundesvereinigung) wichtige Informationen: „Versuchen Sie zum Beispiel, einer Person mit Demenz nicht alles abzunehmen und die Behandlung im Blick zu behalten. Informieren Sie sich über die Krankheit sowie Ihre Rechte als Angehörige.“ Für sie gebe es spezielle Schulungen und Beratungsangebote. „Manchmal brauchen aber auch Angehörige Hilfe und eine Pause: Geben Sie auf sich selbst gut acht. Tauschen Sie Ihre Erfahrungen und Sorgen mit anderen Angehörigen aus, zum Beispiel in einer Selbsthilfegruppe“, bestätigt das Ärztliche Zentrum den Ratschlag von Lilja Helms.

Landkreis erreicht Demenz-Kranke oft schon sehr früh über Pflegestützpunkte

Sie berichtet, dass viele Demenz-Kranke im Landkreis Diepholz schon relativ früh erreicht werden können. Der Schlüssel dafür sind die Pflegestützpunkte im Flächenlandkreis, an die sich viele ältere Menschen wenden – nicht unbedingt wegen ihrer Demenz, sondern mit einer anderen Frage.

Schon heute leiden 2,1 Prozent der Gesamtbevölkerung an dieser Krankheit, erfahren die Mitglieder der Pflegekonferenz – und genauso, dass die Zahl der Betroffenen steigt. Ihre Situation und die ihrer Angehörigen spürbar zu verbessern, ist das Ziel der nationalen Demenzstrategie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. 74 Akteure aus Gesellschaft und Wissenschaft, aus kommunalen und kirchlichen Einrichtungen haben sich demnach gemeinsam das Ziel gesetzt, die Lebenssituation der Betroffenen und ihrer Familien bis 2026 spürbar zu verbessern.

„Wir sind Teil der Demenzstrategie“, sind sich Kreisrätin Ulrike Tammen und Theresa Tapken als Fachplanerin im Landkreis-Fachdienst Soziales einig. Denn in diesem Gremium arbeiten viele Vertreter der Akteure mit. Ihnen präsentiert Theresa Tapken die vier wichtigsten Handlungsfelder: zum einen die gesellschaftliche Teilhabe Betroffener an ihrem Lebensort, zum anderen ihre Unterstützung und die ihrer Angehörigen. Drittens soll die medizinische und pflegerische Versorgung von Demenzkranken weiter entwickelt sowie viertens exzellente Forschung zu Demenz-Erkrankungen gefördert werden.

Nationale Demenzstrategie setzt primär auf Ehrenamtliche

„Eine tolle Strategie, viel Papier“, stellt Wiebke Wall (SPD) fest – und genauso: „Es fehlt das schnöde Geld.“

Zumindest in Teilbereichen, gebe es durchaus Fördermöglichkeiten, signalisiert Lilja Helms. Die nationale Demenzstrategie setzt vor allem auf ehrenamtliche Akteure, die sich für deren Ziele engagieren. Denn so sollen die Betroffenen und ihre Angehörigen einen Platz auf Augenhöhe in dieser Gesellschaft erhalten. Doch wo finden sich Mitstreiter?

Die Diskussion in der Pflegekonferenz bewies, dass sich viele Menschen bereits in unterschiedlichen Bereichen ehrenamtlich engagieren. Es sei enorm wichtig, sich nicht zu verzetteln. Darauf wies Kreisrätin Ulrike Tammen ausdrücklich hin. Will heißen: Zusätzlich zu bereits bestehenden Gruppen einen neuen Arbeitskreis zu gründen, ist nicht zielführend. Deshalb soll zunächst die Fachgruppe für ältere Menschen im sozialpsychiatrischen Verbund überlegen, ob sie das Thema Demenzstrategie aufgreifen kann und will.

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