Enorme ökologische Bedeutung

Landkreis Diepholz ist Alleen-Hochburg in Niedersachsen

Majestätisch und mächtig: Diese Allee in Barrien verleiht dem Ortsbereich einen besonderen Charakter und gewährleistet die Sicherheit von Autofahrern und Radlern. Der Fußweg verläuft hinter der rechten Baumreihe.
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Majestätisch und mächtig: Diese Allee in Barrien verleiht dem Ortsbereich einen besonderen Charakter und gewährleistet die Sicherheit von Autofahrern und Radlern. Der Fußweg verläuft hinter der rechten Baumreihe.

Landkreis Diepholz – Sie prägen das Landschaftsbild im Landkreis Diepholz und sind wertvolle Naturschätze: 131 Alleen und 63 Baumreihen haben Dr. Max Peters sowie seine Kollegin Nora Kraack systematisch untersucht und kartiert – und dabei festgestellt, dass der Landkreis Diepholz besonders reich an diesen symmetrischen Baumbeständen an Straßen ist.

„Alleen haben einen hohen ökologischen Wert“, erläuterte Max Peters den Mitgliedern des Fachausschusses für Kreisentwicklung und Umwelt am Dienstag. Der Ausschuss tagte in der Feuerwehrtechnischen Zentrale in Barrien – zum letzten Mal unter der Leitung von Elmar Könemund (Grüne), der dem neuen Kreistag nicht mehr angehört. Er erinnerte daran: Es war der Kreisentwicklungsausschuss, der die Erarbeitung des Konzepts für Alleen und Baumreihen an Kreisstraßen auf den Weg gebracht hatte.

Alleen und Baumreihen summieren sich im Landkreis auf 170,25 Kilometer Länger

Landesweit gibt es 1500 Allen, so Landschaftswissenschaftler Max Peters, dessen Unternehmen für den Niedersächsischen Heimatbund diese Naturschätze untersucht und kartiert hatte. Nach Abschluss der Untersuchungen im Landkreis ist klar: Das Ergebnis wird in das landesweite Kataster des Heimatbundes eingepflegt. Es wird ebenso auf der Internetseite des Landkreises zu sehen sein und gibt Auskunft, welche Kommunen über welche Alleen und Baumreihen verfügen.

Sie haben in diesem Lebensraum Tradition. Schon die preußische Landesaufnahme (1877 bis 1912) weist 228 Alleenabschnitte im Gebiet des heutigen Landkreises aus. Sie umfassten damals 341,3 Kilometer.

Die gegenwärtigen 194 Alleen- und Baumreihen umfassen eine Länge von 170,25 Kilometern. Auf dieser Strecke stellten die Gutachter 21 verschiedene Baumarten fest. Vorherrschend dabei sind vier Arten: Eiche, Birke, Ahorn und Linde.

Allen unterschieden sich im Kreis Diepholz zwischen Nordkreis, Mitte, Osten und Südkreis

„80 Kilometer an den heutigen Kreisstraßen sind noch historisch“, stellte Max Peters fest – und gab zu bedenken: „Was die Menschen damals gepflanzt haben, beeinflusst uns noch heute.“

Für den Gutachter ein besonderer Wert: „Es sind auch junge Alleen da!“ Allerdings seien nur noch 22 Prozent aller Bestände vollständig erhalten. Auch die Präsenz der unterschiedlichen Arten hatten die Gutachter untersucht. Demnach gibt es im Nordkreis viele kurze Abschnitte mit einer heterogenen Artenverteilung, in der die Hänge-Birke einen besonderen Stellenwert hat. In der Kreismitte entdeckten die Landschaftswissenschaftler deutlich längere Abschnitte, im östlichen Teil mehr Obstbaumarten und – prägend – Hängebirke und Ahorn-Arten. Im Südkreis gibt es demnach weniger Abschnitte, die aber länger sind – und von Ahorn-Arten sowie Stiel-Eichen dominiert werden.

Nur drei der untersuchten Abschnitte sind auch ein Unfallschwerpunkt

Eine Erkenntnis von Max Peters und Nora Kraack: „Je kürzer die Abschnitte, desto diverser stellt sich die Verteilung der Hauptbaumarten dar.“ Alleen oder Baumreihen mit mehr als 1,5 Kilometern Länge bestehen zumeist aus Stiel-Eichen, Hänge-Birken und Spitz-Ahorn. Aber grundsätzlich alle haben eine wichtige Funktion für die Biotop-Vernetzung, betonte Max Peters: „Fledermäusen dienen sie als Leitlinien.“ Die Blüten der Lindenbäume zum Beispiel seien eine wesentliche Nahrungsquelle für Insekten. Im Idealfall sei das Kronendach der beidseitigen Bäume geschlossen: „Dadurch entsteht ein besonderes Mikroklima.“

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Unabhängig davon: Der Konflikt zwischen Verkehrssicherungspflicht und Naturschutz war dem Gutachter durchaus bewusst. Aber nach den Kriterien der Polizei zu urteilen seien, nur drei Abschnitte als Unfallschwerpunkt eingestuft, erläuterte Max Peters.

Dennoch zeigte sich Ulrich Helms (FWG) irritiert: „Wie vermeidet man es, dass eine Allee auf fünf Kilometern abgeholzt wird, weil sie nicht mehr den aktuellen Vorschriften entspricht?“ Darauf konnte der Gutachter ihm keine zufriedenstellende Antwort geben: „Vorschrift ist Vorschrift.“

Nachpflanzungen gewünscht ‒ Fällungen nicht auszuschließen

Im Übrigen hatten die Landschaftswissenschaftler mithilfe des GIS-Büros des Landkreises Diepholz die historischen Alleenstandorte digitalisiert. Deshalb gibt es nun eine Karte mit den Standorten der Alleen, die es um 1900 im heutigen Landkreis Diepholz gab – also zur Zeit der preußischen Landesaufnahme. So ist es möglich, die Alleen und die langjährige Tradition ihrer Standorte in der Landschaft aufrecht zu erhalten.

Es war Konsens im Ausschuss, dass diese Naturschätze im Landkreis auch in der Zukunft gepflegt werden sollen. „Die Straßenmeistereien haben Nachpflanzungen vorgenommen. Das wollen wir weiter machen“, so Detlef Tänzer als Leiter des Landkreis-Fachdienstes Kreisentwicklung. Kreisrat Jens Hermann Kleine nahm aus dem Ausschuss den Auftrag mit, „auf der Grundlage des Gutachtens zu handeln“. Vordringlich sei dabei das Nachpflanzen in den bestehenden Alleen. Dem Kreisrat war aber ebenso bewusst: „Auch in Zukunft wird es nicht zu umgehen sein, Bäume zu fällen – wenn es die Verkehrssicherungspflicht gebietet.“

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