Zeitloser Neubau

Landkreis Diepholz eröffnet neues Kreisarchiv

Karten können eine Zeitreise in die Vergangenheit sein: Landrat Cord Bockhop und Kreisarchivar Stephan Kathe (v.l.) mit einem Schatz aus dem Kreisarchiv vor dem neuen Gebäude in Diepholz, das eine ganz besondere Optik hat.
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Karten können eine Zeitreise in die Vergangenheit sein: Landrat Cord Bockhop und Kreisarchivar Stephan Kathe (v.l.) mit einem Schatz aus dem Kreisarchiv vor dem neuen Gebäude in Diepholz, das eine ganz besondere Optik hat.

Pergamente und Papier aus einem halben Jahrtausend sind der Stoff, aus dem die Zukunft ist. Denn genau die lässt sich ohne die Vergangenheit nicht gestalten – zumindest nicht, ohne zu riskieren, Fehler zu wiederholen. Wer im Spiegel der Vergangenheit wirken will, findet dafür im neuen Kreisarchiv ein tragfähiges Fundament. Ganz anders als vor knapp zwei Jahrzehnten, als sich im alten Kreisarchiv an der Diepholzer Grafenstraße buchstäblich der Boden bog wegen der Dokumentenlast.

Diepholz – Deshalb zog das Archiv nach Eydelstedt in die ehemalige Hülsmeyer-Kaserne, um nun – nach rund einem Jahrzehnt – ins Herz der Kreisstadt Diepholz zurück zu kehren: in einen Neubau an der Niedersachsenstraße 2 mit ansprechender, zeitlos wirkender Architektur, mit einem lichtdurchfluteten Besucherraum. „Das ist das Denkmal für das Archivgut“, sagt Landrat Cord Bockhop über das Gebäude, in dessen Herzen wiederum 16 Grad Celsius und etwa 50 Prozent Luftfeuchtigkeit herrschen –dort, wo die Schätze der Vergangenheit die Gegenwart überdauern sollen. „Ab 60 Prozent Luftfeuchtigkeit können sich Schimmelpilze bilden, und unter 40 Prozent wird das Papier brüchig“, erläutert Kreisarchivar Stephan Kathe.

Öffnungszeiten

Das Kreisarchiv an der Niedersachsenstraße 2 in Diepholz öffnet jeden Dienstag und Donnerstag von 9 bis 12 und von 13.30 bis 16.30 Uhr.

Fragen und Informationen beantwortet das Archiv telefonisch unter 05441/976 1910.

Kreisarchiv ist eine Fundgrube für Heimatforscher

Er stellt klar: Damit sie Jahrzehnte überdauern können, müssen Dokumente darauf vorbereitet werden. Die allgegenwärtigen Büroklammern zum Beispiel sind Gift für die Archivschätze. Deshalb müssen sie vor der Einlagerung sorgfältig entfernt werden. Wie von diesem Erlass des Jahres 1932, der den Einsatz von Flugblättern für Wahlzwecke regelt. Abflug und Landung der Flugzeuge dürfen nur von öffentlichen Flughäfen erfolgen, heißt es da. Der damalige Landrat hat die Verordnung handschriftlich kommentiert.

Mit Brief und Siegel wird im Kreisarchiv Diepholz eine Lehensurkunde des Stifts Minden für Otto Dörrieloh aufbewahrt. Diese regelte 1510 die Landnutzung.

Unweigerlich drängt sich die Frage auf: Wird in 50 Jahren auch die unendliche Geschichte der Corona-Erlasse Geschichte sein, sprich ein Teil des Archivs? Fakt ist, dass im Kreisarchiv des Landkreises Diepholz mehr als 500 Jahre alte Relikte dokumentiert sind.

Faszinierend sind solche stummen Zeitzeugen vor allem für Heimatforscher. Das Kreisarchiv ist eine wahre Fundgrube, bietet lichtdurchflutete Arbeitsmöglichkeiten an – und Kopien der wertvollen Urkunden gegen Kostenerstattung. Kreisarchivar Stephan Kathe und sein Mitarbeiter Juri Sommer haben ein Auge darauf.

Das Kornzinsregister aus Diepholz von 1585.

Brandschutz im Archiv mit Wasser statt Schaum

Sie helfen auch Menschen, die gern die Geschichte ihrer Familie erforschen möchten. Per Zweitabschriften der Standesämter zum Beispiel, die bis auf das Jahr 1874 zurückgehen. „Damals wollte man wissen, wer demnächst Steuern zahlt“, schmunzelt Stephan Kathe. Er ist stolz darauf, Geschichtsforschern insgesamt 3,6 Kilometer Dokumente anbieten zu können: „Hier kann sich jeder Geschichtsprofessor austoben.“

3,6 Aktenkilometer Dokumente füllen das Magazin des Kreisarchivs Diepholz in dem sich Landrat Cord Bockhop (vorne) und Kreisarchivar Stephan Kathe umsehen.

Klar, dass zur Zukunftssicherung auch ein besonderer Brandschutz gehört. In diesem Fall ist in den Feuerlöschern Wasser, damit die Schätze nicht völlig zerstört werden, sollte es zur Katastrophe kommen. Die wünscht sich selbstredend niemand, sondern vielmehr einen Besucherstrom ins neue Kreisarchiv.

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