Immunisierung der über 80-Jährigen

Landkreis Diepholz beginnt mit dezentralen, kommunalen Impfungen

Im Einkaufszentrum Fritz in Barenburg werden am Freitag die ersten Corona-Impfungen im Landkreis abseits des Bassumer Impfzentrums verabreicht. Es ist der Auftakt zum dezentralen Impfen im Landkreis Diepholz.
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Im Einkaufszentrum Fritz in Barenburg werden am Freitag die ersten Corona-Impfungen im Landkreis abseits des Bassumer Impfzentrums verabreicht. Es ist der Auftakt zum dezentralen Impfen im Landkreis Diepholz.

Der Landkreis Diepholz startet den Turbo beim Kampf gegen das Coronavirus. Seit Freitag wird nicht mehr nur im Bassumer Impfzentrum gegen den Erreger immunisiert; für die über 80-Jährigen im Landkreis wird es in allen 15 Kommunen an wenigstens einem Tag eine dezentrale Impfmöglichkeit geben. Den Anfang machte jetzt die Samtgemeinde Kirchdorf. In Barenburg verabreichten zwei mobile Impfteams des DRK rund 160 Menschen über 80 Jahren den Impfstoff.

  • Jede Kommune im Landkreis Diepholz wird für über 80-Jährige einen dezentralen Impftermin anbieten
  • Den Beginn hat die Samtgemeinde Kirchdorf in Barenburg gemacht
  • Für die über 70-Jährigen kann noch keine Aussage getroffen werden, wann sie dran sind

Landkreis Diepholz – Gleich als der Landkreis die Genehmigung des Landes für das dezentrale Impfen bekommen hatte, hatten die Kommunen Briefe an ihre über 80-jährigen Einwohner geschickt. Der Appell: Wer noch keine Impfung erhalten hat, oder auf der Warteliste für einen Impftermin steht, kann sich für eine Immunisierung in der eigenen Kommune anmelden. Die Vorteile: eine kürzere Anfahrt, eine schnellere Terminvergabe. Das Angebot gilt ausdrücklich nur für Menschen ab 80 Jahren, und der Besuch einer Impfstation ist ausschließlich mit einem vorher mitgeteilten Termin möglich.

Vier bis sechs Wochen bis alle über 80-Jährigen eine Impfchance hatten

Jens Bley, Vorsitzender der Bürgermeisterkonferenz, erläutert, durch das nun gestartete dezentrale Impfen sollen die rund 5 000 bislang ungeimpften über 80-Jährigen im Landkreis über einen Zeitraum von vier bis sechs Wochen die Möglichkeit bekommen, sich gegen das Coronavirus immunisieren zu lassen. Das DRK verfüge über bis zu fünf mobile Impfteams. Diese bestehen aus je einem Arzt und zwei DRK-Mitarbeitern, die simultan in den Kommunen zum Einsatz kommen könnten. Wobei in der kommenden Woche noch Teams für Zweitimpfungen in Pflegeeinrichtungen unterwegs seien, heißt es einschränkend vom Landkreis.

Termin- und Ortsplanung in den Kommunen

Alle 15 Kommunen im Landkreis Diepholz haben noch einmal Briefe an ihre Bewohner über 80 Jahren geschickt und sie zu einer dezentralen Impfstation eingeladen. In vielen Kommunen gibt es einen regen Rücklauf, wie eine Umfrage der Kreiszeitung ergeben hat. Folgende Impftermine und Orte sind bereits bekannt:

Kommunen mit festgelegtem Termin

Kirchdorf Einkaufszentrum Fritz in Barenburg, Freitag, 12. März, und Montag, 15. März

Altes Amt Lemförde Rittersaal des Amtshofes, Dienstag, 16. März, weitere Termine bei hoher Nachfrage

Syke Olympiahalle, Mittwoch, 17. März, weitere Termine bei hoher Nachfrage

Twistringen Sporthalle des Hildegard-von-Bingen-Gymnasiums, voraussichtlich Montag, 29. März, weitere Termine bei hoher Nachfrage

Kommunen ohne festgelegte Termine

Barnstorf Verwaltungsgebäude der Wintershall Dea

Bassum Impfzentrum

Bruchhausen-Vilsen Mensa-Halle des Schulzentrums

Diepholz DRK-Haus an der Dieselstraße 16

Rehden Waldsportstätten

Schwaförden Dorfgemeinschaftshaus Schwaförden

Siedenburg noch kein Ort bekannt

Stuhr Gut Varrel

Sulingen DRK-Haus an der Südstraße 51

Wagenfeld Turnhalle der Auburg-Schule

Weyhe Mehrzweckhalle

Das neue Impfangebot kommt dabei gut an, wie eine Umfrage der Kreiszeitung bei den Kommunen ergeben hat. Der Landkreis bestätigt, dass sich bereits in allen Kommunen mehr als 20 Personen gemeldet hätten. „Es wird nirgendwo an zu wenigen Meldungen scheitern“, versichert Kreissprecherin Mareike Rein. Das DRK könne rund 150 Personen pro Tag mit einem Impfteam immunisieren. Daher werde mancherorts gleich mehrere Tage in Folge geimpft – etwa in der Samtgemeinde Kirchdorf.

Flexibilität gefordert: Geringe Vorlaufzeit für dezentrale Corona-Impfung

Während sich das DRK um die Ausführung der Impfungen kümmert, übernimmt der Landkreis die Koordination der Impftermine. Die Kommunen melden laufend die Rückmeldungen auf ihre Briefe an die Kreisverwaltung, wo dann die Impftermine geplant werden – teils mit kurzer Vorlaufzeit, wie Mareike Rein zu bedenken gibt. „Der Vorlauf wird kurz sein und in einigen Fällen eventuell auch nur zwei Tage betragen. Alle Impfberechtigten sollten flexibel sein. Die Informationen erfolgen so früh wie möglich“, heißt es.

Konkret gibt der Landkreis aktuell Impftermine bis kommenden Mittwoch heraus. Alle weiteren Termine seien noch nicht in trockenen Tüchern.

Landrat kritisiert Bund und Länder scharf

Täglich werden im Landkreis Diepholz Hunderte Menschen gegen Covid-19 geimpft. Kein schlechtes Ergebnis, aber wie viele mehr könnten es sein, wenn Hausärzte schneller in den Impfprozess eingebunden würden? „Hier wird schlichtweg Potenzial verschenkt“, betont Landrat Cord Bockhop in einer Pressemitteilung. Seit Monaten wirbt er für mehr Vertrauen in die Institutionen vor Ort und beklagt, wie langsam und wenig praxisnah manche Entscheidungen auf Bundes- und Länderebene getroffen werden. Von Gesundheitsministerin Daniela Behrens Ankündigung, niedergelassene Ärzte ab Mitte April in den Impfprozess einzubinden, hält er, wie von vielen Entscheidungen vorher, nichts.

„Die sofortige Einbindung der niedergelassenen Ärzteschaft würde eine große Entlastung für den gesamten Impfprozess mit sich bringen, indem das Impfzentrum schon jetzt planbare Mengen an Restimpfdosen an freiwillige Ärztinnen und Ärzte verteilt, von denen einige schon in den letzten Tagen immer wieder beim Landkreis nachfragen“, sagt er.

Den Ansatz, dass die Impfkampagne in den Praxen erst ankommen soll, wenn alle eingebunden werden können, sieht Bockhop als problematisch an. So verschenke man wertvolle Zeit. Würden die 83 Hausärzte einmal die Woche je 50 Impfdosen erhalten, wären schon bis Ostern dezentral weitere 12 450 Erstimpfungen möglich.

Übersicht und Leistungsfähigkeit des Landkreises und seiner Kommunen führt er an einem zweiten Punkt, der Impfung der über 70-Jährigen aus: „Konkret könnten wir zusammen mit den Rathäusern zum Beispiel am Mittwoch Briefe mit Impfterminen an alle im Jahr 1942 zwischen dem 1. und 15. Januar geborenen Bürgerinnen und Bürger rausschicken und so mit der Gruppe der über 70-Jährigen beginnen.“

Stattdessen sei damit zu rechnen, dass Kräfte im Telefondienst gebunden werden, weil Post der Landesregierung ohne festes Datum nur für Nachfragen, nicht aber Ergebnisse sorge.

Damit die dezentrale Impfung erfolgreich funktioniert, ist neben der Koordinierungsarbeit des Landkreises der Einsatz der Kommunen gefragt. Sie müssen sich um geeignete Orte für die Impfungen kümmern – die meisten Städte und Gemeinden haben das bereits getan.

Kreis kann derzeit keine Aussage über eine dezentrale Impfung der Ü70-Personen geben

Die Anforderungen an die Impforte sind dabei laut Jens Bley überschaubar: kommunale Ansprechpartner vor Ort, geeignete Räume, Sanitäranlagen, ein großer Parkplatz. Kurzum sind die Anforderungen praktisch die gleichen wie bei einer Blutspende-Aktion.

Eine Kommune hat dabei eine gewisse Sonderrolle: In Bassum wird es kein weiteres Impfzentrum zum bestehenden geben. Die dezentralen Impfungen werden parallel am selben Ort abgewickelt, heißt es aus dem Kreishaus und dem Bassumer Rathaus.

Und wie geht es weiter, wenn in ein paar Wochen alle über 80-Jährigen, die Interesse an einer Corona-Impfung haben, versorgt sind? Werden dann in einer nächsten Stufe die über 70-Jährigen dezentral geimpft? „Für so eine Entscheidung ist es noch zu früh“, sagt Mareike Rein. Erst einmal müsse ausgewertet werden, wie die aktuellen dezentralen Impfungen verlaufen – und dann spielten die Beschlüsse von Bund und Ländern natürlich auch noch eine Rolle.

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