Kreisseniorenratsvorsitzende: Angebote sind da, aber oft fehlt die Mobilität

Landkreis für ältere Menschen gut aufgestellt

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Symbolbild

Diepholz - Von Julia Kreykenbohm. Sind Senioren in der heutigen Zeit glücklicher als früher? Zu diesem Thema wurden kürzlich verschiedene Studien veröffentlicht.

Die einen meinen, die Älteren wären glücklicher, weil sie im Vergleich zu früher mehr Geld zur Verfügung haben. Die anderen behaupten, dass Geld allein auch nicht glücklich mache. Und wie ist es im Landkreis Diepholz?

Beschädigte und dreckige Straßen ein großes Ärgernis

„Gemeckert wird immer“, kommentiert Heidemarie Albers trocken. Sie ist die Vorsitzende des Kreisseniorenrates und auch im Landesseniorenrat vertreten. Es gebe Zeiten, da stehe das Telefon nicht still. Doch was sind die Themen, die die Senioren umtreiben?

„Oft geht es um Straßen und Wege, die schadhaft oder verschmutzt sind“, sagt Albers, die regelmäßig alle 15 Seniorenräte besucht, um sich zu informieren, wo der Schuh gerade drückt. „Aber auch die Vorsorge im Notfall beschäftigt die älteren Menschen, wobei wir dafür eigentlich in jeder Gemeinde einen Wegweiser ausliegen haben, in dem alles drin steht und der kostenlos ist“, wendet Albers ein. Doch sie hat oft das Gefühl, dass dieser gar nicht gelesen wird.

Fehlende Ärzte im Ort bereiten Sorgen

Auch die medizinische Versorgung wird häufig thematisiert. „Die Senioren sind unsicher, weil sie im Ernstfall am Wochenende ins Krankenhaus müssen, da es oft keine Ärzte im Ort gibt, die Notfalldienst machen.“ Albers hält die Versorgung im Landkreis für gut, allerdings sei die Mobilität ein Problem. „Die Angebote sind da, nur kommen viele nicht dorthin.“ Das sei nicht nur bei Ärzten der Fall. „Auch die Tafeln können viele nicht so einfach erreichen, weil sie kein Auto mehr haben.“ Darum möchte sich der Kreisseniorenrat dafür einsetzen, dass entweder in jedem Ort eine Tafel eingerichtet, oder durch Bürgerbusse die Mobilität erhöht wird.

Apropos Tafeln: Glaubt Albers, dass die Altersarmut zunimmt? „Bisher hatte ich noch keinen Anruf deswegen“, sagt die Vorsitzende vorsichtig. Allerdings könne sie keineswegs ausschließen, dass es solche Fälle im Kreis gibt. „Die Leute schweigen aus Scham darüber. Vielen wurde ja noch beigebracht, dass man nicht jammert, sondern Leid stumm erträgt.“

Einzelhandel soll generationenfreundlicher werden

Doch dass sich viele Ältere benachteiligt fühlen, käme zur Sprache, wenn es um Flüchtlinge geht. „Viele Senioren stehen den Neuankömmlingen skeptisch, manchmal auch ablehnend gegenüber. Sie sagen: ,Wir haben unser Leben lang gearbeitet und bekommen so wenig zurück und für die wird alles gemacht.“

Im Großen und Ganzen sieht Albers aber den Landkreis gut aufgestellt. „Es wird viel für ältere Leute getan. Wir, als Kreisseniorenrat, organisieren Vorträge zu Themen, die die älteren Leute interessieren könnten, und sind Ansprechpartner. Wir helfen gern weiter oder vermitteln Kontakt zu denjenigen, die helfen können.“ Auch die Vereine leisteten eine tolle Arbeit in den Orten, indem sie viele Angebote machten. „Bei uns muss eigentlich keiner einsam verkümmern.“ Die Zusammenarbeit mit dem Landkreis und den Behörden funktioniere im Grunde sehr gut. „Es kommt hin und wieder vor, dass wir vergessen werden, aber dann melden wir uns schon deutlich zu Wort“, sagt Albers, die schon zehn Jahre im Beirat ist, und schmunzelt.

Gibt es denn etwas, was im Landkreis verbessert werden könnte? Albers überlegt. „Es wäre schön, wenn sich mehr Geschäfte um die Plakette der Organisation ,Linga’ (Landesinitiative Niedersachsen generationengerechter Alltag) bemühen würden. Diese bewerten Einkaufszentren nach Generationenfreundlichkeit und bisher ist der Combi-Markt der einzige, der diese bekommen hat.“ Die anderen Märkte hätten nicht gewollt.

Und was macht solch einen Markt aus? „Zum Beispiel, dass Bänke dort stehen, auf denen älteren aber auch gehbehinderte Menschen sich niederlassen können. Wasserspender sollten vorhanden sein und die Preisschilder so angebracht, dass jeder sie lesen kann“, so Albers.

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