Interview

Sabine Sparkuhl beerbt Jutta Hohnholz als neue Vorsitzende der Landfrauen

Jutta Hohnholz und Sabine Sparkuhl.
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Alte und neue Vorsitzende. Sabine Sparkuhl (rechts) übernimmt das Amt der Vorsitzenden des Landfrauen Kreisverbandes Grafschaft Hoya von Jutta Hohnholz.

Es ist ein Wechsel, der für eine Organisation mit tiefen Wurzeln im Landkreis eine enorme Bedeutung hat. Jutta Hohnholz hat nach 16 Jahren den Vorsitz im Landfrauen-Kreisverband Grafschaft Hoya abgegeben. Übernommen hat ihn Sabine Sparkuhl – in einer Zeit, die für die Landwirtschaft insgesamt enorme Herausforderungen birgt. Im Doppelinterview nehmen beide zu Entwicklungen und Chancen Stellung. Die Fragen stellte Anke Seidel.

Landfrau ist nicht gleich Landfrau – was unterscheidet die aus dem Jahr 1960 von der im Jahr 2021?

Jutta Hohnholz: In den 1960er Jahren kamen die Frauen hauptsächlich aus der Landwirtschaft. Sie waren im Betrieb fest eingebunden, ob es sich um den großen Haushalt und Garten zur Selbstversorgung oder um einen Betrieb mit Stall oder Feld handelte. Wenn die Frauen sich bei ihrem Landfrauenverein trafen, sei es zu einer Versammlung mit Vortrag oder eine Tagesfahrt ins Umland, war das eine bereichernde Abwechslung aus dem Alltag für sie. Heute liegt der Anteil der Landfrauen aus der Landwirtschaft bei 10 bis 20 Prozent. Viele Frauen vom Lande haben sich den Landfrauenvereinen angeschlossen und sind Mitglied. Sie sind berufstätig und nehmen gerne an den breit gefächerten Veranstaltungen am Wochenende oder an den Abenden teil.

Sabine Sparkuhl: Früher waren Landfrauen Frauen aus der Landwirtschaft, die sich mal trafen – sofern es die Arbeit zu ließ. Alles drehte sich um die Landwirtschaft und den Haushalt. Mit den Jahren hat sich das geändert, nur wenige Landfrauen kommen noch aus der Landwirtschaft, die meisten kommen aus Privathaushalten. Die Themen der Treffen haben sich auch verändert, es geht heute um Gesundheit, Bildung, Wellness, Entspannung und vieles mehr.

Wie lange sind Sie bereits Mitglied – und was war Ihr Motiv, sich dieser Organisation anzuschließen?

Jutta Hohnholz: 21 Jahre bin ich Mitglied im Landfrauenverein Harpstedt-Heiligenrode. Landfrauen sind eine große Gemeinschaft, die füreinander da sind. Bei den Landfrauen habe ich Spaß und Freude, Weiterbildung und Interessenvertretung. Es gibt eine Vielfalt an Themen, die auf Orts-, Kreis- oder Landesebene angeboten werden. Landfrauen sind Sprachrohr für das Land und diese Stärke wird in die Familien und in die ländliche Region hineingetragen.

Sabine Sparkuhl: Man fragte mich damals, ob ich mir vorstellen könnte beim Vorstand des Landfrauenvereins Harpstedt-Heiligenrode mit zu machen und ich sagte Ja. Das war 1998, somit kam ich zu den Landfrauen. 16 Jahre habe ich dann im Vorstand mitgewirkt.

Wovon haben Sie persönlich bisher am meisten profitiert?

Jutta Hohnholz: Mir sind die menschlichen Begegnungen sehr wichtig und bereichernd gewesen. Viele Organisationen und Institutionen habe ich kennenlernen können und ein großes Netzwerk ist dadurch entstanden. Es machte mir sehr viel Spaß, mit Landfrauen zusammenzuarbeiten. Durch die Arbeit habe ich mich persönlich weiterentwickelt.

Sabine Sparkuhl: Ich glaube durch den vielen Kontakt zu anderen Frauen und durch das „Kochen mit Kindern“, wo ich von Anfang an dabei bin. Da habe ich gelernt, vieles anders, objektiver zu sehen. Es hat mich selbstbewusster gemacht.

Was war Ihr schönstes Erlebnis mit den Landfrauen?

Jutta Hohnholz: Dem Kreisverband angeschlossen ist der gemeinnützige Verein „Kochen mit Kindern“. Seit fast 20 Jahren finden die Aktionen an Grundschulen statt. Jedes Jahr kommen rund 1 800 Kinder in den Genuss dieser Aktionen. Engagierte Landfrauen führen die Aktionen durch und sie geben ihnen das Gesicht nach außen. Die schönsten Erlebnisse habe ich bei den Kochaktionen mit den Kindern und Landfrauen erleben können, die so begeistert mit großem Eifer dabei sind.

Sabine Sparkuhl: Das ist eine gute Frage, es gab so viele Dinge. Aber ganz besonders sind immer noch die Erlebnisse, die ich mit den Kochfrauen beim „Kochen mit den Kindern“ in der Schule erlebt habe und erlebe.

Und worauf hätten Sie gern verzichtet?

Jutta Hohnholz: Es gab unter anderem anonyme Briefe, die mich aufforderten, mich von der jetzigen modernen Landwirtschaft abzuwenden und mich in meiner Position dafür einzubringen. Es gab von einer Tierschutzorganisation Aufforderung, das Projekt Kochen mit Kindern zu hinterfragen.

Sabine Sparkuhl: Da gibt es nichts!

Landfrauen sind Sprachrohr für das Land.

Jutta Hohnholz

Was zeichnet eine Vorsitzende aus?

Jutta Hohnholz: Bei den Landfrauen kommen Frauen aller Altersstufen, Berufsgruppen mit verschiedensten Interessen zusammen. Das ist eine große Chance, dieses Potenzial zu erkennen und zu nutzen. Das Augenmerk sollte dabei immer auf der Bildungsarbeit und Interessenvertretung für Frauen und Familie im ländlichen Raum liegen. Über den eigenen Tellerrand zu schauen ist sicher auch wichtig.

Sabine Sparkuhl: Gute Menschenkenntnis. Eine Vorsitzende leitet ihre Mitglieder und klärt sie auf, arbeitet konstruktiv zusammen mit ihrem Team und gibt ihr Wissen an andere weiter. Sie vertritt ihre Mitglieder in vielen Bereichen und Ausschüssen und bringt Dinge auf den Weg.

Was ist der Lohn für die ehrenamtliche Arbeit, die Investition persönlicher Lebenszeit für andere?

Jutta Hohnholz: Die Begegnungen mit Menschen aus verschiedenen Bereichen. Und die Begegnungen mit den Landfrauen, die realistisch, bodenständig, aktiv, neugierig, offen für Neues und füreinander da sind. Dies hat mein Leben bereichert und viel Spaß und Freude bereitet. Der Lohn ist auch, wenn am Ende alle an einem Strang ziehen. Dies ist wichtig, für eine erfolgreiche Zusammenarbeit und zeichnet gutes Miteinander aus.

Sabine Sparkuhl: Zufriedene, glückliche Mitmenschen und neu gefundene Freunde und viel Lebenserfahrung.

Sind Landfrauen politisch?

Jutta Hohnholz: Landfrauen setzen sich für die Stärkung des Ehrenamtes ein und für den Ausbau der Alltagskompetenzen in den Schulen. Ebenso liegt mir das Bild für die landwirtschaftlichen Familienbetriebe in der Öffentlichkeit am Herzen, an dem wir mit verschiedenen Projekten arbeiten – wie Landwirtschaft für kleine Hände, Lehrerfortbildung, Tour de Flur und auch das Projekt Kochen mit Kindern. Ziel ist es, die land- und ernährungswirtschaftlichen Zusammenhänge besser kennenzulernen.

Sabine Sparkuhl: Ich denke irgendwie schon, aber nicht Partei gebunden. Sie befassen sich unter anderem mit dem Leben, der Wirtschaft und der Umwelt.

Wie stellen Sie sich die Landfrau 2050 vor?

Jutta Hohnholz: Die Zusammenkünfte der Frauen werden immer noch beliebt sein. Der Austausch zu verschiedenen Themen, die anders als heute sein werden, wird bleiben. Die Digitalisierung wird selbstverständlich sein und die Vernetzung wird noch gestärkt. Der demografische Wandel wird uns weiter beschäftigen. Der Erhalt des ländlichen Raumes wird immer aktuell sein. Insgesamt denke ich, wird sich die Struktur der Vereine aber verändern.

Sabine Sparkuhl: Noch selbstständiger, engagierter und selbstbewusster und in mehr Führungspositionen.

Jutta Hohnholz

Jutta Hohnholz ist 59 Jahre alt, verheiratet und lebt mit ihrer Familie auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in Dünsen. Die gelernte ländliche Hauswirtschaftsleiterin hat zwei erwachsene Kinder und vier Enkelkinder. Sie ist Vorsitzende des Vereins „Kochen mit Kindern“ und Vorstandsmitglied im Landfrauenverein Harpstedt-Heiligenrode. Ihr Amt als Kreisvorsitzende hat sie abgegeben – nach 16 Jahren. In einem festlichen Rahmen überreichte ihr Elisabeth Brunkhorst, Präsidentin des Landfrauenverbands Hannover, die silbernen Biene mit Niedersachsenwappen.

Sabine Sparkuhl

Sabine Sparkuhl ist einstimmig zur neuen Vorsitzenden des Landfrauen-Kreisverbands Grafschaft Hoya gewählt worden. Sie ist 54 Jahre alt und seit fast 30 Jahren verheiratet. Die gelernte ländliche Hauswirtschafterin hat zwei erwachsene Töchter. Familie Sparkuhl betreibt eine Pferdepension in Groß Mackenstedt. Ehrenamtlich wirkt die 54-Jährige im Gemeinderat Stuhr, sie ist Ratsvorsitzende. Außerdem engagiert sie sich im Vorstand des Schützenvereins Freischütz Malsch und natürlich bei den Landfrauen in deren Aktion „Kochen mit Kindern.“ 

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