Bericht zur bisherigen Pandemie

Teilweise wie ein Kriegsbericht: Katastrophenschützer blickt auf Corona-Krise

Dank neuer Lieferungen kann das Impfzentrum Bassum die Zahl der Erstimpfungen wieder deutlich steigern.
+
Dank neuer Lieferungen kann das Impfzentrum Bassum die Zahl der Erstimpfungen wieder deutlich steigern.

Klaus Speckmann ist der oberste Katastrophenschützer des Landkreises Diepholz. Sein Kurzbericht zur Corona-Lage klingt stellenweise wie ein Kriegsbericht.

Landkreis Diepholz – „Wäre die aktuelle Inzidenzkurve der DAX-Wert, würden wir hier alle nicht so entspannt sitzen.“ Mit diesem Vergleich stieg der oberste Katastrophenschützer des Landkreises Diepholz, Fachdienstleiter Klaus Speckmann, am Donnerstagnachmittag im Kreisausschuss für Feuerschutz, Vekehr und Sicherheit in einen Kurzbericht zur aktuellen Corona-Lage ein – und der klang zwischenzeitig wie ein Kriegsbericht. Auf der einen Seite die ausgezehrte eigene Mannschaft, auf der anderen Seite ein Virus, dass sich immer wieder neue, perfide Schachzüge einfallen lässt.

Um dem Erreger Sars-CoV-2 strategisch zuvorzukommen, richtete der Landkreis schon im März vergangenen Jahres einen Krisenstab ein. In bislang 136 Sitzungen wurden dort Strategien diskutiert und umgesetzt, um die eigene Truppe zu schützen und den Gegner unter Druck zu setzen. Ein erster Schritt: die Einrichtung eines Bürgertelefons. 35.000 Anfragen wurden dort seitdem im Drei-Schicht-Betrieb bearbeitet, teils 1 400 pro Woche. Heute mit zwei bis vier Mitarbeitern, in der Spitze mit bis zu sieben. Gleichzeitig sprudelten die schriftlichen Hilfegesuche in den E-Mail-Eingang. 2550 Anfragen wurden dort beantwortet, so Speckmann.

Corona-Lage im Landkreis Diepholz: Speckmann musste die neuesten Verordnungen stets kennen

Damit alle Bürger die gleichen Informationen erhalten und der Gegner taktisch klug bekämpft werden kann, ist Abstimmung erforderlich. Speckmanns Fachdienst musste stets die neusten Corona-Verordnungen kennen. Gleichzeitig sandten die Mitarbeiter 293 Lagemeldungen nach Hannover und koordinierten die Verteilung von mehr als 85.000 Mund-Nasen-Schutzen. Vom 21. Oktober bis 12. März eilte die Bundeswehr zur Unterstützung bei der Kontaktverfolgung in den Landkreis, dann übernahmen wieder Mitarbeiter der Kreisverwaltung das Ruder – oftmals neben ihren eigentlichen Aufgaben.

Inzwischen hat die Menschheit gleich mehrere starke Waffen gegen das Virus entwickelt. Hier im Landkreis: Biontech, Astrazeneca, Moderna und Johnson & Johnson. Das Land koordiniert die Impftermine. In der ersten Woche kamen auf eine Millionen interessierte Impfberechtigte nur 25.000 Impfdosen. Weil es zwischendurch an Munition im Kampf gegen das Virus mangelte, mussten die Erstimpfungen reduziert werden.

Inzwischen läuft die Versorgung besser. 1345 Impfungen wurden allein am Donnerstag im Landkreis verteilt. Die hiesige Warteliste schrumpfte innerhalb von zehn Tagen von 22.500 auf 5000. Am Donnerstagabend wurde eine neue Lieferung angekündigt, die Liste verkürzte sich auf 3.283 Einträge. Ab Sonntag soll der Anteil der Erstimpfungen wieder 75 Prozent betragen.

Mehr als die Hälfte aller Menschen im Kreis Diepholz haben die Erstimpfung erhalten

Inzwischen haben 51 Prozent im Landkreis eine Erstimpfung erhalten, 32 Prozent eine Zweitimpfung. „Bräuchte jeder nur eine Impfung, dann wären wir komplett durch“, so Speckmann mit Blick auf die Impfwilligen.

Das zeigt sich in den Inzidenzen. Die seien in Niedersachsen „regelrecht eingebrochen“. Erste Regionen wie der Heidekreis liegen schon bei 0, der Landkreis Diepholz seit fünf Tagen unter 10. Ab Sonntag dürfen sich wieder 25 Menschen unabhängig vom Haushalt ohne Maske treffen, draußen sogar 50.

Doch Vorsicht! Der Gegner schläft nicht. Auch er hat vier gefährliche Pfeile im Köcher: Alpha, Beta, Gamma und Delta. Letztere Variante bereitet derzeit am meisten Sorgen. „Eins ist wohl sicher: Ihr Anteil wird deutlich steigen“, heißt es dazu mahnend aus der Corona-Schaltzentrale in Diepholz.

Drei Fragen an: Kreisrat Jens-Hermann Kleine

Wann sind alle Impfwilligen im Landkreis geimpft?

„Der Fortschritt ist so, wie von der Bundesregierung angekündigt“, sagt Jens-Hermann Kleine. Sprich: Im Herbst haben alle Menschen in Deutschland ein Impf-Angebot erhalten. Nur noch rund 3 000 Menschen stehen im Landkreis Diepholz auf der Warteliste. In anderen Kreisen seien die Listen bereits leer.

Bleiben die Impfzentren auch in Zukunft für Nachimpfungen bestehen?

Stand jetzt werden alle Impfzentren in Deutschland am 30. September zurückgebaut. Der Landkreis habe da keinen Einfluss, aber: „Es gibt dazu momentan Diskussionen zwischen Bund und Ländern.“

Sind Lockerungen trotz der gefährlichen Delta-Variante sinnvoll?

„Das Geschehen ist nicht vorbei“, warnt Kleine. Vorbereiten könne man sich auf die Delta-Variante jedoch nicht. Strenge Corona-Maßnahmen hätten mit Blick auf die aktuelle Inzidenz keine Rechtfertigung mehr. „Alles staatliche Handeln hat verhältnismäßig zu sein.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Landesregierung bremst Neustart der Ströher Diskothek Life aus

Landesregierung bremst Neustart der Ströher Diskothek Life aus

Landesregierung bremst Neustart der Ströher Diskothek Life aus
Landkreis Diepholz: Großbrand ruiniert Scheune – 100 Einsatzkräfte nötig

Landkreis Diepholz: Großbrand ruiniert Scheune – 100 Einsatzkräfte nötig

Landkreis Diepholz: Großbrand ruiniert Scheune – 100 Einsatzkräfte nötig
A 1-Ausbau zwischen Ahlohrner Heide und Stuhr: Die Kartierung beginnt

A 1-Ausbau zwischen Ahlohrner Heide und Stuhr: Die Kartierung beginnt

A 1-Ausbau zwischen Ahlohrner Heide und Stuhr: Die Kartierung beginnt
Freiwillige hübschen Schwimmpark auf

Freiwillige hübschen Schwimmpark auf

Freiwillige hübschen Schwimmpark auf

Kommentare