Kunst der Gegenwart aus Diepholz / Ausstellung über Hans-Albert Walter begleitet „Kunst in der City“

Reduktion auf das Einfache

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Karl Heinz Busch betrachtet Frühwerke von Hans-Albert Walter im Alten Rathaus. Die Eröffnung der Ausstellung markierte den Beginn von „Kunst in der City“.

Von Simone Brauns-Bömermann. Er ist einer der großen Wegbereiter moderner Kunst der Gegenwart, in diesem Jahr wäre er 90 Jahre alt geworden: Der Künstler Hans-Albert Walter aus Diepholz. Mit der Sonderausstellung „Raum, Licht und Zeit – Erinnerung an Hans-Albert Walter“ würdigen die Stadt Diep-holz, die Fördergemeinschaft Lebendiges Diepholz und das Kreismuseum Syke den Künstler im Saal des Alten Rathauses in der Kreisstadt.

Erstmals hatten die mehr als 100 Besucher die Chance, auch eine Begegnung mit dem frühen Walter zu erleben. Walter beschreibt seinen künstlerischen Weg selbst als „Mein Weg in die Freiheit der Kunst“, 1946 als Student in München. Zur Kulturpreisverleihung des Landkreises Diepholz 1995 nennt er sein Lebenswerk: „Mein Planetenraum der Freiheit“. 1976 beschreibt Guido Hildebrandt, Verleger, es so: „Hans-Albert Walter war da, als man ganz am Anfang stand…“.

Auf Einladung von Otto Piene, Heinz Mack und Günther Uecker stellte er mit der Düsseldorfer Künstlergruppe ZERO in den 1960er Jahren aus und wird weltbekannt. ZERO definierten sich über den Namen als Stunde null für die Kunst nach den Schrecken des Krieges. Es klingt wie eine Farce, aber kurz vor dem Dröhnen der Bombennächte verlor Hans-Albert Walter 1940 sein Gehör.

Es war sicher eine Triebfeder, das „Dunkle“ seiner Ohren selbst mit Licht zu füllen, sich auf die verbleibenden Sinne zu konzentrieren, und in seiner Kunst die Sprache für sein persönliches Hören zu finden. Licht, Zeit und Raum als Identität von Anfang, Ende und Unendlichkeit.

Walter findet in all seinen Arbeiten die Poesie des Kosmos, er feiere Sonne, Mond und Sterne und die moderne Raumfahrt nicht in naiver Technikeuphorie, beschreibt Dr. Rainer Beßling in seiner Monographie über den Künstler.

Beßling freute es sehr, dass er die Ehrenausstellung in Diepholz mit seiner Laudatio eröffnen durfte. Er beschreibt den Schaffensprozess des Künstlers als Suche nach Ordnung, nach Zeitspuren im Kosmos, auf Grabungsfeldern unterwegs. Statik und Bewegung lieferten sich eine spannungsvolle Balance, Walter stelle mit allen Werken der Gegenwart und Zukunft Fragen universeller und existenzieller Art.

Beßling resümierte: „Ich habe in den Jahren meiner Tätigkeit als Journalist und Kunstwissenschaftler noch nie einen Künstler getroffen, der so akkurat arbeitete, aufhängte und sprach“. Er beschreibt ihn als zielstrebigen Künstler, für den die Zahlen mehr und mehr bei Abwesenheit von Geräuschen zur inneren Klangwelt wurden. Walter verstand ZERO im doppelten Sinne: „Zero – Stunde null der Kunst“ und „Zero für seine Stille“.

Retrospektiv bemerkte er zu den Zahlenreihen 0 bis 9: „Wesentlich für mich war nicht unbedingt die Mathematik, vielmehr die Fähigkeit, durch sie in ihrer einfachsten Form zu Meditation zu gelangen“.

Und trotzdem geht er instinktiv mathematisch vor: Reduktion von Komplexität auf einfache, ästhetische Grundmuster. Tiefe, Raum, Oberflächenstruktur, Verwandlung im Licht, das sind die Parameter, die Walters Kunst so interessant machen. Er schafft Lichträume, die sich wandeln, leuchten von innen. Er beschreibt schon weit vor dem eigentlichen technischen Durchbruch televisionäre Landschaften, Solarzentren, Sonden, kosmische Lichtsysteme oder die Geburt des Lichts.

Das Schwesterbild des am 17. Oktober 1960 gleichnamig datierten Bildes, das in der Städtischen Galerie in Delmenhorst hängt, war in Diepholz zu sehen. „Walter benannte es so nach der Geburt seiner Tochter Heike“. Es ist eine kinetische Bildsprache mit den Grundelementen Licht, Bewegung und Kreis. Beßling beschreibt es als: „Lichtraumrelief, ausgeschnitten aus einem grenzenlosen All, temporäres Fundstück eines Himmelsforschers. Scharfstellen ist vergeblich, die Räume sind zu weit, die Geburten und das Vergehen des Lichts zu schnell“.

Walters Werke im öffentlichen Besitz reichen vom Museum of Modern Art New York über das Sprengel Museum, Hannover bis nach Yokohama und natürlich Diepholz.

Die Ausstellung im Alten Rathaus ist noch in dieser Woche täglich von 10 bis 12 und von 15 bis 18 Uhr geöffnet; Samstag von 10 bis 13 Uhr und Sonntag von 13 bis 18 Uhr.

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