„Kunst in der City“ wird zum Selbstläufer / „Der Platz wird langsam eng“

Diepholz wächst zur Kunststadt

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Die Werke von Hans-Albert Walter stehen in diesem Jahr bei „Kunst in der City“ besonders im Blickpunkt. Diese Skulptur von ihm vor dem Diepholzer Rathaus heißt: „Magnetfeld 86 – Countdown neun bis null“.

Brauns-Bömermann - Von Simone. Immer wieder stellt sich von außen die Frage: Was hat Diepholz nicht? Sollte es nicht besser heißen: Was hat Diepholz zu bieten? Diepholz hat das „Wir sind Diepholz“, „Kunst in der City“ mit Rosenfest, Sommernachtskonzert, Mal – und Bildhaueraktion, Brunch bei Kunst, Kunstvortrag, das Gemeindefest St. Nicolai, Sonderausstellung im Tuchmacherhaus und die II. Diepholzer Grafentour.

Und: Die Grafenstadt hat engagierte Bürger: So Bärbel Schmitz, die auf die Säule Kultur in der Stadt in dessen Entwicklung setzt. Seit 2002 verfolgt die Fördergemeinschaft Lebendiges Diepholz die Idee von Bärbel Schmitz „Kunst in der City“. Was als Idee entstand, einen verkaufsoffenen Sonntag mit der Ausstellung von Kunstwerken heimischer Künstler in den Geschäften attraktiver zu machen, entwickelt sich nach und nach zu einem Alleinstellungsmerkmal der Stadt. „Heute fragen die Künstler bei uns an, ob sie mitmachen können, der Platz wird langsam eng“.

Schaut man sich die Liste der Kulturpreisträger des Landkreises an, fällt man über Künstler der verschiedensten Genres von Hüde bis Stuhr, Syke bis Diep-holz. Manche erlangten sogar Weltruhm. Wie Hans-Albert Walter, besser bekannt und liebevoll einfach umschrieben als „Zahlen-Walter“, Kulturpreisträger des Landkreises 1995 und internationaler Künstler, der 2005 verstarb. Mit der Ehrenausstellung „Raum, Licht und Zeit – Erinnerung an Hans-Albert Walter“ startet die Auflage „Kunst in der City“ 2015 am Montag, den 15. Juni im alten historischen Rathaussaal. Als Laudator konnte die Arbeitsgemeinschaft Dr. Rainer Beßling gewinnen, der bereits 1999 in der Reihe „Kunst der Gegenwart in Niedersachsen“ eine Monographie über den Künstler schrieb.

Eines der visionären Werke von Walter ziert den Titel des Flyers zu Kunst in der City: Es steht im öffentlichen Raum vor dem Krankenhaus und heißt: „Komputerzeichen II, 1978“. Das Hashtag der 70´er Jahre sozusagen und Walter damit ein Avantgarde.

Ihm folgen mehr als 90 Künstler an rund 40 Orten in der Stadt. „Über die Stadt verteilt haben wir die Künstler, erstmals auch im Technikmuseum in St. Hülfe-Heede, in der Volkshochschule und ganz brandneu wird ein Graffiti-Künstler einen Bauzaun in der Innenstadt besprayen“, freut sich Bärbel Schmitz.

Die Hochkarätigkeit der Künstler haben wir schon im letzten Jahr bewiesen, als Kani Alavi aus Berlin in Diepholz ausstellte“, bemerkt Schmitz. Der Künstler, der von der East Side Gallery und der Bemalung der Mauer bekannt ist, will wieder nach Diepholz kommen.

Aber die etablierten Künstler und ihre Auszeichnungen müssen sich den Platz um die Kunstwerke-Ausstellung mit den Anfängern teilen: Der Kindergarten Lütke Lüe und Lappenberg haben sich angemeldet, die Jahnschule und die Klasse 12 der Fachoberschule Gestaltung. Die Malgruppe von Dozentin Marlene Seifert und die Ateliergemeinschaft Frey.

Das ist echt viel, dazu braucht man mindestens eine Woche und das angrenzende Wochenende, um die „Kunst in der City“ zu genießen. Trotzdem wollen die Organisatoren die Standortfaktoren nutzen und das Event in 2016 noch ausweiten: Kabarett und Konzerte seien denkbar.

Bärbel Schmitz Eifer ist ungebrochen. Sie stellt sich als Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft „Kunst in der City“ eine ganze Stadt als Ausstellungsort vor. Aber das ist ihr mit Blick auf den fertiggestellten Flyer ja bereits gelungen. Mit einer Art Kunst-Wanderkarte kann sich der Besucher von Geschäft zu Geschäft hangeln, um sich von der Kunst inspirieren zu lassen und zu kaufen. Schmitz Herz schlägt für Diepholz, mit ihrem Puls hat sie bereits viele Herzen angestoßen, weitere werden gesucht. Geschäftsräume als Plattform für Kunst, stelle dabei eine tolle Symbiose von Austausch und Aufbruch dar.

Denn Stadtentwicklung laufe nicht von selbst: „Dafür muss man ordentlich schuften, auch mal gegen Widerstände“, so die Fachfrau in Sachen „Kunst in der City“.

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