Protest gegen Arbeitsplatzabbau bei ZF

1000 Menschen bei Kundgebung in Diepholz

Etwa 1 000 Menschen nahmen nach Gewerkschaftsangaben an der Kundgebung der IG Metall auf dem Diepholzer Marktplatz gegen Arbeitsplatzabbau in ZF-Werken rund um den Dümmer und den Verkauf eines der Diepholzer ZF-Werke teil.
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Etwa 1 000 Menschen nahmen nach Gewerkschaftsangaben an der Kundgebung der IG Metall auf dem Diepholzer Marktplatz gegen Arbeitsplatzabbau in ZF-Werken rund um den Dümmer und den Verkauf eines der Diepholzer ZF-Werke teil.

Diepholz – Zweieinhalb Stunden geballte Kritik an der ZF-Konzernführung und Solidarität mit der betroffenen Belegschaft: Etwa 1 000 Menschen nahmen nach Angaben der Veranstalter am Freitagnachmittag an der Kundgebung gegen Arbeitsplatzabbau bei ZF rund um den Dümmer und den möglichen Verkauf des Diepholzer Werkes Electronic Interfaces (EI, Schaltungssysteme) auf dem Diepholzer Marktplatz teil.

Nach kämpferischen Reden und Grußworten von Betriebsratsvertretern verschiedener deutscher Standorte des Automobilzulieferers sowie Solidaritätsbekundungen von Politikern startete gegen 17.30 Uhr ein Autokorso, der an den Diepholzer ZF-Werken vorbeiführte.

Viele der Teilnehmer waren wie gefordert wegen der Corona-Pandemie in ihren Autos geblieben, um Kontakte zu vermeiden. Sie konnten die Redebeiträge mittels einer lokalen UKW-Frequenz über ihre Autoradios verfolgen.

Bürgermeister und Landrat sagten ab

Mehr als zehn Männer und Frauen standen auf der Rednerliste. Zwei wurden von ZF-Mitarbeitern vermisst: Der Diepholzer Bürgermeister Florian Marré und Landrat Cord Bockhop hatten abgesagt. Ihre Begründung war laut Friedrich (Fred) Hartmann, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Nienburg-Stadthagen, dass sie sich nicht zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer stellen wollten. Die Kundgebungsteilnehmer quittierten die Absage mit kurzen Buh-Rufen. Beifall bekamen die Redner, die die Ladefläche eines Lkw betraten. Diese diente bei der Kundgebung auf dem Marktplatz als Bühne – auch für zwei Musiker aus Nienburg.

Wegen der Corona-Pandemie vermieden viele Kundgebungs-Teilnehmer Kontakte und verfolgten die Redebeiträge in ihren Autos.

Den Auftakt machte Fred Hartmann. Der Vertreter der Industriegewerkschaft Metall bezeichnete den möglichen Verkauf des Diepholzer ZF-Werkes Electronic Interfaces (EI) mit 500 Mitarbeitern als „Riesensauerei“. Das sei keine Sozialpartnerschaft.

Stefan Brandt, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender des ZF-Werkes Dielingen, blickte zurück auf bereits erfolgte Verkäufe von ZF-Werken – unter anderem Boge-Elastmetall in Damme. Einem Verkauf des Diepholzer Werkes EI müsse der Aufsichtsrat von ZF Friedrichshafen zustimmen. Darin habe die Ulderup-Stiftung, der 6,2 Prozent von ZF gehören, eine Stimme, könne aber den Verkauf verhindern, so Brandt, wenn sie die Zustimmung verweigere.

Jörg Amon, ZF-Betriebsratsvorsitzender am Standort Diepholz, bezeichnete die Pläne der Konzernleitung, wegen der erwarteten Umsatzrückgänge in den nächsten Jahren circa 1 000 Mitarbeiterstellen rund um den Dümmer abzubauen – also etwa ein Drittel aller ZF-Beschäftigten in den fünf Werken – als „Amputation“.

Kämpferisch gab sich Eduard Haab, Betriebsratsvorsitzender des vom Verkauf bedrohten Werkes EI. Er warf dem Management „Wortbruch und Vertragsbruch“ vor. Das Werk EI (Schaltungssysteme) könne durchaus eine Zukunft haben. Die Mitarbeiter würden zeigen, dass man in Deutschland im Vergleich zu Osteuropa gute Arbeit leisten und man auch hier Geld verdienen könne. Die Belegschaft sei engagiert und bereit für neue Produkte mit Perspektiven.

Kritische Worte in Richtung Konzernleitung, die keine Zukunftskonzepte vorlege, äußerten auch Damian Pigsa (Betriebsratsvorsitzender ZF Damme) und Wilhelm Kenneweg (Betriebsratsvorsitzender ZF-Werk Wagenfeld).

Politiker versprechen Unterstützung

Unterstützung bei der Entwicklung von ZF als Zulieferer für die Produktion von Elektrofahrzeugen versprach Katja Keul (Nienburg), Bundestagsabgeordnete der Grünen. „Politik darf sich nicht wegducken“, meinte Peggy Schierenbeck, heimische Bundestagskandidatin der SPD.

Als ZF-Mitarbeiter mit ruhendem Arbeitsvertrag – im internationalen Vertrieb von EI/Schaltungssysteme – trat der Diepholzer Landtagsabgeordnete Marcel Scharrelmann (CDU) ans Rednerpult. Er versprach, Türen in der Landeshauptstadt Hannover zu öffnen, um Arbeitsplätze zu sichern: „Wir müssen jetzt um Arbeitsplätze kämpfen.“ Auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Axel Knoerig versprach Hilfe: „Sie wünschen sich Unterstützung von der Politik – die bekomme Sie gerne von mir.“

Kämpferisch: Eduard Haab, Betriebsratsvorsitzender des ZF-Werkes Electronic Interfaces (Schaltungssysteme).

Den „Kulturwandel“ in den Management-Etagen kritisierte Friedrich-Bernd Albers aus Emden, Landesvorstandsmitglied der Partei Die Linke.

Ein kurzes Grußwort gab es von der Grünen-Bundestagskandidatin Sylvia Holste-Hagen, bevor abschließend Betriebsratsvertreter auch von weit entfernten ZF-Standorten ihre Solidarität mit den Kolleginnen und Kollegen aus der Dümmerregion bekundeten. Sie waren teils mit weiteren Belegschafts-Mitgliedern untern anderem aus Gelsenkirchen-Schalke, Witten, Bielefeld, Hannover und Schweinfurt nach Diepholz gereist.

Der Diepholzer Kreisvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Matthias Müller, rundete den Reigen der Unterstützer von Mitarbeitern ab, die unter dem Dach von ZF bleiben wollen.

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