Coronakrise hat Folgen

Betreiber des Diepholzer „Central Cineworld“: „Kulturstätte Kino hat Zukunft“

„Kino hat Zukunft“, sagt Gunnar Schäfers. Der 43-Jährige betreibt das „Central Cineworld“ in Diepholz seit 2007, hat die Coronakrise bislang überstanden und freut sich, dass die Filmverleiher wieder Blockbuster anbieten.
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„Kino hat Zukunft“, sagt Gunnar Schäfers. Der 43-Jährige betreibt das „Central Cineworld“ in Diepholz seit 2007, hat die Coronakrise bislang überstanden und freut sich, dass die Filmverleiher wieder Blockbuster anbieten.

Diepholz – Viele Filme waren fertig, doch die großen Verleiher hielten sie international zurück. Zu groß war ihre Angst, dass die Blockbuster in der Coronakrise weit weniger Besucher in die Kinos gelockt hätten als zu normalen Zeiten und die mit Millionenkosten produzierten Filme damit weniger einspielen. Das ändert sich nun langsam – und auch Gunnar Schäfers, Betreiber des Diepholzer Kinos „Central Cineworld“ an der Wellestraße, kann etwas aufatmen.

Die Folgen der Pandemie haben seine Kinos – neben dem Diepholzer führt er das „Schauburg Cineworld“ in Vechta – bislang relativ gut überstanden. Doch die Verluste spürte er deutlich: Sieben Wochen musste er während des Lockdowns schließen. Während dieser Zeit betrieb er mit Partnern ein Autokino auf dem Stoppelmarkt in Vechta, das aber durch den hohen Aufwand deutlich weniger Gewinn abwarf. Seine Banken seien ihm in dieser Zeit sehr entgegengekommen, sagt Schäfers. Dann kamen nur etwa 20 bis 25 Prozent der Besucher, weil das Filmangebot der Verleiher eingeschränkt war.

Jetzt geht es wieder los: Mit „Tenet“ kommt heute ein neuer Blockbuster in die Kinos – und auch ins „Central Cineworld.“ Mit solchen aufwendigen und nahezu überall beworbenen Filmen, die viele Besucher anlocken, kann Schäfers 30 Prozent seines Umsatzes erzielen.

„Central Cineworld“: Für Kino in Diepholz wird keine Pacht fällig

Gunnar Schäfers ist froh, dass das „Central Cineworld“ in seinem Eigentum ist und er keine Pacht aufbringen muss. Er hatte es von seinem Vater Paul Schäfers gekauft, der nun den Ruhestand genießt, aber seinem Sohn noch mit Rat zur Seite steht.

Zu Beginn der Krise bekam das Kino den staatlichen „Corona-Zuschuss“. Der zweite Zuschuss Wochen später wurde nach dem Umsatzverlust berechnet. Doch Umsatz hatte Schäfers mit seinem Autokino in Vechta gemacht – nur im Verhältnis deutlich weniger Gewinn. „Da müsste die Politik nachbessern“, meint der 43-Jährige.

Er sieht Kinos als wichtige Kulturstätten – gerade in Kleinstädten – und wünscht sich mehr staatliche Förderung. „Der Soli müsste umgeleitet werden“, schlägt er zur Finanzierung vor – natürlich nicht nur in Richtung Kinos, sondern auch in andere von der Coronakrise betroffene Bereiche.

Kino-Besitzer hofft, dass Film-Geschäftsmodell eine Zukunft hat

Gunner Schäfers hofft, dass das seit Jahren bestehende Film-Geschäftsmodell auch in Zukunft bleibt: Zunächst bekommen die Kinos die aktuellen Filme, danach gehen sie als „Video on demand“ – dem digitalen Nachfolger der Videotheken – ins Internet und schließlich ins Fernsehen.

Während der Coronakrise ist der amerikanische Produzent Disney schon aus dieser weltweiten Vereinbarung ausgebrochen: Er brachte die Realverfilmung von „Mulan“ eben nicht zuerst in den Kinos, sondern vermarktete ihn ausschließlich als Stream auf „Disney +“ im Internet, worüber sich Schäfers und viele seiner Kinobetreiber-Kollegen sehr ärgern.

Vollkommene Normalität kann in den Kinos derzeit während der Pandemie noch nicht eintreten. Auf dem Weg zum Platz gilt Maskenpflicht und zwischen Besuchergruppen, die bis zu zehn Personen umfassen dürfen, müssen in den Reihen zwei Plätze frei bleiben – sowie die Reihen davor und dahinter. Ein Computerprogramm kann die entsprechenden Sitze bei der Buchung automatisch blockieren. Diese Hygieneregelung schränkt die Kino-Kapazität natürlich ein, trübt aber wohl nicht den Spaß. „Fernsehen und Video können Kino nicht ersetzen“, sagt Gunnar Schäfers. Kino sei und bleibe ein Event und ein kultureller Treffpunkt.

Auch für das „Central Cineworld“ in Diepholz mit vier Sälen und insgesamt 500 Plätzen sieht der Vater von vier Kindern eine Zukunft – auch wenn er hier weniger Besucher zählt als in Vechta, wo das „Schauburg Cineworld“ 750 Plätze hat und in einem gastronomisch attraktiveren Umfeld liegt.

Vorausgesetzt, es kommt wegen erhöhter Corona-Infektionszahlen nicht zu einem zweiten Lockdown.

Zur Info: Diepholzer Kinogeschichte

Das heutige Kino „Central Cineworld“ in Diepholz geht zurück auf das „Central-Theater“, das 1952 von Heinrich Meier errichtet und betrieben wurde. Zu dieser Zeit gab es in Diepholz bereits die „Schauburg“ an der Steinstraße, wo am 1. Februar 1913 im Festsaal auch die ersten Filmvorstellungen in einem Saal stattgefunden hatten. Zwischen 1957 und 1963 hatte Diepholz mit den „Schützenhof-Lichtspielen“ (später „Filmcasino“) zeitweise sogar drei Kinos.

Nach dem Tod von Heinrich Meier pachteten das Ehepaar Spannhake aus Bruchhausen-Vilsen das Diepholzer „Central-Theater“. Spannhakes betrieben bereits die Kinos in Syke und Nienburg sowie das Autokino in Bruchhausen-Vilsen. 1978 wurde der Betrieb in der Diepholzer „Schauburg“ eingestellt und das Gebäude einer anderen Nutzung zugeführt, zunächst als Fotostudio, dann als Aldi-Markt. 1990 verkaufte die Erbengemeinschaft Meier das Kinogebäude an Paul Schäfers, der in Vechta bereits seit 1984 die „Schauburg“ mit seiner Frau Elke betrieb.

Im Diepholzer Haus entstanden zwei Kinos. Der Rang wurde zu Kino 2, das Parkett zu Kino 1. Im Jahr 2000 ergab sich die Gelegenheit, durch die Umstrukturierung der Post neben dem Kino weitere 800 Quadratmeter dazu zu kaufen und mit zwei weiteren Sälen neuester Bauart zu bebauen: Kino 3 und 4.

Gunnar Schäfers übernahm 2007 von seinen Eltern nach erfolgreicher Dualer Ausbildung und Studium an der PHWT Vechta/ Diepholz das Diepholzer Kino. 2011 erfolgte der Neubau der „Schauburg Cineworld“ in Vechta, die die beiden alten Spielstätten „Schauburg“ an der Großen Straße und „Metropol“ an der Kolpingstraße in Vechta ablöste.

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