Kulturpreis für den Fotografen Jonathan Walter Olbert aus Diepholz/Festakt in der Diepholzer Kreissparkasse

Erden und entschleunigen

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Lebensfreude bei der Kulturpreis-Verleihung in Diepholz: (v.l.) Landrat Cord Bockhop mit Preisträger Jonathan Walter Olbert sowie Laudator Wolfgang Griese.

Diepholz - Von Simone Brauns-Bömermann. Er gilt als junger Künstler mit einer weisen Weltsicht, die er aus der schöpferischen Kraft der Natur auf vielfältige Weise erfährt und in seinem „Olbertschen Fotografieansatz“ für andere Menschen übersetzt: Jonathan Walter Olbert aus Diepholz ist der Kulturpreisträger 2015 des Landkreises Diepholz. In der Kreissparkasse in Diepholz erhielt er am Dienstag die mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung.

„Der Kulturpreis wird seit 1989 jährlich verliehen, seit 2007 sind die Kreissparkassen Diepholz und Syke Kulturförderer“, betonte der Diepholzer Sparkassendirektor Ralf Finke. Die Werke Olberts sind bis zum 9. Oktober in der Sparkasse zu sehen. „1994 haben wir das letzte Mal den Preis für das Genre Fotografie verliehen“, erinnerte sich Landrat Cord Bockhop, bevor ihn der Künstler zur Preisübergabe überwältigt und mit den Worten „Freude…. Dankbarkeit….“ in den Arm nimmt. Er war aus insgesamt sechs Kandidaten für den Kulturpreis ausgewählt worden – „nachdem wir nach genauerer Betrachtung und Eintauchen in die Fotografien, und das mussten wir, den Olbertschen Fotografieansatz verinnerlicht hatten“, resümierte Laudator Dr. Dr. Wolfgang Griese Olberts Werk. „Nicht Macht und Geld zählen bei ihm, sondern Glück und Zufriedenheit“, so versteht es Landrat Bockhop.

Olbert erdet sich erst, sucht festen Stand und ein Glas Wasser auf dem Podium zur Danksagung – barfuß mit festem Blick und meditativer Körperhaltung. Und da er auch Poet ist, gibt es für die Gäste erst nur zwei Worte: „Freude… Dankbarkeit…“ Dann bekennt er: „Was ich heute mit Ihnen teilen wollte, sind nun drei Worte: Phänomenal und sensationell, übertragen zu Erscheinung und Empfindung und als verbindendes Element Berührung, der Titel der Ausstellung“, so der Künstler.

Und während er die Gäste im Saal entschleunigt, wie in einer Meditationsrunde, philosophiert er weiter: „Sei – werde, werde – sei. Im Sein liegt der Sinn für die Bemühungen ewigen Werdens“. Seine Beschreibung dazu ist „Erfahrungsraum“, das sieht der Künstler als seine Aufgabe. „Das Werden geschieht, das Sein ist!“, lautet sein Ansatz.

Jetzt nimmt er die Gäste mit auf eine Reise zu dem Tag, als sein jüngstes Werk „Septembergold“ im Moor entstand. Aus einer Fahrradfahrt wird die spontane Exkursion ins Moor – und die Meditation im Moor, wenn die Motive auf den Künstler treffen, er sie nicht sucht.

Laudator Griese beschreibt das bisherige Werk Olberts als Weltsicht, die mit der Suche in Studienjahren nach einem für ihn das Leben ausfüllenden Beruf und der Reflexion kultureller und gesellschaftlicher Strukturen begann, und die mit seiner besonderen Affinität zur Natur eine Überhöhung durch die spirituelle Praxis der Meditation erfahre. Er leite seinen Erfahrungen durch Meditation das Postulat ab, dass sich in der Natur mit allem, was dort lebt, eine schöpferische Kraft offenbare. Griese reiht Olbert in die Sichtweise der Pantheisten ein: „Olberts Fotografien sind keine Abbilder der Natur, sondern idealisierte Natursichten, die sich während des Meditationsprozesses dem Künstler zeigen.“

Es sei nicht vordergründig das Motiv selbst, was fasziniere, meint Griese, sondern die Sichtweise. „Olbert vertieft sich in sein jeweiliges Fotomotiv, sei es Moor, Felsenküste, Blattwerk, Stein oder Mensch – und er findet“.

Kunst in Musik übertrugen Sophie Marie Madrid Wessels und Marisa von Lessen. Sie gestalteten den musikalischen Rahmen der Kulturpreis-Verleihung.

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