Landtagskandidaten im Interview

Elke Oelmann: „Küken-Töten ethisch nicht vertretbar“

Elke Oelmann

Landkreis - Sie steht für Bildung inklusive und hat zur Maxime „Global denken und lokal handeln“ gewählt: Die Förderschullehrerin Elke Oelmann kandidiert erneut für die Grünen, um einen Sitz im Landtag zu erringen. Die Barnstorferin ist 52 Jahre alt, verheiratet und Mutter dreier Söhne.

Bürgernähe beschreibt sie als ihre Stärke, Ungeduld als ihre Schwäche. Und wovor hat sie Angst? „Ich sorge mich um den Weltfrieden und die Auswirkungen der rechtsradikalen Entwicklungen auf unsere Demokratie.“ Im Interview nimmt sie Stellung zu aktuellen landespolitischen Themen. Die Fragen stellte Anke Seidel.

Wenn landesweit mindestens 300 Lehrer an den Schulen fehlen, weil es nicht genügend Bewerber gibt, dann ist das ein Kardinalproblem im Bildungsbereich. Denn Bildung schafft die Grundlagen für eine erfolgreiche Zukunft – persönlich, gesellschaftlich und wirtschaftlich. Wie wollen Sie das akute Lehrermangel-Problem lösen und wie wollen Sie das finanzieren?

Elke Oelmann: Es gibt zu wenig Bewerber und Bewerberinnen, weil es zu wenige Studienplätze gibt. Der Lehrer- und Lehrerinnen- Beruf muss wieder attraktiver gestaltet werden. Wir wollen die Ausbildung reformieren, die Rahmenbedingungen (zum Beispiel Arbeitszeit, Altersermäßigung) verbessern und die Grund- und Hauptschullehrer/innen besser bezahlen.

Dass die Polizei in Niedersachsen verstärkt werden muss, ist – wie Wahlprogramme beweisen – politisch unstrittig. Wie viele neue Kräfte wollen Sie einstellen – auch mit Blick auf die bevorstehende Pensionierungswelle? Und vor allem: Wie wollen Sie diese Polizisten in Zeiten des Fachkräftemangels gewinnen?

Oelmann: Wir werden die personelle und finanzielle Stärkung der Polizei bedarfsgerecht fortführen (bisher: 250 zusätzliche Polizeianwärter/innen jährlich). Die Attraktivität soll durch eine bessere Bezahlung, stärkere Gesundheitsversorgung und eine Erhöhung der Erschwerniszulagen deutlich gesteigert werden.

Haben Sie Sorge um die Innere Sicherheit in Niedersachsen? Wenn ja, was muss dann sofort umgesetzt werden?

Oelmann: Niedersachsen ist eine der sichersten Regionen weltweit. Grüne Politik hat das Ziel, Rahmenbedingungen zu schaffen, die allen ein Leben in Freiheit ermöglichen. Der Wettbewerb um immer mehr Sicherheitsverschärfungen, die vor allem symbolischen Effekt zu Lasten der Bürger haben, wird dem nicht gerecht.

Die Klagen über eine überlastete Justiz scheinen kein Ende zu nehmen. Der Niedersächsische Richterbund fordert 250 neue Stellen für Gerichte und Staatsanwaltschaften. Wie stehen Sie zu dieser Forderung?

Oelmann: Wir haben die Justiz erstmals angemessen ausgestattet. Wir haben uns erfolgreich dafür eingesetzt, auch kleine Gerichtsstandorte zu erhalten. Wir wollen weniger Straftaten in Niedersachsen und legen deshalb einen besonderen Fokus unserer Justizpolitik auf Prävention.

Niedersachsen hat Schwein – sprich mit 8,01 Millionen Borstentieren mehr Schweine als Bürger (7,7 Millionen Einwohner). Der Tierschutz in der Landwirtschaft hat deshalb – nicht nur für Schweine – enorme Bedeutung. Was würden Sie sofort verbessern?

Oelmann: Wir wollen die Praxis des Schnabelkürzens in der Putenhaltung durchsetzen. Wir halten das Töten der männlichen Eintagsküken für ethisch nicht vertretbar. Sauen im Kastenstand sind mit dem Tierwohl nicht vereinbar. Die Anbindehaltung von Rindern wollen wir ebenfalls endlich beenden.

Die schätzungsweise 120 Wölfe in Niedersachsen haben laut Landesjägerschaft in neun Jahren 500 Nutztiere gerissen. Der Konflikt zwischen Nutztierhaltern und Wolfsanhängern wird immer schärfer. Haben Sie eine Lösung?

Oelmann: Niedersachsen betreibt ein umfangreiches Wolfsmonitoring. Es gibt über 100 ehrenamtliche Wolfsberater. Derzeit wird ein Herdenschutz-Team aufgebaut. Die finanzielle Unterstützung für Tierhalter wird angehoben und auf Hobbyhalter ausgeweitet werden. Komplett konfliktfrei wird das Zusammenleben mit dem Wolf nicht sein.

Alle Kandidaten, alle Ergebnisse

Die weiteren Kandidaten im Wahlkreis und die Ergebnisse am Wahlabend finden Sie in unserem Überblick.

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