Laut Landkreis wirtschaftlichste Variante

Krisenzentrum in direkter Nachbarschaft zur Feuerwehr?

Die FTZ Barrien bekommt eine neue Aufgabe, wenn die Kreisverwaltung ihre Pläne für das Tierseuchen-Bekämpfungs-Logistikzentrum dort verwirklicht. - Foto: Heinfried Husmann

Landkreis Diepholz - Von Anke Seidel. Etwa eine Million Hühner, Puten und Gänse, dazu fast 370.000 Mastschweine und rund 33.000 Milchkühe: Der Landkreis Diepholz gehört zu den nutztierreichsten Regionen Niedersachsens – und muss deshalb im schlimmsten Fall, einer Tierseuche, schnell und effizient reagieren. Doch über ein Tierseuchen-Bekämpfungs-Logistikzentrum verfügt er nicht. Noch nicht. Stimmt die Politik zu, dann könnte ein solches Krisenzentrum an der Feuerwehrtechnischen Zentrale (FTZ) in Barrien entstehen.

Das zumindest ist nach Berechnungen der Kreisverwaltung die wirtschaftlichste Lösung für die dringend notwendige Einrichtung. „Die Auswirkungen von Tierseuchenausbrüchen sind erheblich“, stellt der Landkreis in seinem Sachstandsbericht allgemein fest. „Sie sind nicht auf das Kreisgebiet begrenzt. Aufgrund der weltweiten wirtschaftlichen Vernetzung entfalten Ausbrüche insbesondere hochansteckender Tierseuchen regionale, nationale, europäische, aber auch weltweite Wirkung.“ Dabei könnten schnell Schadenssummen in einem dreistelligen Millionenbetrag entstehen, gibt der Landkreis in diesem Sachstandsbericht zu bedenken.

Mit diesem Papier befassen sich die Mitglieder des Fachausschusses für Feuerschutz, Verkehr und Sicherheit am Donnerstag um 16 Uhr während ihrer öffentlichen Sitzung in der FTZ in Barrien – und das nicht zum ersten Mal. Schon vor sechs Jahren hatten die Politiker über die Einrichtung eines solchen Krisenzentrums beraten – damals noch gemeinsam mit Dr. Anja Eisenack als Leiterin des Fachdienstes Veterinärwesen und Verbraucherschutz. „Das ist viel komplizierter, als ich gedacht hatte“, erklärte sie damals, „wir sind zurzeit in ganz, ganz vielen Gesprächen“.

80.000 Euro hatte der Landkreis damals vorsorglich in den Haushaltsplan eingestellt. Jetzt greift er deutlich tiefer in die sprichwörtliche Tasche: Die Zustimmung des Kreistags vorausgesetzt, sollen es im Etat 2017 bis zu 800.000 Euro sein – exakt der Betrag, der laut Wirtschaftlichkeitsberechung für die Einrichtung des Krisenzentrums an der FTZ Barrien notwendig wäre. Großer Vorteil: „Dort ergeben sich durch die gemeinsame Nutzung mit der Feuerwehr erhebliche Synergieeffekte.“ Denn fast alle Räume des Tierseuchen-Bekämpfungs-Logistikzentrums – kurz TBL – könnten mitgenutzt werden, zum Beispiel Besprechungsraum, Büros und Dekonzelt für die Dekontaminierung von Mitarbeitern nach einem Einsatz im akuten Seuchenfall. Die Mitnutzung ist besonders wirtschaftlich, weil das TBL ausschließlich im Krisenfall gebraucht wird – sprich bei einem Ausbruch von Vogelgrippe, Schweine- oder Geflügelpest sowie Maul- und Klauenseuche.

Die Mitnutzung ist auch eines der Argumente, die gegen einen – ebenfalls geprüften – Neubau auf dem Gelände der AWG (Abfall-Wirtschafts-Gesellschaft) in Bassum sprechen. Kosten: rund eine Million Euro. In der nicht genutzten Zeit wäre Vandalismus nicht ausgeschlossen, befürchtet die Kreisverwaltung.

Dritte Option: Eine Immobilie in Bassum, die deren Eigentümer zurzeit teilweise als Lagerstätte nutzt. Der Landkreis könnte die Halle auf Dauer anmieten, weil der Eigentümer den Umbau für das TBL finanzieren würde. Doch die Kreisverwaltung sieht in dem langfristigen Mietmodell keine so wirtschaftliche Lösung („trotz hohen finanziellen Aufwands keine Vermögensmehrung“) wie in der Variante an der FTZ Barrien. Genau die sieht vor, das Gebäude in Massivbauweise (teilweise zweigeschossig) zu erweitern und vorhandene Räume mitzunutzen – zum Beispiel die Wasch- und Desinfektionshalle der FTZ. Vier von den insgesamt zehn notwendigen Büro-Arbeitsplänen im Krisenfall sind in Barrien schon vorhanden.

Fazit der Kreisverwaltung: „Die gemeinsame Nutzung der FTZ Barrien im Krisenfall hat überwiegend Vorteile“, wie beispielsweise der direkte Draht zu den beteiligten Kräften in der Feuerwehr. Außerdem bleibe die Einschränkung durch Nutzung vorhandener Räume „voraussichtlich überschaubar“.

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