Vorstellung Integrationsbericht

Kreis Diepholz wünscht sich Geld und bessere Sprachkurs-Konzepte vom Bund

Der Migrations- und Integrationsbericht, den Landrat Cord Bockhop und Kreisrätin Ulrike Tammen präsentieren, enthält eine Fülle von Daten, Fakten und daraus resultierenden Aufgaben, um Neubürger im Landkreis Diepholz zu integrieren.
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Der Migrations- und Integrationsbericht, den Landrat Cord Bockhop und Kreisrätin Ulrike Tammen präsentieren, enthält eine Fülle von Daten, Fakten und daraus resultierenden Aufgaben, um Neubürger im Landkreis Diepholz zu integrieren.

Migranten bilden eine wichtige Ressource für das Arbeits- und Wirtschaftsleben des Landkreises Diepholz: Fast 70 Prozent der der Neubürger in diesem Lebensraum sind im erwerbsfähigen Alter. Das geht aus dem Migrations- und Integrationsbericht des Landkreises hervor, den Landrat Cord Bockhop und Kreisrätin Ulrike Tammen am Mittwoch nur wenige Stunden vor der Sitzung des Landkreis-Fachausschusses für Jugend, Gesundheit und Soziales explizit erläuterten.

Landkreis Diepholz – Dieser Bericht ist so neu, dass die gebundene Endfassung noch nicht vorliegt. Er beinhaltet so wichtige Weichenstellungen, dass er die Tagesordnung des Fachausschusses prägte. Der 78 Seiten starke Bericht mit seinen Zahlen, Daten und Fakten spiegelt Themen wie Bildung, Arbeit und Toleranz, Kultur, Identität und Familie. 19  395 ausländische Staatsbürger leben im Landkreis Diepholz, so die aktuelle Zahl aus dem Jahr 2020. Sechs Jahre zuvor waren es noch 11 631 gewesen. Will heißen: In sechs Jahren ist die Bevölkerung einer Kleinstadt hinzugekommen. „Im Vergleich zu den anderen niedersächsischen Landkreisen und kreisfreien Städten lag Diepholz 2020 mit 8,7 Prozent im Mittelfeld“, lautet ein Faktum aus dem Bericht.

Niedrigster Ausländeranteil im Landkreis Diepholz: Schwaförden

Am Stichtag (31.12.2020) hatte die Stadt Diepholz mit 15,5 Prozent den höchsten Anteil ausländischer Mitbürger, die wenigsten dagegen Schwaförden (1,6 Prozent) und Siedenburg (1,7 Prozent).

Gut miteinander leben: Das ist seit Jahrzehnten das Leitmotiv des Landkreises Diepholz. „Eine Devise, die gerade auch den Bereich der Integration anleiten muss“, betont Landrat Cord Bockhop – in der Überzeugung: „Um diese Chance nutzen zu können, braucht es die Bereitschaft der Zugewanderten und der Einheimischen, um ein friedliches sowie tolerantes Miteinander zu erreichen.“ Dass viele Menschen in den 15 Kommunen des Landkreises daran schon seit Jahren arbeiten, sich ehrenamtlich engagieren und den Neubürgern helfen, sieht der Landrat mit Freude und großer Dankbarkeit: „Es gibt schon etwas, und das muss unbedingt weiter laufen!“ Denn: „Hier geht es um Menschen, um viele Menschen im Landkreis.“

Landkreis fordert Geld und Zielvorgaben von Bund und Land

Der elementare Schlüssel zur Integration – zum Alltagsleben, zur Arbeitswelt, zum Miteinander – ist die Sprache: Gemeinsam mit Kreisrätin Ulrike Tammen ist der Landrat überzeugt: Im Flächenlandkreis Diepholz braucht es neue, kreative Sprachkurs-Konzepte, um möglichst viele Menschen möglichst schnell schulen zu können – Frauen mit Kindern genauso wie Migranten, die bereits in Arbeit sind. Zwischen 65 und 70 Prozent der Migranten sind zwischen 16 und 65 Jahre alt – und damit im erwerbsfähigen Alter.

Wir machen das dann schon, wir wissen, wann der Bus fährt.

Cord Bockhop, Landrat

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, kurz BAMF, sowie das Land bieten zwar Fördermöglichkeiten für solche Kurse, aber nach starren Vorgaben. Genau die halten Cord Bockhop und Ulrike Tammen für wenig zielführend, weil sie nur wenig Flexibilität ermöglichen. Ihr beider Herzenswunsch lässt sich so formulieren: Bund und Land sollen dem Landkreis Ziele vorgeben und das Geld für die Umsetzung bereitstellen. „Wir machen das dann schon“, betont der Landrat, „wir wissen, wann der Bus fährt.“ Sie wissen auch, welche anderen Aspekte der Integration noch verwirklicht werden müssen.

Meiste Zuwanderer in den Landkreis Diepholz stammen aus Polen

Seit sieben Jahren gibt es das Aktionsbündnis Integration, in dem haupt- und ehrenamtliche Akteure Erfahrungen austauschen und Notwendigkeiten benennen. „Das Aktionsbündnis trifft sich etwa zwei bis drei Mal im Jahr“, erläutert Ulrike Tammen. Die Kreisrätin ist froh, den Integrations- und Migrationsbericht endlich vorlegen zu können. Basis der Erhebung war unter anderem eine Umfrage in allen 15 Kommunen unter haupt- und ehrenamtlich Beteiligten, außerdem hatte Saskia Bredemeier (Koordinierungsstelle) Fakten zusammengetragen.

Dieser Spiegel der Lebenswelt ermöglichte auch die Erkenntnis, dass die Migranten aus Osteuropa eine enorm große Gruppe im Landkreis bilden: Mit 3 605 Zuwanderern stellen die Polen die größte Gruppe der Migranten, gefolgt von Menschen aus Rumänien (2 045), Syrien (1 815) und der Türkei (1 510). Zu den Hauptherkunftsstaaten gehören außerdem Bulgarien (1 075) und der Irak (955).

Zahl der Berufsschulabbrecher muss verringert werden

Die Zuwanderung der Osteuropäer ist für den Landrat eine neue Dimension: „Das wird die Arbeit in den Schwerpunkten verändern.“ Im Blick hat er genauso die große Gruppe der 25- bis 35-jährigen Migranten (20,1 Prozent), für die eine passgenaue Ausbildung enorm wichtig sei. Ein Abbruch der beruflichen Laufbahn müsse mit allen Mitteln verhindert werden. Die Zahl der Abbrecher an den Berufsschulen im Landkreis beweist den dringenden Handlungsbedarf: 47,5 Prozent der Migranten schaffen ihren Berufsschulabschluss nicht, gibt die Kreisrätin zu bedenken.

Umso wichtiger für Migranten an den Berufsschulen: das mittlerweile eingestellte Projekt „Sprint“: Eine erfolgreiche Kombination aus Sprachförderung und Praktikum, die vielen Teilnehmern einen festen Ausbildungsplatz einbrachte – mit Zertifikat. Ulrike Tammen: „Es ist bedauerlich, dass sich das Land so schnell aus dem Projekt Sprint herausgezogen hat.“

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