Angebot und Nachfrage passen nicht

Im Landkreis fehlen zukünftig viele Wohnungen

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Während einerorts – im Landkreis vor allem in Stuhr und Weyhe – gebaut werden muss, um die Nachfrage zu decken, werden Grundstücke den Käufern andernorts günstig angeboten.

Landkreis - Von Ulf Buschmann. Wer in Schwaförden, Siedenburg oder Wagenfeld wohnt, hat es in der Regel leichter als in Stuhr, Weyhe oder Diepholz – zumindest bei der Wohnungssuche. Das passende Dach über dem Kopf zu finden, gleicht inzwischen nicht nur in den großen Städten einem Lotteriespiel. Selbst in kleinen und mittleren Kommunen gibt es bisweilen riesige Diskrepanzen zwischen Angebot und Nachfrage. Davon ist der Landkreis Diepholz genauso betroffen wie die Nachbarn. Allerdings gibt es regionale Unterschiede.

„Bei uns werden einem die Bauplätze schon hinterher geworfen“, sagt eine Frau aus der Samtgemeinde Siedenburg. Im Rathaus der Gemeinde Weyhe hingegen müssen die Verantwortlichen darüber nachdenken, wie und wo in den kommenden Jahren Ein- und vor allem Mehrfamilienhäuser entstehen können.

Weyhe und die Samtgemeinde Siedenburg sind die beiden Pole in Sachen Wohnungsmarktentwicklung der kommenden Jahre. Während an der Grenze zu Bremen bis zum Jahr 2020 genau 863 Wohnungen zu wenig existieren, sind in der Mitte des Landkreises 102 zu viel auf dem Markt. So steht es in der Prognose des Wohnraumversorgungskonzepts (WRVK), das der Landkreis Diepholz im Dezember 2016 vorgelegt hat. Unter dem Strich fehlten mittel- bis langfristig vor allem bezahlbare Wohnungen, schließen die Autoren des Konzepts.

705 neue Wohnungen sind nicht genug

Verbände, Lobbyvertreter und Kenner des Wohnungsmarktes schätzen, dass sich die Lage in den kommenden Jahren verschärfen wird. Darauf hat das Verbändebündnis Wohnen hingewiesen.

Der Verband erklärt mit Verweis auf aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes, dass im Jahr 2017 landkreisweit 705 Neubauwohnungen mit einem Investitionsvolumen von 143,4 Millionen Euro entstanden seien. „Das klingt viel. Tatsächlich müsste es aber mehr sein, wenn der Kreis Diepholz seinen Beitrag zur Wohnraum-Offensive der Bundesregierung leisten will. Denn der Neubau von bezahlbaren Wohnungen ist die einzige effektive Antwort auf steigende Mieten und hohe Immobilienpreise“, wird Holger Bartels von der IG Bau in der Mitteilung zitiert.

Laut Verbändebündnis Wohnen sind im vergangenen Jahr innerhalb der Grenzen des Landkreises neun Prozent weniger Wohnungen fertig geworden als 2016. Die Lobbyvertreter machen darauf aufmerksam, dass die Kommunen, der Landkreis Diepholz und das Land Niedersachsen weit hinter der von der Bundesregierung gesetzten Zielmarke von rund 1,5 Millionen Neubauwohnungen bis 2021 liege. Um daran anknüpfen zu können, sei eine Steigerung um satte 32 Prozent notwendig.

Ins gleiche Horn stößt der Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Niedersachsen/Bremen, kurz VdW. Der VdW fordert niedersachsenweit jährlich rund 2 000 neue Wohnungen, um das Problem in den Griff zu bekommen. In seinem Vorwort zum WRVK des Landkreises Diepholz verdeutlicht VdW-Präsident Heiner Pott die Dramatik. Danach seien bis 2023 rund 30.000 Sozialwohnungen in Niedersachsen notwendig. Von den derzeit vorhandenen 90.000 Sozialwohnungen würden in den kommenden Jahren 60.000 aus der Sozialbindung fallen.

Alternde Gesellschaft „eine Herausforderung“

Um eine Umkehr zu erreichen, haben der VdW und das Niedersächsische Umwelt- und Bauministerium das „Bündnis für bezahlbares Wohnen“ gegründet. In diesem Rahmen müssten „Land, Kommunen, Planer und Investoren“ gemeinsam „zu schnellen und effektiven Lösungen kommen“, schreibt der VdW in einer Mitteilung vom Mai. Wie diese Lösungen aussehen sollten, skizziert VdW-Sprecher Carsten Ens. Ihm zufolge müssen die Förderungen „an die Realität angepasst werden“, es muss mehr Geld von Bund und Land geben, und die Kommunen müssten mehr Bauland vergeben.

Ob die fehlenden Wohnungen dadurch auch innerhalb des Landkreises Diepholz entstehen, ist indes nicht sicher. Davon ist unter anderem Uwe Tenschert, Geschäftsführer der Wohnbau Diepholz, überzeugt. Er sagt: „Es sind Mikroanalysen notwendig, denn der kleinräumige Bedarf an Wohnungen nimmt zu.“ Dabei sei die alternde Gesellschaft „eine Herausforderung“.

Wie unterschiedlich sich der Markt präsentiert, macht Ingrid Lühs, geschäftsführender Vorstand des Bauvereins Sulingen, deutlich. „Ich spüre nicht, dass wir zu wenig Wohnungen haben“, gibt sie ihre Einschätzung für die Stadt preis. Der Bauverein konzentriere sich in diesem Jahr denn auch auf die Pflege seines 418 Wohnungen umfassenden Bestandes.

Größeres soll nach den Sommerferien in der Gemeinde Weyhe geschehen. Dort wird der Rat voraussichtlich im September über eine sogenannte wohnungspolitische Gesamtstrategie befinden. Sie umfasst vier Teilbereiche: Bedarfsanalyse an Wohnraum, anschauen der sozialen Infrastruktur wie genug Kindertagesstätten und Schulen in der Umgebung, unter die Lupe nehmen der vorhandenen Flächen und das Ausloten der richtigen Strategien zur Umsetzung der Ziele in Sachen Schaffung von Wohnraum.

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