Nur 1,83 Prozentpunkte Vorsprung

Knoerig schafft es gerade noch

Sylvia Holste-Hagen lässt sich die Zuversicht nicht nehmen
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Sylvia Holste-Hagen lässt sich die Zuversicht nicht nehmen

Landkreis Diepholz. Das war knapp – äußerst knapp: Mit einem Vorsprung von gerade einmal 1,83 Prozentpünktchen hat es der altgediente CDU-Bundestagsabgeordnete Axel Knoerig wieder in den Bundestag geschafft. 33,76 Prozent der Erststimmen konnte der Unionspolitiker aus Kirchdorf erringen. Aber er musste immense Verluste hinnehmen, am Ende ein Minus von 10,83 Prozentpunkten.

Trotzdem sprach Knoerig von „großer Freude“, zum vierten Male in Folge direkt in den Bundestag gewählt worden zu sein. Vor allem sei sein Ergebnis besser als der Trend. Axel Knoerig verwies auf 12 000 mehr Erst- als Zweitstimmen, ein persönliches Plus von 8,5 Prozent. Der Kirchdorfer war am Ende des Wahlabends sichtlich erleichtert: „Es war ein sehr anstrengender Wahlkampf“, erklärte er mit Blick auch auf die Kommunal- und Kreistagswahlen vor gerade einmal zwei Wochen.

Kräftigen Rückenwind gab es dagegen für die SPD-Bewerberin Peggy Schierenbeck, die aus dem Stand 31,93 Prozent der Stimmen erringen konnte. Die Freude darüber stand ihr ins Gesicht geschrieben: „Wir haben das doch echt gut gemacht! Ich freue mich riesig, dass wir so viele Stimmen geholt haben.“ Und noch besteht Hoffnung auf einen Sitz im Bundestag. Denn Peggy Schierenbeck hat gute Chancen, über die Liste auf Platz 20 in den Bundestag einzuziehen. Ob das klappt, war bei Redaktionsschluss noch unklar. Das war von Astrid Schlegel als Vertreterin des Landesvorstands zu erfahren. „Wir hoffen das natürlich!“ Das hänge von den Überhangmandaten ab.

Keine solche Chance hat Sylvia Holste-Hagen. Sie holte als Kandidatin der Grünen immerhin 13,54 Prozent – ein persönlicher Achtungserfolg: „Dafür danke ich allen meinen Wählerinnen und Wählern.“ Aber trotzdem war die Twistringerin enttäuscht: „Wir haben auf Sieg gespielt und nicht auf Platz.“ Zwar versöhnt sie durchaus, dass die Grünen nun drittstärkste Kraft im Bundestag sind. „Wir haben aufgeholt. Aber es reicht nicht, um für die zukünftigen Generationen etwas zu verbessern.“ Das Thema Klimawandel sei „nicht deutlich rübergekommen“, so die Twistringerin, die mit Herzblut für den Naturschutz kämpft.

FDP schneidet gut ab

Dies viertbeste Ergebnis im Wahlkreis Diepholz-Nienburg I erzielte der liberale Bewerber Jan Andreas Hinderks. 9,40 Prozent der Stimmen konnte der Kandidat auf sich vereinigen, der zum ersten Mal für die FDP antrat. Die Parteistimmen waren mit 12,08 Prozent deutlich höher, als die Voten für den Kandidaten.

Nur gut die Hälfte dieses Werts erhielt Alfons Muhle, Bewerber der AfD, mit 6,66 Prozent. Mit mageren 2,77 Prozent musste sich Jürgen Abelmann (Linke) begnügen. Schlusslichter waren Detlev Pigors (Basis-Partei, 1,45 Prozent) und am Ende Rüdiger Gums (Einzelkandidat, 0,50 Prozent).

Spannend wie ein Tatort

Es war ein Wahlabend, der mindestens so spannend war wie ein Tatort. Sogar die Wahlbeteiligung von 75,62 Prozent konnte sich mit der Einschaltquote des Sonntagabend-Krimis messen lassen. Die Nerven waren sicherlich zum Zerreißen gespannt, denn zwischen Axel Knoerig und Peggy Schierenbeck wurde es mehr als eng. Mit einem minimalistischen Vorsprung von 0,08 (!) Prozent siegte Knoerig in der Samtgemeinde Barnstorf.

Erdrutschartige Verluste für die CDU

Am Ende offenbarte das Gesamtergebnis erdrutschartige Verluste für die Union – nicht nur für Axel Knoerig (Minus 10,83 Prozentpunkte), sondern vor allem für seine Partei: 12,62 Prozent der Wähler kehrten der CDU den Rücken. Mit gerade einmal 25,29 Prozent musste sich die Volkspartei zufriedengeben.

Dagegen holte die SPD gewaltig auf. Ihre 33,02 Prozent bedeuten ein Plus von 7,55 Prozent. Die Grünen konnten 14,48 Prozent der Wähler hinter sich vereinen, was einem Zuwachs von immerhin 6,34 Prozent entspricht. Um gerade einmal 1,55 Prozentpunkte konnten die Liberalen ihr Ergebnis verbessern – auf besagte 12,08 Prozent. Abgestraft dagegen die Linke, die auf 2,69 Prozent schrumpfte – ein Minus von 3,39 Prozent. Die AfD holte 7,10 Prozent – ein Minus von 1,34 Prozent.

Von Anke Seidel und Marc Lentvogt

Kommentar von Anke Seidel:

Politisches Erdbeben

Das war ein politisches Erdbeben, das der CDU im Wahlkreis Diepholz-Nienburg I Verluste bis unter die Grasnarbe beschert hat. So darf man ein Minus im zweistelligen Bereich wohl mit Fug und Recht bezeichnen.

Axel Knoerig, seit zwölf Jahren unangefochten Bundestagsabgeordneter der Union in diesem Lebensraum, konnte den Ball gerade noch einmal auf der Torlinie klären. Er hätte seinen Koffer in Berlin packen müssen, wenn seine Mitbewerberin, die Sozialdemokratin Peggy Schierenbeck, nur knapp zwei Prozentpünktchen – exakt 1,83 – mehr erreicht hätte.

Obwohl das Wahlduell zu Ende ist, bleibt es spannend. Denn Peggy Schierenbeck hat gute Chancen, über die Liste in den Bundestag einzuziehen. Fest stand das bei Redaktionsschluss aber noch nicht.

Trotz des Gerade-noch-so-eben-Siegs für Axel Knoerig war es ein bitterer Wahlabend für die Union – auch wenn er persönlich deutlich mehr Stimmen erhalten hat als seine Partei.

Bei Licht besehen ist er das Opfer seiner eigenen Partei und deren Kanzlerkandidaten.

Dass die schon totgesagte SPD als Volkspartei aus der Bundestagswahl hervorgeht und der Union den Staffelstab der großen Verliererin überlässt, ist zweifellos ein Ergebnis der K-Frage. Das dicke CDU-Minus und das satte SPD-Plus beweisen: Bei Laschet sahen viele Wähler Rot – und wählten auch so.

Das ist mehr als ein Denkzettel, das ist ein tiefer Vertrauensverlust. Das Zutrauen in die Grünen zeigt sich zwar in einem veritablen Plus, das aber deutlich kleiner ist als das der SPD. Dieser doch gedämpfte Zuwachs ist zumindest ein Indiz dafür, dass man mit einem Gender-Sternchen nicht wirklich punkten kann.

Axel Knoerig ist froh und erleichtert
Peggy Schierenbeck auf dem Weg nach Berlin

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