Klinik-Erhalt: BI fährt nach Hannover

17365 Unterschriften im Gepäck

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Seit Anfang Juni waren die Unterschriften für den Erhalt der Diepholzer Klinik gesammelt worden. Archivfoto: Reckmann

Diepholz - „Wir geben noch lange nicht auf, und das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.“ Jolanta Malan, Sprecherin der Bürgerinitiative (BI) zum Erhalt der Diepholzer Klinik, gibt sich nach wie vor kämpferisch. Nach der Abstimmung des Kreistags zur Klinik-Neustrukturierung Mitte Juli war das Thema zwar etwas aus den Schlagzeilen geraten, doch die Bürgerinitiative plant die nächste Aktion. Die gesammelten Unterschriften – 17365 an der Zahl – sollen in Kürze ihrer Adressatin zukommen, der niedersächsischen Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, Cornelia Rundt.

Wie Malan mitteilt, werde man die gesammelten Unterschriften am 16. oder 17. September vor dem Plenum des Niedersächsischen Landtags überreichen.

Aber auch in der Hauptstadt sollen die Diepholzer Gehör finden. Die Bürgerinitiative hat einen Brief an Gesundheitsminister Hermann Gröhe geschrieben. Darin heißt es:

„Sehr geehrter Herr Gröhe, auch unser Krankenhaus in der Kreisstadt Diep-holz ist politisch in die Diskussion über das wirtschaftliche Überleben geraten. Es wurden 17365 Unterschriften innerhalb weniger Wochen gesammelt. Das sind die Unterschriften der Bürgerinnen und Bürger aus der Stadt Diepholz und Umgebung, mit der diese sich für den Erhalt ihres Krankenhauses einsetzen.“ Die Klinik, so schreibt die Bürgerinitiative weiter, werde laut Gutachten des Landkreises von über 70 Prozent der Einwohner aus Stadt und Region genutzt.

Sicherung der

Notfallversorgung

„Wenn die Kliniken, wie in Diepholz, auch viele andere im Land und in der Bundesrepublik Deutschland existenzbedrohende Verluste schreiben, weil die Vergütungswerte für die Abrechnung nicht ausreichen, kann der Preis nicht allein die Schließung oder deutliche Einschränkung von Kliniken im ländlichen Raum sein – zu dem auch unsere Region zählt.

Gerade dort geht es um die dauerhafte Sicherung der Grund- und Notfallversorgung. Diese darf nicht nur in „Großkliniken“ geboten werden, da alleine der Weg dorthin in vielen Situationen zu lang und in akuten Fällen lebensbedrohend ist. In unserem Beispiel wäre eine Mitnutzung der Häuser im benachbarten Landkreis Vechta keine Option, da man dort so viele Menschen gar nicht unterbringen könnte und als Patient in ,,zweiter Reihe auf dem Flur liegen“ würde.

Es macht auch keinen Sinn, dass die Kliniken mit immer mehr Einschränkungen des Leistungsangebots reagieren – so auch in unserer Kreisstadt vor acht Jahren mit Schließung der Geburtshilfe – und sich anschließend wundern, warum Patientenströme ausbleiben.

Praxen unterstützen,

Kliniken schließen?

Da muss der Bürger im ländlichen Raum den Eindruck haben, dass ein Aussterben der wohnortnahen Grund- und Notversorgung bewusst provoziert und durchgeführt wird. Als nachweislich wachsende Region brauchen auch unsere Unternehmen vor Ort eine internistische und chirurgische Notfallversorgung; der Zustrom an Flüchtlingen erhöht den Bedarf ebenfalls.

Wenn die Politik einerseits die Stärkung des ländlichen Raums propagiert, indem Sie zukünftigen Ärzten das Studium finanziert und ländliche Praxen finanziell unterstützt, kann sie anderseits nicht die Schließung von Kliniken im ländlichen Raum in Kauf nehmen, wie es zur Zeit der Fall ist.

Wer möchte in einer Kreisstadt leben, die zwar alles hat, aber an dem wichtigsten spart: Unserer Gesundheit? Das kann nicht das Ziel unserer Gesellschaft sein. Daher fordern diese 17365 Unterschriften Sie auf:

– sich im Rahmen der Gestaltung für das Krankenhausstrukturgesetz für eine winkliche Stärkung von Kliniken im ländlichen Raum einzusetzen.

– sich für eine erneute, ähnlich dem Niveau anderer Bundesländer, deutliche Erhöhung des Landesbasisfallwerts einzusetzen (...)

Wir, die 17365 Menschen, brauchen Ihre Hilfe! Legen Sie diesen Brief nicht gleich an die Seite, sondern kämpfen Sie bitte für uns“, so schließen die Zeilen, die von Jolanta Malan im Auftrag der Bürgerinitiative unterschrieben sind.

Das Schreiben wird sinngemäß auch den Unterschriften in Hannover beigelegt.

sr

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