„Klimaschutzmanager reicht nicht“

Fridays for Future Diepholz: Weniger Teilnehmer bei vierter Demo

„Handelt jetzt“ war eine Forderung: Etwa 100 Teilnehmer hatte die „Fridays-for-Future“-Demo in Diepholz – hier auf der Niedersachsenstraße auf dem Weg zum Kreishaus. Foto: Jansen

Diepholz – Auch in Diepholz sind wieder Menschen für mehr Klimaschutz auf die Straße gegangen. Doch an der vierten „Fridays-for-Future“-Demo beteiligten sich deutlich weniger Schüler als bei den vorangegangenen Veranstaltungen. Bei der dritten Ende September waren mehr als 500 Teilnehmer gewesen. Am Freitag machten laut Polizeischätzung etwa 100 Menschen mit.

Die Organisatoren begründeten das mit der in den Schulen laufenden Klausurphase. Dennoch war die regionale Gruppe „Fridays for Future“ zufrieden, nicht nur mit der Teilnehmerzahl: „Super war, dass so viele Erwachsene da waren“, sagte Sprecherin Paula Tabke. Der Anteil war augenscheinlich höher als bei den letzten Klimaschutz-Demos in Diepholz.

Unter den Demonstranten waren auch Vertreter von Organisationen, die sich durch Fahnen erkennbar machten – zum Beispiel der Gewerkschaft Verdi. Die „Linksjugend“ verteilte Flyer mit der Forderung „Kommunismus statt Kohle“.

Begleitet von der Polizei, setzte sich der Demonstrationszug gegen 11.45 Uhr vor der Mediothek an der Thouarsstraße in Bewegung. Erstes Ziele war der Lappenberg. Vor dem Rathaus stoppte der Umzug für eine kurze Kundgebung.

Vor dem Hintergrund der bisher vom Diepholzer Rat gefassten Beschlüsse zum Klimaschutz sagte Paula Tabke: „Wir stehen hier, weil es nicht reicht, bis 2021 einen Klimaschutzmanager einzustellen. Wir stehen hier, weil wir wissen, dass bis zur Einstellung eines Klimaschutzmanagers nichts mehr getan wird.“ Dieses Nicht-Handeln, das Schmücken mit einem kleinen Schritt, wolle man nicht akzeptieren. Die Diep-holzerin: „Wir fordern die Politiker hier vor Ort auf, in der Ratssitzung am Donnerstag den Klimanotstand zu beschließen. Wir fordern die Politiker hier vor Ort auf, ab sofort effektiven und richtigen Klimaschutz zu betreiben.“

Nächste Station des Umzuges war das Kreishaus an der Niedersachsenstraße. Dort las Paula Tabke einen Brief an Landrat Cord Bockhop vor.

In diesem Schreiben heißt es unter anderem: „Wir, die Ortsgruppe Fridays for Future Diepholz, sind jetzt seit Juni 2019 hier vor Ort aktiv. Uns ist es ein wichtiges Anliegen, mit allen beteiligten Akteuren im Bereich Klimaschutz offene und ehrliche Gespräche zu führen. Bisher haben wir dieses vor allem mit den Politikerinnen und Politikern in Diepholz tun können. Da der Landkreis, neben der Politik, ebenfalls eine wichtige Rolle in klimaschützenden Maßnahmen spielt, würden wir uns sehr über ernsthafte Gespräche mit Ihnen zu diesem Thema freuen. Es ist in Zeiten des Wandels wichtig, gemeinsam, im Sinne des Klimaschutzes, Lösungen anzustreben. Wir freuen uns über eine zeitnahe, positive Rückmeldung.“ Veit Mengedoth als Vertreter der Gruppe warf das Schreiben in den Briefkasten des Kreishauses.

Vom Rat der Stadt Diepholz forderten die Demonstranten, dass er den Klimanotstand ausrufen soll. Foto: Jansen

Zum Abschluss der Demonstration an der Thouarsstraße forderte die Diepholzer Gruppe – wie Fridays-for-Future in anderen Städten – auch die Bundesregierung zum Handeln auf: „Das beschlossene Klimapaket reicht noch lange nicht. Wir müssen weg von der Kohle, Flüge müssen teurer werden.“ Jeder einzelne können auch etwas tun: „Fahrrad nehmen, Strom sparen, Fleischkonsum verringern, Plastik vermeiden, Online-Shopping reduzieren, Papier sparen...“

Paula Tabke lud die Demo-Teilnehmer ein, am Donnerstag, 5. Dezember, 18 Uhr, in die öffentliche Sitzung des Rates der Stadt Diepholz im Rathaus zu kommen. Auf der Tagesordnung steht dort unter anderen die Ausrufung des „Klimanotstandes“ in Diepholz.

Vorwürfe bei Klimaschutz-Demo: Stadt Diepholz widerspricht

Vorwürfe richtete die Sprecherin der regionalen Gruppe „Fridays for Future“, Paula Tabke, an die Stadt Diepholz. Bei ihrer Ansprache vor dem Rathaus, wo der Demo-Umzug einen kurzen Stopp einlegte, behauptete sie in ihrer öffentlichen Ansprache, dass die Stadt für Naturschutz-Ausgleichsflächen, zu denen sie verpflichtet ist, die Bürger bezahlen lasse. („Liebe Stadt Diepholz, wieso lasst ihr Bürgerinnen und Bürger für verpflichtende Ausgleichsflächen bezahlen?“) Konkret ging es um den Bürgerwald. „Für diese Flächen Bürgerinnen und Bürger aufkommen zu lassen, die sich dem nicht bewusst sind, ist nicht richtig“, sagte die Diepholzerin.

Stimmt das? Unsere Zeitung fragte bei der Stadt Diepholz nach. Michael Klumpe, allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters im Rathaus, wies die Behauptung zurück und erklärte: Die Flächen, auf denen Bürger mit Unterstützung der Stadt Bäume pflanzen können, hat die Stadt gekauft, um sie aus einer intensiven landwirtschaftlichen Nutzung zu nehmen. Diese Flächen, auf denen sich Pflanzen natürlich entwickeln können, werden als Ausgleich für Flächenversiegelungen und weitere Eingriffe an anderer Stelle anerkannt. Zu dieser Anerkennung seien Bäume auf der Ausgleichsfläche nicht notwendig. Die Stadt gebe den Bürgern aber zusätzlich die Möglichkeiten, im Rahmen der „Bürgerwald“-Aktion für diese Flächen eigene Bäume zu erwerben. Die Stadt trägt dabei die Hälfte des marktüblichen Kaufpreises, der Bauhof pflanzt und pflegt die Bäume im „Bürgerwald“.

Paula Tabke erklärte am Nachmittag im Gespräch mit unserer Zeitung, es ginge ihr darum, dass die Stadt keine Ausgleichsflächen für den Bürgerwald nutzen, sondern zusätzlich andere Grundstücke für diese Aktion erwerben sollte, um damit über das gesetzliche Maß etwas für den Klimaschutz zu tun.

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