„Zeit zum Handeln ist jetzt“

Klimakonferenz in Glasgow: Hoffen und Bangen im Landkreis Diepholz

Luftbild des Kürzels „F4F“.
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Engagiert: Die Schüler-Ortsgruppe der Klimabewegung Fridays-for-Future Weyhe posiert für ein Luftbild als ihr Kürzel „F4F“.

Die UN-Klimakonferenz in Glasgow ist die 26. Zusammenkunft dieser Art.  „Glasgow muss liefern“, fordern dort die Menschen auf den Straßen. Was Glasgow liefern muss, was Menschen und Unternehmen hierzulande fordern und erwarten, wollte die Kreiszeitung von ihnen wissen.

Landkreis Diepholz – Ein verregneter Sommer und ein gefühlt ewiger Winter 2020: Verliert die Umwelt- und Klimabewegung an Fahrt? Welche Auswirkungen haben die klimatischen und politischen Umwälzungen auf die Wirtschaft und die Menschen im Landkreis Diepholz? Anlässlich der Klimakonferenz im britischen Glasgow hat die Kreiszeitung mit Gruppen und Unternehmen aus dem Landkreis über die Zukunftspläne gesprochen.

ZF Friedrichshafen, Diepholz

ZF Friedrichshafen, die Auto-Maschinenwerkstatt mit einem Standort in Diepholz, will auf dem Weg zur Klimaneutralität bis 2040 klimaneutral werden – zehn Jahre früher als im Pariser Klimaabkommen vorgesehen. Als Etappenziel sollen bis 2030 die CO2-Emissionen der ZF-Standorte um 80 Prozent gegenüber 2019 sinken, teilt Firmensprecher Florian Tausch mit.

Mineralbedarf: Batterien der Zukunft.

„Das nachhaltige Wirtschaften wird in Zukunft die Grundlage unseres Erfolgs sein“, so Tausch. Erreicht werden solle dies nicht nur anhand gesetzlicher, sondern auch durch kundenseitige Anforderungen, die auch auf die Wertschöpfungskette ausstrahlen. ZF betont: „Wir unterstützen die Ziele des Klimaabkommens von Paris.“ In dem Zusammenhang beobachte das Unternehmen auch die aktuellen Entwicklungen und Ergebnisse der Klimakonferenz in Glasgow.

Fridays-for-Future, Weyhe

Sarah Weyd, Sprecherin der Schülerklimabewegung Fridays-for-Future (FFF) in Weyhe, fordert mehr und schnelleres Engagement.

Der Klimawandel ist real. „Wir in Weyhe wären davon auch betroffen“, unterstreicht Weyd. Die Bedrohung sei immer noch ersichtlich, vor allem durch die Flutkrise, selbst wenn gerade eher die Benzin- und Heizkrise die Menschen besorgt. „Wir haben nicht das Gefühl, dass das Engagement weniger wird“, sagt sie. Weyhe sei zwar allgemein weniger aktiv als andere Ortsgruppen, doch habe FFF auch dort viele Demos geplant und weitere Aktionen liefen.

Die Klimagruppe schaut nach Glasgow und wolle erst mal abwarten, während sich die Bundesregierung bildet und ob die Versprechen der Parteien umgesetzt werden.

Das Wichtigste aus dem Landkreis Diepholz: Immer samstags um 7:30 Uhr in Ihr Mail-Postfach – jetzt kostenlos anmelden.

Klare Forderungen benennt Weyd dennoch: Ein klares Bekenntnis zum 1,5 Grad-Ziel, und zwar international von allen Staaten, mehr Unterstützung und Hilfsangebote an die Betroffenen sowie die Beendigung der Kohlenutzung beschleunigen.

Als bisherige Enttäuschungen der Konferenz prangert Weyd das sogenannte Greenwashing (Grünwaschen) an. So stellten sich Staaten und Konzerne nur auf den ersten Blick als ökologische dar. Es passiere noch zu wenig, sagt Weyd. „Die Pläne reichten bei Weitem nicht aus.“ Notwendige, aber radikale Entscheidungen würden nicht getroffen und umgesetzt. Außerdem werde alles entweder nach hinten verschoben oder später erreicht als geplant. Wohlwissend, dass die Wissenschaft bereits Limits und Fakten benannt habe.

Wintershall Dea, Barnstorf

Der Gas- und Ölproduzent Wintershall Dea mit Standort in Barnstorf betreibt die Energiewende mit Wasserstoff auf Erdgasbasis. „Erneuerbare Energien allein werden den Bedarf nicht decken können“, so Pressesprecher Marco Luterbach.

„Wir unterstützen das Ziel der EU, bis 2050 klimaneutral zu werden.“ Dafür wollen sie bis 2030 die Treibhausgasemissionen in allen Explorations- und Produktionsaktivitäten auf Null reduzieren. Zudem soll der Methanausstoß bis 2025 auf unter 0,1 Prozent sinken, das routinemäßige Abfackeln von Begleitgas beendet werden.

Die Klimaziele sollen durch Emissionsreduzierung, mehr Energieeffizienz sowie mit Zukunftstechnologien wie der Speicherung von Kohlenstoff erreicht werden. Damit könnten Wirtschaftszweige dekarbonisiert werden, in denen CO2-Emissionen nur schwer oder gar nicht vermeidbar sind. Dazu will das Unternehmen im laufenden Jahrzehnt rund 400 Millionen Euro investieren.

Vilsa-Brunnen, Bruchhausen-Vilsen

Das Familienunternehmen Vilsa-Brunnen der Rodekohrs unterhält einen Brunnen in Bruchhausen-Vilsen. „Wir können zeitnah auf aktuelle Trends und Veränderungen in Bezug auf Umweltauflagen oder Rechtslagen reagieren“, teilt Vilsa in Bezug auf die Klimakonferenz mit.

„Mit dem natürlichen Mineralwasser dürfen wir einen Schatz der Natur fördern“, heißt es, der einen nachhaltigen Umgang mit diesem kostbaren Gut und der Umwelt selbstverständlich mache.

Mineralwasser: Quelle des Lebens.

Sowohl der Standort als auch das Sortiment seien als klimaneutral zertifiziert. Dazu arbeite das Unternehmen daran, den gesamten CO2-Ausstoß zu vermeiden. „In den letzten zehn Jahren ist es uns so gelungen, die eigenen Emissionen zu halbieren.“ Möglich wurde das durch die Umstellung auf Ökostrom, 100 Prozent recycelte PET-Flaschen oder Ausgleichsaktionen.

Eines der Projekte ist die Förderung der Stiftung Naturschutz Diepholz, die seit 2012 eine jährliche Spende in Höhe von 10 000 Euro erhält. Damit werden verschiedene Stiftungsvorhaben unterstützt wie beispielsweise die Projekte Feuchtwiesen, Heideentwicklung, Moorränder und das Schlattprogramm.

Fachzentrum für Moor und Klima, Wagenfeld

Das Europäische Fachzentrum Moor und Klima in Wagenfeld versteht sich als Netzwerk, das Erkenntnisse der Forschung und Wissenschaft bündelt, in die Region einbringt und zum regionalen Moorschutz beiträgt.

„Die Zeit zu handeln ist jetzt“, sagt Anna Katharina Prim vom Fachzentrum. Damit wir unter der Grenze von 1,5 Grad bleiben, müssten innerhalb der kommenden acht Jahre die weltweiten Emissionen an Treibhausgasen halbiert werden. Das funktioniere nur mit verbindlichen Maßnahmen.

„Auf der Klimakonferenz gibt es erstmals einen Pavillon zum Thema Moore und Klimaschutz.“ Das zeige, wie wichtig die Moore als CO2-Speicher für den Klimaschutz sind. Als einer der größten Kohlenstoffspeicher an Land speicherten Moore doppelt so viel Kohlenstoff wie die Biomasse aller weltweiten Wälder. Aber nur im nassen Zustand – eine Wiedervernässung habe daher Priorität.

Mittlerweile erkenne die Politik die Dringlichkeit der Rettung der Moore und schaffe mit neuen Gesetzen, wie dem Niedersächsischen Weg, eine Grundlage für den Moor- und Artenschutz, heißt es weiter. „Allerdings sind diese staatlichen Signale noch deutlich zu ungenau.“

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