„Besondere Situation“

Kinder aus 31 Ländern in Diepholzer Mühlenkampschule

Die besondere Situation der Diepholzer Mühlenkampschule: Personalratsvorsitzende Stephanie von Schemde (li.) und Schulleiterin Claudia Klenke sprachen darüber.
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Die besondere Situation der Diepholzer Mühlenkampschule: Personalratsvorsitzende Stephanie von Schemde (li.) und Schulleiterin Claudia Klenke sprachen darüber.

Diepholz – Das dürfte für eine Grundschule außerhalb von Großstädten rekordverdächtig sein: Kinder aus 31 Ländern besuchen die Mühlenkampschule in Diepholz. Von den 229 Schülern haben 153 einen Migrationshintergrund – das sind 67 Prozent. So Zahlen der Schulleitung. Unterschiedliche Kulturen und Sprachprobleme stellen die 22 Lehrkräfte und die rund 20 weiteren Mitarbeiter der Schule vor große Herausforderungen.

„Besonderheiten der Mühlenkampschule“ hat Schulleiterin Claudia Klenke ein Papier betitelt, in dem sie das auflistet, was ihre Schule von anderen Grundschulen unterscheidet. Die 59-Jährige hat es der Stadt Diepholz, die Schulträger ist, und Politikern zur Kenntnis gegeben.

In dem Papier nennt Klenke stichwortartig die Hauptprobleme. Zum Beispiel: Viele Flüchtlingsfamilien ohne Sprachkennnisse sowie Familien aus dem EU-Ausland, die von Schlachtbetrieben im Landkreis Vechta angeworben worden sind, wohnen in Diepholz im Bezirk der Mühlenkampschule, weil es dort billigen Wohnraum gibt.

Viele Eltern sprechen kaum Deutsch

„Viele Eltern sprechen auch nach Jahren kaum Deutsch“, ist die Erfahrung der engagierten Schulleiterin. Für Gespräche mit ihnen gibt es drei freiberufliche Dolmetscher für Bulgarisch, Rumänisch und Arabisch. Die Honorarkosten übernimmt die Stadt Diepholz.

„Überhaupt unterstützt uns die Stadt sehr“, betont Claudia Klenke im Gespräch mit unserer Zeitung. Sie freut sich beispielsweise über die Einstellung einer Koordinatorin für den Ganztag und eine zweite Schulsekretärin.

Trotzdem hat das Personal an der Mühlenkampschule mehr zu tun als an anderen Grundschulen. So helfen Mitarbeiterinnen den Eltern mit fehlenden Sprachkenntnissen beim Ausfüllen von Anträgen und erklären ihnen aufwendig Elternbriefe.

„Keine Nachteile für einheimische Schüler“ in Diepholz

„Einige Eltern sind Analphabeten“, sagt Schulleiterin Claudia Klenke. Elterninformationen würden kaum beachtet oder beantwortet. Telefonnummern würden sich ständig ändern. Zudem seien von Eltern kaum E-Mail-Adressen vorhanden, was Schwierigkeiten beim Austausch mit den Lehrkräften, besonders beim Homeschooling, bereite.

Die Sprachprobleme der Kinder verdeutlicht Claudia Klenke so: „Von den 153 Schülern mit Migrationshintergrund haben 124 einen Förderbedarf in der deutschen Sprache.“

Das Wichtigste aus dem Landkreis Diepholz: Immer samstags um 7:30 Uhr in Ihr Mail-Postfach – jetzt kostenlos anmelden.

Zudem treten im Alltag Unterschiede in den Kulturen zutage. Claudia Klenke: „Manche Eltern fahren mit ihren Kindern während der Schulzeit in ihr Heimatland oder verlängern die Ferien.“ Jeden Verstoß gegen die Schulpflicht zeigt die Schulleiterin an. Doch die Verfahren dauern lange, bis es gegebenenfalls zu einem Bußgeld kommt.

Die Mühlenkampschule an der Lüderstraße mit dem neuen Mensa-Anbau.

„Die Lehrkräfte und andere Mitarbeiter sind an der Belastungsgrenze“, erklärt Stephanie von Schemde. Sie ist Personalratsvorsitzende der Mühlenkampschule und betont genau wie die Schulleiterin: „Im Unterricht merken das die Kinder nicht. Es gibt keine Nachteile für einheimische Schüler durch den Anteil von Jungen und Mädchen mit Migrationshintergrund.“

Claudia Klenke sieht auch, dass das Engagement des Personals der Mühlenkampschule und der Stadt Diepholz Früchte trägt. Das zeigt sich bei den aktuellen Absolventen der vierten Klassen, die nun weiterführende Schulen besuchen: Von den 52 Kindern gehen 13 zum Gymnasium, 22 zur Realschule, sieben zur Oberschule Rehden und sechs zur Jahnschule (Hauptschule). Vier sind mit ihren Eltern verzogen.

90 der derzeit insgesamt 229 Schüler besuchen die Mühlenkampschule ganztags. Am Nachmittag gibt es sieben Gruppen – darunter vier für Hausaufgaben.

„Viele der Kinder mit Migrationshintergrund sind helle und sehr fit“, betont Personalratsvorsitzende Stephanie von Schemde. Sie weiß zum Beispiel von einem rumänischen Mädchen, das ohne deutsche Sprachkenntnisse in die erste Klasse der Mühlenkampschule kam und die Schule nach vier Jahren mit einer Empfehlung für das Gymnasium wieder verließ.

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