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Diepholzer Ärztin: Kontakt mit Schwägerin in Kiew

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Von: Eberhard Jansen

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Natalia Horvat (59). Die Diepholzer Ärztin stammt aus der Ukraine.
Natalia Horvat (59). Die Diepholzer Ärztin stammt aus der Ukraine. © Horvat/Privat

Diepholz – „Ich habe geglaubt, dass es nicht passiert“, sagt Natalia Horvat mit bewegter Stimme. Die 59-Jährige ist Ärztin in einer Praxis in Diepholz und stammt aus der Ukraine. Dort herrscht nun Krieg, auch in Natalia Horvats Heimatstadt Kiew. Von dort sind erst am Mittwoch Gäste angereist. Ihren Bruder und dessen zwei Kinder, zehn und zwölf Jahre alt, hat die Medizinerin am Abend vom Flughafen in Hamburg abgeholt

. Der Aufenthalt ihrer Verwandten in Diepholz sollte ein fröhliches Wiedersehen und ein Urlaub sein. In der Ukraine sind derzeit Schulferien. Ob das der alleinige Grund dafür war, dass im Flugzeug nach Deutschland sehr viele Kinder aus der Ukraine saßen, wie ihr Bruder berichtete? Natalia Horvat weiß es nicht.

Bruder mit Kindern in Diepholz zu Besuch

Am frühen Donnerstagmorgen hörte sie vom Einmarsch der russischen Truppen in ihr Land, in dem sie zuletzt im Herbst gewesen war. Sofort um 7.30 Uhr rief die 59-Jährige bei ihrer Schwägerin in Kiew an. Da glaubte die Ärztin noch nicht, dass die Kriegshandlungen auch die Hauptstadt bedrohen würden. Die Schwägerin habe auf ihren Gruß am Telefon mit zitternder Stimme geantwortet: „Das ist kein guter Morgen.“ Natalia Horvat: „Da habe ich noch gedacht, dass vielleicht jemand aus der Verwandtschaft gestorben ist. Als meine Schwägerin dann gesagt hat, dass Kiew angegriffen werde, konnte ich das zunächst immer noch nicht glauben.“

Schwierige Fahrt aus der Hauptstadt

Doch ihre Schwägerin bereitete sich schon auf ihre Flucht aus der Hauptstadt vor. „Sie wollte aufs Land zu unserer Mutter. Diese wohnt 19 Kilometer von Kiew entfernt“, berichtete die Diepholzer Ärztin im Gespräch mit unserer Zeitung. Dann änderte die Schwägerin ihre Pläne: Während ihre Eltern bei Horvats Mutter unterkamen, fuhr die 41-Jährige unter vielen Mühen zu Freunden, die 30 Kilometer von der Hauptstadt entfernt wohnen. Die Fahrt aus der Stadt war schwierig, denn die Straßen in Kiew seien schon am frühen Morgen mit Autos verstopft gewesen, in denen Menschen saßen, die sich ebenfalls vor dem Angriff der Russen fürchten und auch in ländliche Gebiete oder außer Landes wollten.

Aufs Land geflüchtet

Am Donnerstagmittag telefonierte Natalia Horvat erneut mit ihrer Schwägerin, die inzwischen an ihrem Ziel auf dem Land angekommen war. „Sie berichtete von vielen Flugzeugen über Kiew, von der Zerstörung eines Flugzeugwerkes und davon, dass an Tankstellen lange Schlangen sind und oft kein Treibstoff mehr zu bekommen war“, so die Diepholzer Ärztin. Auch könnten die Menschen in Kiew in dem Chaos nicht mehr mit Kreditkarten bezahlen.

Natalia Horvat

Natalia Horvat erfüllte sich erst mit 48 Jahren einen Jugendtraum und begann nach einem längeren Aufenthalt in Deutschland ein Medizinstudium in der Ukraine. Nach dessen Abschluss in Kiew und Facharztausbildungen arbeitet sie seit September 2020 in der damals neuen Zweigpraxis von Dr. Marcel Blesken und Dr. Christoph Kirchberg an der Steinstraße 21 in Diepholz. Die 59-Jährige ist in Deutschland approbierte, also staatlich zugelassene Ärztin für Allgemeinmedizin.

Natalia Horvats 45-jähriger Bruder und dessen Kinder Maria (10) und Ivan (12) bleiben nun zunächst in Diepholz. Die Ärztin hatte geplant, in ihrem nächsten Urlaub ihre Heimatstadt Kiew zu besuchen. Dass diese Pläne durch schreckliche Kriegsereignisse am Donnerstag zunichte gemacht wurden, hatte sie nicht kommen sehen. Oder gehofft, dass es nicht so kommt.

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