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Keine Förderung mehr für effiziente Gebäude: Scharfe Kritik von Mittelständlern

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Von: Anke Seidel

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Sorgfältige Dämmung am Bau ist wichtiger denn je, um so wenig Energie wie möglich zu verbrauchen.
Sorgfältige Dämmung am Bau ist wichtiger denn je, um so wenig Energie wie möglich zu verbrauchen. © Sebastian Gollnow/dpa

Landkreis Diepholz – Für Heide Bergbauer-Hörig, die Kreisvorsitzende der Mittelstandsvereinigung MIT in der CDU, ist es ein „schwarzer Tag für Familien und Handwerk“: Der plötzliche Stopp des Bundesförderprogramms für effiziente Gebäude sei ein „Desaster für Klima, Familien und Mittelstand“. Denn durch den Wegfall der Förderung „brechen Kalkulationen von einem Tag auf den anderen zusammen“.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz hatte die Förderprogramme mit dem Argument gestoppt, dass eine Antragsflut eingegangen sei und die Haushaltsmittel dafür nicht ausreichen würden. Bisher war für ein Effizienzhaus der Kategorie 40 laut der bundeseigenen Förderbank KfW ein Zuschuss von bis zu 75 000 Euro möglich.

Gefördert worden war auch das sogenannte Effizienz-Neubauhaus 55 (EH 55). Genau das ist laut Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz aber schon Standard am Markt. Zuschüsse gibt es nicht mehr – auch Bauwillige aus dem Landkreis Diepholz haben Anträge gestellt und sind betroffen. Das ergaben Nachfragen dieser Zeitung.

Projekte auf Eis gelegt

„Einige Kunden haben ihr Projekt auf Eis gelegt“, berichtet der Bauleiter eines Diepholzer Unternehmens, der namentlich nicht genannt werden will. Die völlig unerwartete Einstellung des Programms, das offiziell noch bis Ende Januar laufen sollte, habe durchaus Auswirkungen auf das Unternehmen. „Die ganzen Beschwerden bekommen wir ja ab“, berichtet der Bauleiter.

Abwarten – das ist demnach die Devise vor allem für Kunden, die Förderanträge für das Programm EH 40 Plus gestellt haben; also für Häuser, die mehr Energie produzieren als sie für den eigenen Bedarf brauchen und die überschüssige Energie für die Allgemeinheit zur Verfügung stellen können.

Aber auch EH 40 Plus wird zurzeit nicht mehr bezuschusst. Ob es künftig andere Förderprogramme geben wird, ist unklar. Das Ministerium will offenbar im Kontext mit der Kassenlage im Energie- und Klimafonds sowie anderen Förderprogramme entscheiden.

Der Bauleiter ist sicher: „Wenn nichts kommt, dann wird einfacher gebaut.“ Anders ausgedrückt: ohne Geld für optimale energetische Ausstattung auszugeben.

Unter den bundesweit mehr als 24 000 offenen Anträgen sind auch einige aus dem Einzugsbereich der Kreissparkasse Syke. „Wir haben einige Kunden, deren Anträge nicht genehmigt werden“, weiß Uwe Husmann, Kreditexperte der Kreissparkasse Syke. Der Stopp des Programms sei sehr überraschend gewesen: „Das war nicht angekündigt.“

Unsere Kunden können ruhig schlafen.

Uwe Husmann, Kreissparkasse Syke

Platzt nun für einige der Traum vom Eigenheim? „Nein“, antwortet Uwe Husmann. „Wir haben unsere Finanzierungen so aufgebaut, dass sie auch ohne diese Zuschüsse darstellbar sind.“ Das Förderprogramm sei so etwas wie ein „Bonbon“ gewesen. Der Kreditexperte ist deshalb überzeugt: „Unsere Kunden können ruhig schlafen.“

Auch die Kreissparkasse Diepholz sei von der Mitteilung der KfW überrascht, so Ralf Vielhauer als Pressesprecher des Geldinstituts Er fügt hinzu: „Zum gegenwärtigen Zeitpunkt können wir noch nicht absehen, inwieweit unsere Kunden von der Entscheidung der KfW betroffen sein könnten.“

Tipp: Keine voreiligen Entscheidungen treffen

Genauso überraschend war die Einstellung des Programms für die Volksbanken im Landkreis Diepholz. „Der Antragsstopp und somit der Verlust der Förderung ist sehr unglücklich“, so Helke Dierks, Marketingreferentin der Volksbank Niedersachsen-Mitte. „Es kann dazu führen, dass geplante Bauvorhaben finanziell neu aufgestellt werden müssen.“ Den Kunden rate man, keine voreiligen Entscheidungen zu treffen und ein Gespräch mit ihrem zuständigen Baufinanzierungsberater zu führen. So würden individuelle Lösungsmöglichkeiten erarbeitet.

MIT-Kreisvorsitzende Heide Bergbauer-Hörig verlangt von der Bundesregierung, die Förderung für effiziente Gebäude sofort weiter laufen zu lassen: „Im Gebäudebestand gibt es riesige Potenziale für mehr Klimaschutz. Diese müssen wir nutzen. Es ist vorbildlich, dass viele Eigentümer ihre Gebäude klimafit machen wollen. Das darf die Ampel nicht verweigern.“

Anträge von mehr als 20 Milliarden Euro

Auf ihrer Internetseite teilt die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) zum Stopp der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) mit:

„Die enorme Antragsflut der letzten Wochen, die in den vergangenen Tagen noch einmal erhebliche zusätzliche Dynamik erlangt hat, führt zu einer Ausschöpfung der vom Bund für die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) bereitgestellten Haushaltsmittel; das Programm musste daher auch und angesichts der Vorläufigkeit der Haushaltsführung gestoppt werden. Allein im Zeitraum November 2021 bis heute sind bei der KfW Anträge in Höhe von über 20 Milliarden Euro Fördervolumen eingegangen. Über die Behandlung der vorliegenden, noch nicht zugesagten Anträge sowie mögliche alternative Förderangebote werden das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) und die KfW zügig entscheiden.“

Von Anke Seidel

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