„Kann man damit schießen?“

20. Diepholzer Berufsmesse mit Kontaktdaten, Kuchen und Kampfmaschinen 

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Die Feuerwehr beeindruckt draußen vor den Zelten mit ihrer Drehleiter. 

Diepholz - Um Punkt halb 9 am Morgen stürmen zahlreiche junge Leute in die zwei großen, weißen Zelte auf dem Diepholzer Marktplatz. Während solche Szenen abends um diese Zeit immer ein sicheres Indiz für den Diepholzer Großmarkt wären, ging es gestern um etwas ganz Anderes: Nicht um das Feiern, sondern um die berufliche Zukunft. Aufgrund von Bauarbeiten in der Berufsschule wurde die Berufsmesse in diesem Jahr kurzerhand auf die große Fläche Auf dem Esch verlegt.

Till Bigalke lächelt zufrieden, wenn er an die Eröffnung der Messe zurückdenkt. Für seinen Arbeitgeber ist die Teilnahme an den Berufsmessen in Diepholz und Syke sozusagen alternativlos, steht er doch, wie viele andere der Aussteller an diesem Tag, vor einem riesigen Problem.

Till Bigalke ist Ausbildungskoordinator beim Deutschen Roten Kreuz, und dort werden Nachwuchskräfte, gerade im Bereich der Pflege, händeringend gesucht. „Wir hatten viele interessante Gespräche“, berichtet Bigalke vom Vormittag. Drei Stand-Besucher hätten gar konkret Nägel mit Köpfen gemacht und sich quasi für eine Ausbildung angemeldet. Am Ende seien die „Erwartungen übertroffen worden“, freut sich Bigalke. Und das schon am ersten Tag der Berufsmesse, die heute in die zweite Halbzeit geht.

Erwartungen schon gestern übertroffen

Vor allem nach der Eröffnung herrscht am ersten Messetag dichtes Gedränge. Sind doch zahlreiche Lehrer mit ihren Klassen unterwegs. Pflichtprogramm sozusagen. Damit die Schüler mit den Ausstellern in Kontakt treten, haben viele von ihnen einen Laufzettel bekommen, den sie an den Ständen ausfüllen müssen.

Das sei zwar ganz gut, aber man wisse nie, was davon hängen bleibe, erzählt Marc Strathmann. Der Elektro-Meister ist in diesem Jahr zum ersten Mal mit seinem Familienunternehmen aus Wetschen auf der Messe. Jahrelange habe er sich über sinkende Bewerberzahlen geärgert, erklärt der Mann mit den roten Haaren und dem blauen Firmen-Shirt. Am Ende gab es keine einzige Bewerbung mehr. Da habe er sich gesagt: „Wir können nicht nur rummeckern, wir müssen was machen.“ Deswegen sitzt er nun mit seiner Frau Cathrin an einem kleinen Tisch und zeigt interessierten Besuchern, wie sie selber Elektroteile zusammenlöten können.

Besucher wie zum Beispiel Tobias Küfe. Der 14-Jährige liegt mit seinen Interessen gar nicht mal so weit vom Elektrotechniker entfernt. Zusammen mit seinem Vater Andreas ist er extra aus Ehrenburg angereist, um sich auf der Messe über Ausbildungen wie die zum Fachinformatiker oder zum Notfallsanitäter zu informieren. Eigentlich hat der Achtklässler noch ein wenig Zeit, bevor er sich für einen Beruf entscheiden muss. An seiner Realschule würden sie sich erst in den späteren Jahrgangsstufen mit dem Berufseinstieg beschäftigen, erzählt er. Dennoch schade es nicht, sich schon vorab ein wenig zu informieren – findet sein Vater. Denn dessen Idee war es, mit dem Junior schon einmal über die Messe zu laufen. Vielleicht ergeben sich dabei noch einmal neue Ideen. Nachdem er sich über die Ausbildung zum Fachinformatiker informiert hat, kommen Tobias und sein Vater mit einem Mann vom Zoll ins Gespräch.

20. Diepholzer Berufsmesse

 © Lisa Hustedt
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 © Luka Spahr
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Auf der Berufsmesse bekommt man derweil schnell den Eindruck, dass die Zeiten der kleinen Stehtische mit Flyern vorbei sind. An vielen der über 70 Stände warten interaktive Spiele und Aktionen auf die jungen Besucher. Es gibt einen Bewerbungs-Mappen-Check und ein Azubi-Speed-Dating. Der wohl größte Blickfang steht jedoch außerhalb der Halle. Neben einer Pommesbude und einem Eiswagen ist dort nicht nur eine große Drehleiter der Feuerwehr zu finden, die Bundeswehr vom Diepholzer Fliegerhorst hat auch eine Bo105 aufgestellt – einen Panzerabwehrhubschrauber.

Hier informieren Steffen Wenke und seine Kollegen über die Ausbildung des Fluggerätemechanikers. Sie sind der Beweis: Nicht jeder, der bei der Bundeswehr arbeitet, hat automatisch einen Militärrang. Wenke und die anderen sind zivile Angestellte. Sie sind entweder Fertigungstechniker, Triebwerkstechniker, Elektriker oder, wie Wenke, Instandhaltungstechniker.

Komplett in Arbeitsmontur stehen Brian Ruräde und Leon Czarski vor dem dunkelgrünen Helikopter. Sie sind, wie viele der Aussteller hinter den Ständen, selbst Azubis. Ruräde wird im ersten Lehrjahr zum Fluggerätemechaniker ausgebildet. Czarski ist schon im zweiten Lehrjahr. Sie habe damals vor allem die Begeisterung für Luft und Raumfahrt sowie Technik zur Bundeswehr gelockt. Der Arbeitgeber war ihnen von Anfang an sympathisch und das Berufsziel klar.

Bei dem gewaltigen Helikopter und den zahlreichen Aktionen drängt sich aber schnell eine Frage auf: Geht es hier noch um den Beruf selbst oder nur noch um das Oberflächliche? Was sind etwa die am häufigsten gestellten Fragen am Stand der Bundeswehr? Da weiß Steffen Wenke schnell die Antwort und lacht: „Kann man damit schießen?“ und „Fliegt der noch?“ Zumindest auf die zweite Frage lautet die Antwort Nein. Die Bo105 wurde 2016 nach 35 Einsatzjahren ausgemustert und wird heute nur noch ausgestellt.

Mit sechs Jahren erste Berufspläne

Drinnen in den Zelten wird es in der Zwischenzeit etwas leerer. Am Nachmittag ist kaum mehr ein Schüler zu sehen. Die 17-jährige Lara Ristow schlendert mit ihrer Freundin Simona zwischen den Ständen herum. Sie ist auf der Suche nach etwas ganz Bestimmten: Seitdem sie mit sechs Jahren eine Operation hatte, formte sich in ihr langsam der Gedanke, dass sie später etwas Soziales machen möchte. Vielleicht etwas mit Kindern, die wie sie eine Behinderung haben, überlegt sie. Zusammen mit ihrer Wohngruppe ist sie an diesem Nachmittag hier, um sich über entsprechende Ausbildungen zu informieren. Auf der Suche danach ist sie bereits lange. Schon im vergangenen Jahr hatte sie sich beworben und keinen Ausbildungsplatz gefunden. Kurzerhand startete Lara den theoretischen Teil im Bereich der Hauswirtschaftspflege an der Diepholzer Berufsschule. Jetzt sucht sie nach einer Einrichtung, wo sie ihre praktischen Erfahrungen sammeln kann. Am Stand der Lebenshilfe habe sie bereits einen guten Eindruck gewonnen, berichtet sie zufrieden.

Dann zieht sie weiter durch die langen Gänge auf der Berufsmesse. Am Stand des DRK ist in der Zwischenzeit Tobias Küfe angekommen und will sich über den Beruf des Notfallsanitäters informieren. In einer Tüte trägt er bereits zahlreiche Flyer mit sich herum. Vielleicht wird auch Lara Ristow hier eine für sie interessante Ausbildung finden. Fachkräfte werden immerhin dringend gesucht.

Berufsmesse öffnet auch am Samstag: 

Auch am Samstag öffnet die Messe von 10 bis 16 Uhr auf dem Diepholzer Marktplatz noch einmal ihre Tore für alle Interessierten. Neben den über 70 ausstellenden Firmen ist auch dafür gesorgt, dass keiner Hunger oder Durst bekommen muss. Und wer einfach so mal über die Messe schlendern möchte, für den gibt es auch viel Interessantes zu entdecken. Die Hannoveraner Jugend-Messe IdeenExpo macht mit ihrer Roadshow halt in der Kreisstadt. Mit im Gepäck: zahlreiche spannende Experimente von jungen Naturwissenschaftlern und Technikbegeisterte.

  Lesen Sie auch: Der Live-Ticker zu allen aktuellen Ereignissen der Bremen Wahl informiert sie bis spät in die Nacht.

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