Marta Rubbert bekommt Medaille für besondere Verdienste

70 Jahre ihren Bruder zu Hause gepflegt

Die Medaille des Landes Niedersachsen für vorbildliche Verdienste um den Nächsten bekam am Mittwochnachmittag Marta Rubbert aus Diepholz. Landrat Cord Bockhop überreichte die Auszeichnung im Hotel Castendieck an die 81-Jährige. - Foto: Jansen

Diepholz - Von Eberhard Jansen. Ihr Bruder sollte in der Familie bleiben – trotz seines Schicksals. Mit zwei Jahren war er vom Dachboden gestürzt und ist seitdem geistig behindert. Als Marta Rubbert zehn Jahre alt war, starb ihre Mutter. Seitdem kümmerte sie sich um ihren dreieinhalb Jahre älteren Bruder und vermied dadurch, dass er in ein Heim musste.

70 Jahre lang. Dafür – und für ihre immer große ehrenamtliche Hilfsbereitschaft – bekam die heute 81-jährige Diepholzerin am Mittwochnachmittag die Medaille für vorbildliche Verdienste am Nächsten des Landes Niedersachsen.

Landrat Cord Bockhop überreichte die Verdienstmedaille im Hotel Castendieck. Dorthin war auch die große Familie der Geehrten gekommen, die ihr sehr wichtig ist. Sechs Kinder hat sie – und aus allen ist „etwas geworden.“ Und allen hat Marta Rubbert vermittelt, „selbst sozial zu sein im besten Sinne“, wie es Landrat Bockhop ausdrückte, der auch die Grüße von Bürgermeister Dr. Thomas Schulze übermittelte.

An ihre eigene Kindheit denkt Marta Rubbert nicht gern zurück. Es waren harte Zeiten in den Kriegsjahren. Ihre Mutter war herzkrank und geschwächt, ihr Vater im Krieg. Und wenn manchmal Bomben rund um ihr Haus an der Fladderstraße einschlugen, waren die Kinder allein, weil Mutter im Krankenhaus war.

Die Betreuung und Pflege ihres nach dem Unfall behinderten Bruders hatte sich Marta Rubbert zur besonderen Lebensaufgabe gemacht. Sie erfüllte das Versprechen, das sie ihrem Vater gegeben hatte, bis vor wenigen Monaten. Erst dann musste der Bruder in ein Seniorenheim, weil er körperlich abgebaut hatte und seine mittlerweile selbst betagte Schwester die Pflege nicht mehr leisten konnte – trotz Unterstützung durch ihre Kinder.

„Neben der Pflege ihres Bruders hat Marta Rubbert darüber hinaus Menschen in ihrer Nachbarschaft und in ihrer näheren Umgebung in schweren Situationen mit Rat und Tat hilfreich zur Seite gestanden“, heißt es in der Begründung zur Verleihung der Verdienstmedaille – auf Vorschlag der Diepholzer Kirchengemeinde St. Nicolai. Stets sei es ihr ein Anliegen gewesen, auch ihren Kindern den Wert des ehrenamtlichen Engagements zu vermitteln.

Trotz ihres hohen Alters und ihres nicht einfachen Lebens ist Marta Rubbert noch fit. Sie fährt auch mit ihren 81 Jahren per Rad bis Wagenfeld und Bohmte, ging jetzt noch mit ihren Enkelkindern zu Fuß 21 Kilometer um den Dümmer. Und kürzlich erklomm sie am Kleinwalsertal noch Gipfel. Dorthin war sie mit ihrem 2007 verstorbenen Mann gern in Urlaub gefahren. Ihre Kinder erfüllten ihr einen Wunsch und schenkten ihr eine Reise dorthin.

Trotz harter Kindheit und viel Arbeit hat Marta Rubbert ihre Lebensfreude und Freude am Helfen nicht verloren.

Sie darf als Vorbild gelten.

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