Ingrid Schilling sammelt Sachspenden und stößt auf unerwartet große Resonanz

Flüchtlinge in Diepholz: Private Hilfe kommt in Gang

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Unerwartet viele Sachspenden von Diepholzern Bürger, vor allem von jüngeren: Die Diepholzerin Ingrid Schilling (Mitte) bekam nach dem Aufruf ihrer Tochter Imke Schilling auf Facebook eine Riesen-Resonanz. Darüber freut sich auch die ehrenamtliche Flüchtlingshelferin Ingrid Kock (rechts).

Diepholz - Von Eberhard Jansen. Geschirr, Spielzeug, Säcke voller Kleidung, ein Kinderbett: In der Hobby-Werkstatt der Diepholzer Familie Schilling ist kaum noch ein Platz frei. Mutter Ingrid Schilling sammelt seit wenigen Tagen Sachspenden für in Diepholz lebende Flüchtlinge. Den Aufruf ihrer Tochter Imke bei Facebook hatten wohl viele Bürger schon erwartet: Die Resonanz war sofort riesig. Die Diepholzer – vor allem jüngere – wollen helfen, bringen mehr Spenden vorbei, als die private Initiative zunächst verteilen kann.

Ingrid Schilling hat mit ihrem Mann aus beruflichen Gründen länger im Ausland gelebt und sich auch dort für Flüchtlinge engagiert – so in Singapur für Menschen aus Vietnam. Wieder zurück in Deutschland, half sie Anfang der 1990er Jahre in München Asylbewerbern aus Afrika.

Mit ihren Erfahrungen will Ingrid Schilling, deren Eltern auch Flüchtlinge waren und nach dem Zweiten Weltkrieg aus Schlesien kamen, nun in Diepholz Flüchtlinge ehrenamtlich unterstützen.

Ihre Initiative steckt noch in den Anfängen. Das organisatorische Prinzip zurzeit: Die 60-Jährige, die berufstätig ist, schickt per Mail an die Flüchtlingshelfer in Diepholz Listen mit von Bürgern abgegebenen Spenden. Diese werden dann nach Bedarf von den Helfern abgeholt und verteilt.

Praktische Unterstützung findet die 60-Jährige beispielsweise durch Ingrid Kock.

Sie ist eine der ehrenamtlichen Helfer, die nach dem Absolvieren eines entsprechenden Kurses Flüchtlinge in Diepholz betreuen.

Ingrid Kock besucht regelmäßig sechs Familien, die unter anderem aus Syrien, Montenegro und Afghanistan kommen, begleitet sie zu Behörden, Ärzten und Institutionen. Ihre Erfahrung: „Die Diepholzer sind sehr hilfsbereit.“ Auch die heimischen Mediziner gäben sich sehr große Mühe – beispielsweise, um Sprachprobleme zu überwinden.

Sowohl Ingrid Kock als auch Ingrid Schilling haben ebenso gute Erfahrungen mit den Asylbewerbern gemacht: „Sie sind bei der Verteilung der Hilfsgüter bescheiden und nehmen nur, was sie wirklich brauchen.“

Durch die Riesen-Resonanz nach dem Aufruf bei Facebook muss Ingrid Schilling nun erstmal auf die Bremse treten, denn sie hat zu Hause am Lohneufer keinen Platz mehr. Demzufolge möchte sie noch keinen öffentlichen Aufruf zu weiteren Spenden.

Sie hofft, dass sie für ihre Initiative einen größeren Raum angeboten bekommt, in dem auch gespendete Möbel gelagert werden können (Wer einen in Diepholz möglichst zentral gelegenen Raum zur Verfügung stellen möchte, kann sich per E-Mail an unsere Zeitung wenden, wir leiten die Informationen weiter. Die Mail-Adresse: eberhard.jansen@kreiszeitung.de).

Auch wünschen sich Ingrid Schilling und Ingrid Kock eine bessere Vernetzung der Flüchtlingshilfe in Diepholz.

158 Flüchtlinge leben – wie berichtet – zurzeit in der Kreisstadt. Damit hat Diepholz das Soll erfüllt. Doch dieses Soll gilt nur bis Ende September. Danach wird Diepholz wegen des anhaltenden Zustroms voraussichtlich noch weitere Asylbewerber aufnehmen müssen, die sie zurzeit noch dezentral in Wohnungen und angemieteten Häusern unterbringen kann.

Dann dürfte auch private Hilfe noch mehr gefragt sein.

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