Ingo Estermann ist seit 100 Tagen SPD-Chef im Landkreis Diepholz/Gabriel „sein“ Kanzlerkandidat

Top-Thema: Zukunft des ländlichen Raums

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Ingo Estermann hat die berühmten 100 Tage im Amt hinter sich gebracht.

Diepholz - Vertrauen gewinnen und etwas bewegen – das ist Ingo Estermann sehr wichtig, wie er schon gleich nach seiner Wahl zum neuen SPD-Unterbezirksvorsitzenden deutlich gemacht hatte. Seit rund 100 Tagen ist der 31-Jährige aus Diepholz Chef der SPD im Landkreis. Über seine Ziele, „seinen“ Kanzlerkandidaten und sein politisches Top-Thema spricht er im Interview. Die Fragen stellte Anke Seidel.

Herr Estermann, die Kanzlerkandidatur in der SPD ist ein heiß diskutiertes Thema. Wollen Sie Gabriel – oder Merkel, wie der sozialdemokratische Ministerpräsident Torsten Albig?

Ingo Estermann: Sigmar Gabriel. Eine Partei, die sechs Jahre nach der schlimmen Niederlage von 2009 inzwischen immerhin neun von 16 Ministerpräsidenten stellt und in 14 von 16 Ländern regiert, kämpft um das Bundeskanzleramt.

Wichtig ist, dass wir Sozialdemokraten rüberbringen, was wir für eine gute Zukunft dieses Landes eigentlich anders und besser machen wollen als die Union – unabhängig von Frau Merkel.

Persönlich finde ich übrigens, dass eine Begrenzung dieses Spitzenamtes wie in den USA auf zwei Wahlperioden Sinn macht – unabhängig davon, welche Partei den Kanzler stellt.

Seit wie vielen Jahren sind Sie selbst in der SPD, wann haben Sie ihr erstes Amt übernommen und wie viele Funktionen haben Sie jetzt?

Ingo Estermann: Ich bin seit zwölf Jahren Mitglied der SPD. 2003 wurde ich Beisitzer im Vorstand des Diepholzer SPD-Ortsvereins. Dort bin ich seit 2009 Vorsitzender sowie seit 2007 Mitglied des Stadtrates und nun Vorsitzender des Unterbezirks.

Wie hat sich die Mitgliederzahl im SPD-Unterbezirk – also im Landkreis – in den vergangenen zehn Jahren entwickelt?

Estermann: In den zehn Jahren von etwa 1300 Mitgliedern auf nun knapp unter 1000 Mitglieder. Das Halten von Mitgliedern und die Gewinnung von Neumitgliedern ist die wichtigste Herausforderung, die wir haben, und mit der Entwicklung politischer Inhalte verbinden müssen.

Dazu hat sich der Vorstand seit seiner Wahl im April einiges überlegt, was demnächst starten und in diesen Wochen organisiert wird.

Sie haben mit der Kampagne „Wir wollen Dich“ schon vor Monaten eine Werbeaktion gestartet. Mit welchem Erfolg?

Estermann: Der erste Neueintritt aufgrund der Kampagne war in Twistringen. Das hat mich richtig gefreut. Die Kampagne schaffte Aufmerksamkeit, aber der wichtigste Anstoß zum Mitmachen ist nach meinen Erfahrungen, dass man zu vielen Menschen und ihren Themen persönliche Kontakte schafft.

Je wichtiger das Thema für die Lebenswelt der Bürger, umso mehr Profil kann eine Partei zeigen. Was ist für die SPD das Top-Thema im Landkreis Diepholz?

Estermann: Es geht um die Zukunft des ländlichen Raums. Wie entwickeln wir ein Bildungsangebot, damit junge Menschen in der Region bleiben, und wie helfen wir durch unsere guten Bildungseinrichtungen bei der Schaffung von Arbeitsplätzen im Mittelstand? Wie sichern wir den Menschen Mobilität? Gibt es neue Modelle für eine gute Gesundheits- und Pflegeversorgung, wo es in Berlin für wirklich wichtige Strukturreformen aktuell keine Mehrheit gibt? Dazu werden wir mit Unterstützung unserer Landtagsabgeordneten Luzia Moldenhauer und den Kollegen aus Hannover hier im Kreisverband Schritt für Schritt ein Konzept entwickeln.

Immer weniger Menschen machen von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Was schätzen Sie: Wie hoch wird die Wahlbeteiligung bei der Bundestagswahl 2017 sein?

Estermann: Aktuell sagt mir mein Bauchgefühl, dass es vielleicht gerade 70 Prozent werden und manche würden sogar das für eine gute Zahl halten. Ich hoffe, dass es doch viel mehr werden. Auch wenn einen Einzelthemen sicher ärgern.

Wählen gehen, das ist Respekt vor einer Freiheit, für die woanders Menschen ihr Leben geben müssen.

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