„Industrie 4.0“ am Standort Diepholz

Automobilzulieferer ZF: Pilotprojekt für gesamten Konzern

Eines der ZF-Werke am Standort Diepholz, wo der Automobilzulieferer mit den Partnern PwC und Microsoft das Pilotprojekt „Industrie 4.0“ gestartet hat.
+
Eines der ZF-Werke am Standort Diepholz, wo der Automobilzulieferer mit den Partnern PwC und Microsoft das Pilotprojekt „Industrie 4.0“ gestartet hat.

Diepholz – Ein Pilotprojekt für die zukunftsfähige Ausrichtung seiner Standorte hat der Automobilzulieferer ZF in Diepholz gestartet: Industrie 4.0. Zusammen mit den Partnern PwC (Wirtschaftsprüfung, Steuer- und Unternehmensberatung) und dem Hard- und Softwareentwickler Microsoft wird hier eine „Digital Manufacturing Plattform“ in knapp 20 Anwendungen implementiert. „Damit ist Diepholz das digitale Vorzeigewerk des gesamten Konzerns, und wir werden die Umsetzung aller 4.0-Potentiale so schnell und effizient wie möglich auch in allen unseren Standorten ausrollen, um wettbewerbsfähig zu bleiben oder es wieder zu werden“, teilte ZF Friedrichshafen unserer Zeitung mit.

Unter anderem gehe es dabei um Vernetzung und Interaktion der Produktionsanlagen, um digitale Anwendungen, die den Material- und Informationsfluss, den Zustand der Anlagen visualisieren; oder Suchmasken, die alle wesentlichen Schichtdaten schnell und nutzerfreundlich in Echtzeit anzeigen. So werde unnützer Zeitaufwand durch Suchen und Nachfragen vermieden, aufkommende Qualitätsprobleme oder Anlagen mit Risiko können viel schneller identifiziert werden. „Damit heben wir weitere Potenziale und senken Kosten“, so ZF.

Ein Hintergrund ist die Corona-Krise: Die weltweite Auto-Produktion ist in diesem Jahr dramatisch eingebrochen. Davon bleibt ZF nicht unberührt. „In Summe erwarten wir Stand heute über das Jahr für die Division Pkw-Fahrwerktechnik mit einem Minus von rund 15 Prozent signifikant weniger Umsatz als in der letzten Planung angenommen und damit auch signifikant weniger als 2019. Deutsche Werke liegen teilweise sogar 20 Prozent darunter“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Das zweite Quartal von April bis Juni war Corona-bedingt durch bis zu 50 Prozent weniger Umsatz gekennzeichnet. Die Nachfrage ist seit September zwar wieder gestiegen, insbesondere in Asien. Die zweite Corona-Welle droht diese Entwicklung aber wieder abebben zu lassen.

Insgesamt werde die Corona-Pandemie deutliche Spuren in der weltweiten Automobilproduktion hinterlassen: Derzeit gehen ZF davon aus, dass es bis zu sechs Jahren dauern werde, bis wieder das Pkw-Produktions-Volumen des Jahres 2018 erreicht wird – und selbst die habe bereits geschwächelt.

„Wir müssen unsere Kapazitäten und alle Kosten auf die geringeren Umsätze anpassen: Nicht nur Kosten, sondern auch Kapazitäten müssen gesenkt oder in Zukunftsfelder verlagert werden, damit wir zumindest genauso wettbewerbsfähig wie vor der Krise wirtschaften können“, erklärt der Automobilzulieferer, der nicht nur in der Region Diepholz ein großer Arbeitgeber ist.

Der Technologiewandel, Kosten- und Wettbewerbsdruck sowie rückläufige Produktionszahlen haben die gesamte Branche schon vor der Corona-Krise vor große Herausforderungen gestellt. „Einige unserer Werke haben schon vor der Pandemie um ihre Wettbewerbsfähigkeit gekämpft. Auch das Schaltsysteme-Werk in Diepholz produziert mit dem Shifter eine Technologie, die ganz am Ende ihres Produktlebenszyklus steht“, erklärt ZF, dass klassische Getriebeschaltungen in Zukunft wohl weniger gebraucht werden. So kommen Elektrofahrzeuge ohne Schaltungen aus.

In dieser Phase höchsten wirtschaftlichen und Veränderungsdrucks haben sich das Unternehmen ZF und seine Arbeitnehmervertretung gemeinsam im Sommer 2020 auf einen „Tarifvertrag Transformation“ geeinigt, der für die Beschäftigten wie ein Moratorium wirkt und betriebsbedingte Kündigungen an den ZF-Standorten in Deutschland für zweieinhalb Jahre (bis Ende 2022) ausschließt.

950 Mitarbeiter in Diepholz

Im Gegenzug leisten die Mitarbeiter einen finanziellen Beitrag durch bis zu 20 Prozent abgesenkte Arbeitszeiten ohne oder mit nur teilweisem Gehaltsausgleich. Zudem bietet der Konzern Altersteilzeit-Programme, die am Multidivisionsstandort Lemförde (Werke rund um den Dümmer) bereits über 150 Kollegen wahrgenommen haben.

ZF: „Die gewonnene Zeit bis Ende 2022 werden wir nutzen, Standort für Standort Zielperspektiven zu entwickeln. Diese Zielbilder werden zwischen den jeweiligen Standortleitungen und Betriebsräten erstellt – vor allem geht es darin um eine nachhaltige Zukunftsstrategie, zukunftsfähige Produkte und Auslastung, um Investitionen, Beschäftigung und Qualifizierung sowie die Entwicklung der Wettbewerbsfähigkeit.

Das setzt qualifizierte Mitarbeiter voraus. Daher müsse ZF zusammen mit Partnern – etwa an der Privaten Hochschule für Wirtschaft und Technik (PHWT) Diepholz oder der Uni Osnabrück – enorm in die Weiterbildung investieren.  

An seinem vor etwa 25 Jahren gegründeten Standort Diepholz beschäftigt der weltweit agierende Automobilzulieferer ZF insgesamt circa 950 Mitarbeiter in den beiden Werken Schaltungssysteme und Fahrwerk-Komponenten in der Nähe des Fliegerhorstes.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Sind digitale Wohnungsbesichtigungen im Kommen?

Sind digitale Wohnungsbesichtigungen im Kommen?

Kremlgegner Nawalny in Moskau festgenommen

Kremlgegner Nawalny in Moskau festgenommen

Biathlon in Oberhof: Die Bilder zu den Weltcups in Deutschland

Biathlon in Oberhof: Die Bilder zu den Weltcups in Deutschland

Laschet zum neuen CDU-Vorsitzenden gewählt

Laschet zum neuen CDU-Vorsitzenden gewählt

Meistgelesene Artikel

Bassum: Ehepaar Pußack hat mit Spätfolgen zu kämpfen und warnt vor einem zu sorglosen Umgang mit dem Virus

Bassum: Ehepaar Pußack hat mit Spätfolgen zu kämpfen und warnt vor einem zu sorglosen Umgang mit dem Virus

Bassum: Ehepaar Pußack hat mit Spätfolgen zu kämpfen und warnt vor einem zu sorglosen Umgang mit dem Virus
Zwei Kennzeichen im Landkreis Diepholz: 1000 Tage SY

Zwei Kennzeichen im Landkreis Diepholz: 1000 Tage SY

Zwei Kennzeichen im Landkreis Diepholz: 1000 Tage SY
Euronics im Corona-Lockdown: In Syke darf eine Abteilung öffnen, in Wildeshausen nicht

Euronics im Corona-Lockdown: In Syke darf eine Abteilung öffnen, in Wildeshausen nicht

Euronics im Corona-Lockdown: In Syke darf eine Abteilung öffnen, in Wildeshausen nicht
Ansturm im Baumarkt: Privatpersonen nutzen Außer-Haus-Verkauf

Ansturm im Baumarkt: Privatpersonen nutzen Außer-Haus-Verkauf

Ansturm im Baumarkt: Privatpersonen nutzen Außer-Haus-Verkauf

Kommentare