Sozialministerium bittet vor Ort um Hilfe

Impftermine in Niedersachsen: Datenbank fehlerhaft – Impf-Brief-Chaos

Diese oder nächste Woche dürfen Seniorinnen und Senioren mit Post zum Impf-Start rechnen. Auf dem Bild die Variante, die das Sozialministerium versendet.
+
Diese oder nächste Woche dürfen Seniorinnen und Senioren mit Post zum Impf-Start rechnen. Auf dem Bild die Variante, die das Sozialministerium versendet.

Das Niedersächsische Sozialministerium verschickt Briefe an Seniorinnen und Senioren über 80 Jahre, damit diese ihren Impftermin reservieren. Doch die Daten sind veraltet.

Landkreis Diepholz – Dafür verschickt die Behörde Informationsbriefe an rund 210.000 Haushalte in Niedersachsen. Als Grundlage zur Ermittlung aller Ü80-Jährigen dient eine Datenbank der Deutschen Post. Diese ist allerdings nicht vollständig und weist etwaige Fehler auf.

Sozialministerin Carola Reimann bittet daher Städte, Gemeinden und Samtgemeinden in Niedersachsen um Mithilfe. Sie ruft die Kommunen dazu auf, lokal über den Start der Terminvergabe in den Impfzentren zu informieren. Das Land werde die Kosten der Versandaktion übernehmen.

Im Landkreis Diepholz sieht es so aus, als würde der Bitte fast überall nachgekommen. Über das Wie und das Miteinander lässt sich aber streiten.

Kurzübersicht

Noch liegen nicht für alle Kommunen Antworten vor.

Sozialministerium Niedersachsen: Ja, allerdings basierend auf einer veralteten Datenlage.

Altes Amt Lemförde: Ja

Barnstorf: Nein

Bassum: Ja

Bruchhausen-Vilsen: -

Diepholz: Ja

Kirchdorf: Ja

Rehden: Ja

Schwaförden: Eventuell

Siedenburg: Ja

Stuhr: Ja

Sulingen: Ja

Syke: Ja

Twistringen: Ja

Wagenfeld: Ja

Weyhe: Ja

Impf-Briefe im Landkreis Diepholz: Ärger über uneinheitliches Vorgehen

„Maßlos verärgert und enttäuscht“ ist Helmut Denker, Samtgemeindebürgermeister in Schwaförden. Die letzte Reaktion seitens des Landkreises habe geheißen: „Abwarten.“ Warum nun für die 15 Kommunen im Landkreis Diepholz kein einheitliches Vorgehen möglich sei, warum keine einheitlichen, vorformulierten Schreiben rausgeschickt werden könnten – das kann Denker nicht nachvollziehen. Liege solch ein Schreiben vor, „bin ich gerne bereit, das Schreiben an unsere über 80-jährigen Bürger rauszuschicken“, sagt Denker. Die Verantwortung liege beim Land, dem hätte die Samtgemeinde gerne ihre Daten zur Verfügung gestellt. „Und ich bin sicher, das wäre datenschutzrechtlich auch in Ordnung gewesen“, merkt Denker an.

Der Landkreis indes sieht es nicht als seine Aufgabe, diesen Prozess anzuleiten. Mareike Rein erklärt als Sprecherin für die Kreisverwaltung, dass diese sich zurückhalten werde, da die Reaktion der Kommunen auf Sozialministerin Reimanns Bitte dezentral organisiert werde.

Impf-Briefe im Landkreis Diepholz: Gemeinde Rehden und Samtgemeinde Kirchdorf bereits aktiv

Als erste Akteure sind die Gemeinde Rehden und die Samtgemeinde Kirchdorf bereits aktiv geworden. In Rehden ist am Donnerstag ein Begleitschreiben als Zusatz zum Schreiben des Ministeriums versandt worden. Heinrich Kammacher, Samtgemeindebürgermeister in Kirchdorf, erklärt: „Wir haben einen Brief mit Informationen und Hinweisen über die Impfung zusammengestellt, dazu eine Telefonnummer, die im Rathaus in Kirchdorf angerufen werden kann – sollte jemand Hilfe brauchen. Etwa, um eine Fahrt zur Impfung zu organisieren oder das mobile Impfteam anzufragen.“

Die Bürgermeister im Landkreis hätten sich verständigt, die eigenen Daten zu nutzen – und tätig zu werden. Zusammen mit dem eigenen Anschreiben hat das Verwaltungsteam in Kirchdorf auch das offizielle Anschreiben aus dem niedersächsischen Sozialministerium (gerade erst) verschickt. Post erhalten in der Samtgemeinde Kirchdorf alle, die im Jahr 2021 80 Jahre alt werden – sowie alle älteren Senioren.

Bassum arbeitet an Impf-Schreiben an alle Ü80-Jährigen

Diesem Beispiel werden viele Kommunen folgen. Bassum arbeitet zurzeit an einem Schreiben an alle Ü80-Jährigen. „Das haben wir schon vor der Bitte des Sozialministeriums getan“, erklärt Bassums Bürgermeister Christian Porsch. Ein Problem dabei sei, herauszufinden, wer wann 80 Jahre alt wird, weil man ja nicht nur nach dem Jahrgang gehen könne, sondern auch nach den Monaten schauen müsse. „Außerdem arbeiten wir daran, eine Info-Hotline einzurichten, die im Seniorenservicebüro sitzt“, so Porsch. „Dafür brauchen wir wiederum ausreichend Ehrenamtliche, die wir dafür einbinden können.“

Auch die Gemeinde Stuhr wird ihre 2 740 Bewohner, die älter als 80 Jahre sind, anschreiben und auf eine Hotline aufmerksam machen. Laut Rathaus gehen die Briefe allerdings erst raus, wenn das Buchen der Impfungen möglich ist. Dann wird auch erst die Hotline freigeschaltet.

Impf-Termine: Syke setzt wohl auf Briefsendung

Auf eine Briefsendung wird wohl auch Syke setzen, erklärt Bürgermeisterin Suse Laue: „Wir machen dies noch nicht, beabsichtigen dies aber.“ Weyhe war sich früh sicher, über bessere Daten zu verfügen, als die, die dem Land zur Verfügung stehen. „Hätte das Land diese Daten haben wollen, hätten wir sie zur Verfügung gestellt“, betont Bürgermeister Frank Seidel. Da nicht sichergestellt sei, dass alle Senioren über 80 Jahre Post aus Hannover bekommen, will die Gemeinde das Schreiben des Landes nächste Woche in Eigenregie verschicken.

In dem Schreiben gehe es darum, die 2 300 Betroffenen zu informieren, dass Impftermine ab dem 28. Januar vereinbart werden könnten. Es sei möglich, dass Senioren das selbst oder Familienangehörige im Auftrag ihrer Eltern oder Großeltern erledigen. Gibt es Unsicherheiten, so werde die Gemeinverwaltung durch das Seniorenservice-Büro in der Alten Wache helfen. Hilfe sei auch von der Corona-Hilfe Weyhe sowie von den Ansprechpartnern der Nachbarschaft in den Quartieren zu erwarten.

Mit dem Versenden eigener Briefe werde auch die Gemeinde Wagenfeld noch warten, erklärt Bürgermeister Matthias Kreye. Zunächst wolle man abwarten, bis das Sozialministerium seine Briefe versendet hat. Im Anschluss richte sich die Gemeinde dann an die Seniorinnen und Senioren. In Planung ist auch eine Unterstützung der Impfwilligen durch das Familienservicebüro.

Impf-Briefe: Gemeinsames Schreiben in Diepholz und Lemförde

Die Stadt Diepholz und die Samtgemeinde Altes Amt Lemförde verweisen darauf, dass im Landkreis ein gemeinsames Schreiben entstehen soll. Das bestätigt Rainer Ahrens, Samtgemeindebürgermeister in Siedenburg. Er verweist auf die letzten Absprachen der Hauptverwaltungsbeamten, nach denen man sich darauf verständigt habe, in der kommenden Woche aktiv zu werden. „Ab dem 28. Januar können nach dem Schreiben aus dem Sozialministerium Impf-Termine vergeben werden. Flankierend zum Brief von der Sozialministerin werden wir für unsere Senioren noch einmal die wichtigsten Punkte herausstellen; rechtzeitig zum Anmeldetermin.“ Twistringen bereitet sich diesbezüglich ebenfalls vor.

Die Samtgemeinde Barnstorf betont auf Nachfrage, dass sie keine Verwirrung stiften möchte und daher auf den Versand eines eigenen Schreibens zusätzlich zu dem des Ministeriums verzichtet.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Nordische Ski-WM 2021 in Oberstdorf: Die Bilder zum Saisonhighlight

Nordische Ski-WM 2021 in Oberstdorf: Die Bilder zum Saisonhighlight

Leipzig im Halbfinale - Poulsen und Hwang treffen gegen VfL

Leipzig im Halbfinale - Poulsen und Hwang treffen gegen VfL

Elfmeter und Doppelschlag: Bayern-Schreck Kiel stoppt Essen

Elfmeter und Doppelschlag: Bayern-Schreck Kiel stoppt Essen

Hefezopf und Rüblikuchen: So wird Ostern richtig fluffig

Hefezopf und Rüblikuchen: So wird Ostern richtig fluffig

Meistgelesene Artikel

Unfall auf der Bundesstraße 214: Mehr als 10.000 Euro Sachschaden

Unfall auf der Bundesstraße 214: Mehr als 10.000 Euro Sachschaden

Unfall auf der Bundesstraße 214: Mehr als 10.000 Euro Sachschaden
Junger Autofahrer rast mit 155 km/h durchs Dorf, wird geblitzt und flüchtet

Junger Autofahrer rast mit 155 km/h durchs Dorf, wird geblitzt und flüchtet

Junger Autofahrer rast mit 155 km/h durchs Dorf, wird geblitzt und flüchtet
Familie Stratmann aus Lohne öffnet seit Jahren geschlossenes Hotel in Lembruch wieder

Familie Stratmann aus Lohne öffnet seit Jahren geschlossenes Hotel in Lembruch wieder

Familie Stratmann aus Lohne öffnet seit Jahren geschlossenes Hotel in Lembruch wieder
Führerschein B197: Fahrschule Schmidt in Syke rüstet sich für die nächste Generation

Führerschein B197: Fahrschule Schmidt in Syke rüstet sich für die nächste Generation

Führerschein B197: Fahrschule Schmidt in Syke rüstet sich für die nächste Generation

Kommentare