Testzentrum in Betrieb

Corona-Ausbruch im Kreis Diepholz: Alle Schulen und Kitas in Stuhr und Weyhe geschlossen

Ergreifen alle Schutzmaßnahmen: (v.l.) Kreisrätin Ulrike Tammen, Dr. Daniel Tabeling und Landrat Cord Bockhop. Foto: Anke Seidel
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Ergreifen alle Schutzmaßnahmen: (v.l.) Kreisrätin Ulrike Tammen, Dr. Daniel Tabeling und Landrat Cord Bockhop.

Im Landkreis Diepholz sind 17 Menschen an Covid-19 erkrankt. In Weyhe und Stuhr werden alle Schulen und Kitas geschlossen. Mehrere weitere Veranstaltungen wurden am Donnerstag abgesagt.

Update, 14. März: Bis Freitagabend waren im Landkreis Diepholz 21 bestätigte Fälle bekannt, bei denen sich Menschen mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infiziert haben. Wie auch im gesamten Land Niedersachsen bleiben alle Schulen und Kitas im Landkreis geschlossen. Zahlreiche Veranstaltungen wurden abgesagt.

Update, 12. März, 19.40 Uhr: Aus TwistringenWeyheBassum und Stuhr meldet der Landkreis Diepholz am Donnerstag sechs weitere bestätigte Erkrankungen mit dem Coronavirus. Fünf der Betroffenen befinden sich isoliert in ihrem Zuhause. Ein weiterer Fall wurde zunächst stationär isoliert im Bassumer Krankenhaus aufgenommen. Der Zustand des Patienten hat sich so weit verbessert, dass er nunmehr zeitnah nach Hause kann. Dort gilt weiterhin ein Quarantäne-Gebot.

Einer der Patienten hatte, bevor er sich in ärztliche Behandlung begab, noch seine Arbeitsstätte in Bassum aufgesucht. Die Geschäftsführung des betroffenen Betriebs hat direkt reagiert, mögliche Kontaktpersonen ermittelt und diese umgehend nach Hause geschickt, um weitere mögliche Ansteckungen zu vermeiden, heißt es seitens des Landkreises weiter. Das Gesundheitsamt hat diese Personen kontaktiert und führt abhängig von auftretenden Covid-19-Symptomen gegebenenfalls Abstriche durch. „Der Arbeitgeber hat in diesem Fall vorbildlich reagiert, indem er die Kolleginnen und Kollegen des erkrankten Mitarbeiters unmittelbar freigestellt hat“, so Landrat Cord Bockhop.

„Die Erfahrung der ersten Tage mit dem Bürgertelefon haben gezeigt, dass es innerhalb der Bevölkerung nach wie vor viele Fragen im Umgang mit der derzeitigen Situation gibt“, ergänzt Dr. Daniel Tabeling, Leiter des Gesundheitsamtes. Der Landkreis weist in diesem Zusammenhang ausdrücklich darauf hin, dass für Informationen rund um das Coronavirus nicht der Notruf 112 missbraucht werden darf, da dieser ausschließlich akuten medizinischen Notfällen vorbehalten sei.

Schulschließungen

Aufgrund einer bestätigten Corona-Erkrankung in einer Kinderarztpraxis in der Gemeinde Stuhr, bleiben ab heute alle Schulen, Kindertageseinrichtungen sowie Kindertagespflegestellen in den Gemeinden Stuhr und Weyhe geschlossen.

Lange schien es am Donnerstag ausgemacht, dass die Schulen in ganz Niedersachsen geschlossen werden. Diese Entscheidung stand am Abend noch immer aus, daher hat der Landkreis Diepholz vorgegriffen: In den Gemeinden Stuhr und Weyhe ist ab sofort der Schulbetrieb eingestellt. Betroffen seien laut einer Pressemitteilung des Landkreises auch Kindertageseinrichtungen sowie Kindertagespflegestellen. Grund für die Entscheidung ist eine bestätigte Erkrankung mit dem Coronavirus in einer Kinderarztpraxis in der Gemeinde Stuhr. (Korrektur-Hinweis: In einer früheren Version dieses Textes haben wir die Arztpraxis nach Weyhe verortet. Richtig ist, wie im Absatz oben, dass die betroffene Praxis in der Gemeinde Stuhr liegt.)

Bis wann die Anordnung gilt, steht derweil noch nicht fest. Aus der Kreisverwaltung hieß es am Abend, dass davon ausgegangen werde, dass das Land Niedersachsen in Kürze den Schulbetrieb einstellen wird, weshalb eine eigene Entscheidung über das Ende der Maßnahme in diesem Moment keinen Sinn mache.

In Stuhr sind insgesamt 3300 Schüler betroffen: 1180 an den fünf Grundschulen, der Rest an den beiden Kooperativen Gesamtschulen. Aus den elf kommunalen Kindertagesstätten müssen heute 1050 Mädchen und Jungen zu Hausen bleiben. Hinzu kommen 105 Sprösslinge der neuen DRK-Kita in Neukrug, 65 Kinder aus der Paulus-Gemeinde und zwölf aus der Kita Löffelchen im Brinkumer Mehrgenerationenhaus. „Wir sind von der Entwicklung selbst überrascht“, sagte Kerstin Frohburg, Fachbereichsleiterin Bildung, Kultur und Freizeit, gestern Abend auf Nachfrage. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Ann-Kathrin Dannemann war sie zu diesem Zeitpunkt damit beschäftigt, möglichst viele Eltern über die Schließung zu informieren. Dazu wolle sie alle Kanäle nutzen, insbesondere den E-Mail-Verteiler. „Außerdem werden wir die Information auf unsere Homepage stellen.“ Sie gehe davon aus, dass sich der Landkreis um die Benachrichtigung der Radiosender kümmere. Die Erzieherinnen seien für heute freigestellt.

Inklusive Weyhe betrifft die Entscheidung insgesamt 15 Schulen mit etwa 6700 Schülern (Schülerzahlen Stand 2018). Für den Fall, dass nicht alle betroffenen Familien rechtzeitig vor Ort sind, erklärt der Landkreis, dass Lehrer vor Ort sein werden, natürlich nicht für die Betreuung, sondern ausschließlich, um darauf hinzuweisen, dass der Schulbetrieb eingestellt wurde.

Nicht unwahrscheinlich, dass das notwendig wird, fiel die Entscheidung doch erst in den Abendstunden. Der Landkreis hofft primär darauf, dass Eltern vom Schulausfall in der Biwapp-App lesen werden, die sich bereits dafür etabliert habe, beispielsweise bei Schulausfällen aufgrund von Wetterlagen als erstes Informationen parat zu halten. Damit allein wird es aber wohl nicht getan sein: „Wir hoffen auf die Medien“, hieß es aus dem Landratsbüro. Auch die Bürgermeister seien informiert worden.

Veranstaltungsabsagen

Das für heute geplante Wissensforum der Seitz-Stiftung mit Gast Norbert Lammert wird verlegt. Das Datum wird noch bekannt gegeben. Karten behalten ihre Gültigkeit.

Termin für den Zukunftstag, bei dem Jugendliche einen Einblick in Unternehmen erhalten, war der 26. März. Der Termin wird auf den Herbst verschoben.

Die für kommenden Dienstag angekündigte Veranstaltung „Dinklusiv“ ist ebenfalls abgesagt worden.

Update, 11. März, 19.30 Uhr: Am Mittwoch hat sich die Zahl der bestätigten Corona-Erkrankungen im Landkreis Diepholz von sechs auf elf erhöht. Diese elf verteilen sich auf die Gemeinden Weyhe (6), Stuhr (4) und die Stadt Diepholz (1). „Darüber hinaus wurden insgesamt zwölf Kontaktpersonen ermittelt. Ein verhältnismäßig kleiner Kreis, der dem besonnenen Verhalten der betroffenen Patienten zu verdanken ist“, so Landrat Cord Bockhop. Neben den elf bestätigten Fällen, bestünden aktuell auch elf begründete Verdachtsfälle, von denen Abstriche genommen wurden.

Am Mittwoch seien die Ludwig Fresenius Schule in Weyhe sowie in Stuhr die Grundschule Moordeich und die Kindertagesstätte Stuhr vorsorglich geschlossen worden. „Aus Stuhr wurde dem Gesundheitsamt am Mittwoch die Erkrankung eines Elternteils gemeldet“, erklärt Dr. Daniel Tabeling, Leiter des Gesundheitsamtes. Beide Einrichtungen würden zunächst vorsorglich am Donnerstag und Freitag geschlossen. An der Ludwig Fresenius Schule in Weyhe bestehe bei einer Schülerin ein konkreter, begründeter Corona-Verdachtsfall. Am Wochenende erfolgt eine erneute Prüfung, ob der reguläre Betrieb der Einrichtungen am Montag wieder aufgenommen werden kann.

Das Corona-Testzentrum der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) hat im Landkreis Diepholz am Mittwoch seinen Betrieb aufgenommen. Bei einem begründeten Verdacht kann die hausärztliche Praxis diesen beim Gesundheitsamt anzeigen, das dann die betroffene Person kontaktiert und zum KVN-Testzentrum bestellt.

Update, 11. März, 14.15 Uhr: Die am Dienstag vom Gesundheitsamt des Landkreises Diepholz gemeldeten Covid-19-Fälle tauchen aktuell noch nicht in den Statistiken des Niedersächsischen Landesgesundheitsamts (NLGA) auf. Dennoch handele es sich laut Aussage von Kreisrätin Ulrike Tammen um in Stuhr und Weyhe um bestätigte Fälle, bei denen sich Menschen mit dem Coronavirus infiziert haben.

Die Diskrepanz zu den Zahlen beim NLGA könne viele Gründe haben. Tammen geht davon aus, dass die Übermittlung nach Hannover ordnungsgemäß erfolgt ist. Derzeit laufe eine Prüfung, ob und an welcher Stelle ein Fehler bei der Übermittlung der Corona-Fälle passiert sein könnte. 

Mit einer Korrektur der Zahlen rechne die Kreisrätin nicht vor Donnerstag, die Prioritäten der Landkreis-Mitarbeiter lägen derzeit mit Blick auf das Coronavirus Sars-CoV-2 in anderen Bereichen. Für Mittwoch, 17 Uhr, hat der Landkreis Diepholz eine weitere Pressekonferenz zur aktuellen Lage in der Coronakrise angekündigt. (kom)

Originalartikel vom 10. März: Landkreis Diepholz – Drei Frauen und drei Männer sind im Landkreis Diepholz positiv auf das Coronavirus getestet worden. Einer der Betroffenen lebt in Stuhr und gehört laut Angaben des Landkreises zur Risikogruppe, also zu den älteren Menschen. Fünf weitere Personen – zwei Männer und drei Frauen – leben in der Gemeinde Weyhe. Alle sechs waren von Samstag auf Sonntag von Ski-Freizeiten aus Südtirol zurückgekehrt. Sie waren aber in zwei verschiedenen Reisegruppen unterwegs.

Alle sechs Personen befinden sich zu Hause, so berichtete Landrat Cord Bockhop Dienstag gemeinsam mit Kreisrätin Ulrike Tammen und Dr. Daniel Tabeling als Leiter des Gesundheitsamtes. Dia Patienten zeigen demnach nur leichte Symptome. Sie haben keinen Kontakt zu anderen Personen. Die Reiseveranstalter sind ebenso informiert wie die Gesundheitsämter in den Landkreisen, in denen die weiteren Mitreisenden leben.

Corona-Patienten „haben sich vorbildlich verhalten“

„Alle sechs Personen haben sich vorbildlich verhalten“, so Landrat Cord Bockhop. Zunächst hatte der Mann aus Stuhr nach seiner Rückkehr aus dem Ski-Urlaub Krankheitssymptome bemerkt. Mit seiner Frau blieb er das Wochenende über Zuhause, meldete sich am Montag wie vorgeschrieben in seiner hausärztlichen Praxis. Ein Abstrich zeigte, dass er sich mit dem Coronavirus infiziert hatte. Mit seiner Frau begab er sich in die sogenannte freiwillige häusliche Absonderung. Erst Dienstagnachmittag waren die weiteren fünf Fälle in Weyhe bestätigt worden. Auch diese positiv getesteten Personen, die in einer anderen Reisegruppe aus Südtirol zurückgekehrt waren, hatten sich freiwillig in die häusliche Absonderung begeben.

„Die Beschwerden der Personen sind bisher gering“, so Dr. Daniel Tabeling. Sie seien mit einem leichten Infekt vergleichbar. Wie lange die Covid-19-Erkrankten separiert bleiben müssen, ist unklar und hängt vom Verlauf der Krankheit ab. Sie werden engmaschig ärztlich betreut, so Kreisrätin Ulrike Tammen. „Je nach Krankheitsverlauf finden weitere Abstriche statt.“ Diese werden aus dem tiefen Rachenraum genommen. Erst wenn sie negativ sind – das Virus also nicht mehr festgestellt wird – und erst nach einem dann folgenden zeitlichen Sicherheitsabstand dürfen sie ihren häuslichen Bereich wieder verlassen.

Gesundheitsamt kümmert sich um Kontakt zu Kontaktpersonen

Das Gesundheitsamt arbeitet mit Hochdruck daran, alle Kontaktpersonen der Infizierten zu ermitteln. Dafür bleibt den Mitarbeitern ein Zeitfenster: In den ersten 48 Stunden nach dem Kontakt sei mit einer Weiterverbreitung des Virus nicht zu rechnen, hieß es. Auch die hausärztlichen Praxen hätten sich vorbildlich verhalten: „Alle Schutzmaßnahmen sind beachtet worden.“ Gleichwohl sei davon auszugehen, dass die Zahl der Infizierten auch im Landkreis Diepholz steigt, sind sich Landrat Cord Bockhop, Kreisrätin Ulrike Tammen und Dr. Daniel Tabeling einig.

Deshalb appelliert Landrat Bockhop ganz bewusst an das Verantwortungsbewusstsein aller Bürger – und vor allem daran, die Hygienevorschriften einzuhalten. Der Landkreis ergreife alle Maßnahmen, um eine weitere Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen: „Dazu gehört insbesondere die intensive Betreuung der engen Kontaktpersonen.“

Schulen oder andere Einrichtungen bleiben bis auf Weiteres offen

Es sei derzeit nicht beabsichtigt, Schulen oder andere Einrichtungen zu schließen, so der Landrat. Abgesagt sind jedoch die Kulturpreisverleihung und die Sitzung des Seniorenbeirats: In beiden Fällen handele sich es um überregionale Veranstaltungen mit vor allem älteren Teilnehmern.

Der Landrat verwies auf die Verantwortung der Veranstalter von Partys oder anderen Festlichkeiten. Hinweise dazu, wie sie auf die aktuelle Situation reagieren sollten, finden sie auf der Internetseite des Robert-Koch-Instituts (www.rki.de). Bürger erhalten dort genauso konkrete Hinweise auf Infektionsschutzmaßnahmen.

Was tun beim Verdacht? Hausarzt anrufen

Bei Verdacht auf eine mögliche Infektion mit dem Coronavirus sollten sich Bürger zunächst telefonisch an ihren Hausarzt wenden – außerhalb der Praxiszeiten über den ärztlichen Notdienst unter der zentralen Telefonnummer 116117. Wie in anderen Landkreisen auch, richtet der Landkreis Diepholz ein Corona-Testzentrum ein. Das soll in Diepholz im ehemaligen Gesundheitsamt geschehen. Noch laufen die Arbeiten dafür. Erster Ansprechpartner sei und bleibe aber der Hausarzt, so der Landkreis: Er sei es, der Patienten bei einem etwaigen Corona-Verdacht an das Testzentrum „überweise“. Das Gesundheitsamt hat ein Bürgertelefon eingerichtet, das montags bis donnerstags von 8 bis 16 Uhr und freitags von 8 bis 12 Uhr erreichbar ist: 05441/976 2020.

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