Lizenz zum Imkern

Scheinpflicht: Diepholzer Bienenzüchter unterstützen Landtagsbeschluss

Hobbyimker sollen grundlegende Sachkunde im Umgang mit Bienenvölker künftig auf Bundesebene nachweisen müssen.
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Hobbyimker sollen grundlegende Sachkunde im Umgang mit Bienenvölker künftig auf Bundesebene nachweisen müssen.

Landkreis Diepholz – Honig wächst nicht auf Bäumen. Dafür bedarf es der Arbeit vieler fleißiger Bienen. Imker zeichnen verantwortlich für die Unterhaltung der sechsbeinigen Untermieter. Ein Beschluss des Niedersächsischen Landtages, auf Antrag der CDU und SPD, empfiehlt, deutschlandweit einen Imkerschein vorzuschreiben. Bienenzüchter aus dem Landkreis Diepholz sind sich bei der Einschätzung des Beschlusses weitgehend einig: Sie unterstützen den Landtagsbeschluss.

Von einer „unglücklich gewählten Wortwahl“ spricht in diesem Zusammenhang Bernhard Meyer, Vorsitzender vom Kreisimkerverein Diepholz. „Ich persönlich würde die Bezeichnung eines Sachkundenachweises besser finden. Die Bezeichnung ,Imkerschein‘ suggeriert starre Verordnungen.“

Den Beschluss des Landtages unterstützt der Twistringer dennoch, „solange zukünftige Imker dadurch auf die Praxis vorbereitet werden“. Er selbst habe als Jungimker negative Erfahrungen beim Kauf eines Bienenvolkes machen müssen.

Wer sich für die Imkerei interessiert, den werde auch ein Imkerschein nicht abschrecken, meint Meyer. Allerdings könne er sich vorstellen, dass die Lizenz auch Schwierigkeiten mit sich bringen könnte: „Wenn Bienenvölker in Deutschland an Imker ohne Schein nicht verkauft werden, steigt die Gefahr, dass sie sich im Ausland umschauen.“ Dadurch könnten heimische Völker durch die Ausbreitung von Seuchen wie der Amerikanischen Faulbrut gefährdet werden.

Die Bezeichnung ,Imkerschein‘ suggeriert starre Verordnungen.

Bernhard Meyer, Vorsitzender vom Kreisimkerverein Diepholz

Der seit zehn Jahren im Diepholzer Imkerverein tätige Meyer macht auf die freiwillige Grundausbildung aufmerksam, die es für Hobbyimker gibt. In Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Diepholz werde der Imker-Kurs, der Theorie und Praxis verbinde, ausgeschrieben. Die Nachfrage sei stets hoch. Zwei Kurse mit je 30 Teilnehmern pro Jahr seien in der Vergangenheit in Diepholz gut besucht worden.

Der 61-Jährige befürwortet es, dass durch eine mögliche Scheinpflicht in Niedersachsen neuen Imkern Grundlagen nähergebracht werden sollen: „Hobbyimker sollten wissen, was sie erwartet. Es hat Konsequenzen, wenn man sich ein Bienenvolk anschafft.“

Der Vorsitzende des Kreisimkervereins empfiehlt Neu-Imkern den Eintritt in einen Verein. Den Austausch mit erfahrenen Imkern sehe Meyer als größten Vorteil an. Aber auch die Versicherung über den Verein schütze die Imker. Ein weiterer Vorteil: Für das erste Jahr der Bienenzucht gibt es einen Imkerpaten, der unterstützt.

Imker aus Diepholz empfehlen Imkerkurs

Zurück vom Imkerverein zum Imkerschein: Die Diepholzer Imker Manuel und Karolina Finkenstädt unterstützen den Beschluss zur Empfehlung: „Bis dato gibt es keinerlei Vorgaben für die Bienenhaltung, und jeder kann sich Bienen in den Garten oder auf den Balkon stellen – auch ohne jegliche Vorkenntnisse. Leider ist es aber damit nicht getan. Ein Bienenvolk muss über das ganze Jahr betreut werden.“

In einem Volk könne vieles passieren, womit die Frischlinge unter den Bienenzüchtern nicht rechnen. „Daher finden wir ein gewisses theoretisches und praktisches Vorwissen als unabdingbar. Wir empfehlen jedem Neuimker, dass er an einem Imkerkurs teilnehmen sollte.“

Populäres Hobby

„Jedes Jahr kommen in Niedersachsen rund 1 000 Imker neu hinzu“, sagt Kirsten Traynor, Leiterin des zum Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit gehörenden Instituts für Bienenkunde in Celle. In Niedersachsen werden ihr zufolge rund 100 000 Bienenvölker von 14 000 Imkern, die über die Imkerverbände organisiert sind, gehalten. Auch das Imkern in der Stadt werde populärer. Beim Einhalten von bestimmten Maßnahmen sei die Ausübung ohne Gefährdung für die Tiere und die Menschen möglich. Quelle: dpa

Eine Sprecherin vom Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz erklärte auf Anfrage die bundesweite Tragweite eines Sachkundenachweises für Imker: „Es ist nicht beabsichtigt, den Sachkundenachweis nur für Niedersachsen einzuführen. Der Beschluss zielt klar darauf ab, den Sachkundenachweis auf Bundesebene herbeizuführen, was insbesondere auch deshalb sinnvoll ist, weil der Organisationsgrad der Imkerei und der Wissenstransfer in bestimmten Regionen durch einen Sachkundenachweis deutlich verbessert werden kann.“

Zudem sei es das Ziel, insgesamt eine flächendeckende, fachlich versierte Bienenhaltung zu unterstützen, die nicht an Ländergrenzen Halt macht. Insofern spreche auch dieser Punkt für einen bundesweit geltenden Sachkundenachweis.

Sowohl Kreisimkervereinvorsitzender Bernhard Meyer als auch die Diepholzer Imker Manuel und Karolina Finkenstädt sehen die Bienenzüchter in der Pflicht und in der Verantwortung, sich um das Tierwohl ihrer honigproduzierenden Mitbewohner zu kümmern. Sie hoffen, dass das durch die Etablierung eines Imkerscheins begünstigt wird.

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