Interview zu Begegnungen, Ziele und Großmarkt

Florian Marré seit 100 Tagen Bürgermeister: „Ich war und bin ein Teamplayer“

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Den Schlossturm gleich vierfach im Rücken: Florian Marré an seinem Schreibtisch im Rathaus. Er ist nun seit 100 Tagen Bürgermeister in Diepholz.

Diepholz - Wenn Florian Marré heute Abend auf dem Marktplatz ein Fass ansticht, dann ist das der offizielle Auftakt zum 638. Diepholzer Großmarkt.

Daneben hat der Bürgermeister aber auch persönlich zwei gute Gründe zum Feiern: Zum einen hat er heute Geburtstag und außerdem ist seit 100 Tagen im Amt. Gelegenheit, eine erste Zwischenbilanz zu ziehen. Die Fragen stellte Sven Reckmann.

Herr Marré, Sie werden heute 32 Jahre alt. Damit sind Sie der jüngste Bürgermeister einer niedersächsischen Kreisstadt. Spielte das Alter in den ersten Wochen Ihrer Bürgermeister-Amtszeit irgendwo eine wesentliche Rolle?

Florian Marré: Ich habe zu dem Thema Alter viele positive Rückmeldungen bekommen, weil mit dem Generationswechsel auch viel Hoffnung für die Zukunft verbunden wird. Auch wenn das Thema des Alters für die Öffentlichkeitsarbeit immer schön ist, weil Superlativen wie „der Jüngste“ oder „der Älteste“ im Ohr bleiben, ist es für die inhaltliche Arbeit aber nicht relevant. Als Bürgermeister werde ich an meinen Taten, an meinen Aussagen und meinem Wissen gemessen. Dafür bin ich dankbar und das halte ich auch für vollkommen richtig.

Mit dem Geburtstag nicht genug: Heute eröffnen Sie erstmals einen Großmarkt als Bürgermeister, morgen dann der Frühschoppen mit dem Empfang der Stadt. Schon aufgeregt?

Marré: Natürlich! Der Diepholzer Großmarkt ist das Highlight im Jahr. Für die Stadt Diepholz, aber auch für mich persönlich. Das war schon früher so, bevor ich bei der Stadt Diepholz angefangen habe, ging dann weiter als Mitarbeiter und setzt sich jetzt als Bürgermeister fort. Eine Rede im Festzelt zu halten, ist etwas Besonderes. Ich freue mich auf die vielen Gäste und Gespräche. Das ist für mich Heimat.

Die Wahlentscheidung in der Stichwahl gegen Detlef Tänzer war ein knappes Rennen. Was denken Sie über dieses Herzschlagfinale mit einigen Tagen Abstand?

Marré: Es war ein spannender Wahlabend für die Stadt Diepholz. Ich richte aber gern den Blick nach vorn und sehe das Ergebnis als Aufgabe, noch möglichst viele Bürgerinnen und Bürger zu überzeugen. Ich freue mich weiterhin jeden Tag darüber, dass ich diese Wahl gewonnen habe und gehe voller Achtung und Demut vor dem Amt und totaler Motivation ins Rathaus. Und das nun schon 100 Tage.

Gab es Reaktionen von Diepholzern? Was hat man Ihnen mit auf den Weg gegeben?

Marré: Mich haben nach der Wahl sehr viele Glückwünsche erreicht. Ob von Bürgern, Institutionen, Unternehmen oder Vereinen. Neben den Gratulationen wünschten mir viele eine glückliche Hand bei meinen Entscheidungen und das notwendige Durchhaltevermögen.

Hat sich die Zusammenarbeit mit den Kollegen im Rathaus geändert? Wenn ja, wie?

Marré: Es liegt auf der Hand, dass die Wahl auch Veränderungen mit sich bringt. Das sind aber Kleinigkeiten in der Ausrichtung der Verwaltung, beziehungsweise bei einzelnen Abläufen oder Projekten. Die grundlegenden Elemente der Zusammenarbeit sind für mich unverändert. Ich war und bin ein Teamplayer, der gerne im Rathaus arbeitet und Wert auf Kollegialität legt. Ich lasse mich beispielsweise nicht von Kollegen siezen, mit denen ich mich vorher geduzt habe. Wichtig ist mir, dass Florian Marré weiterhin Florian Marré ist.

Gab es Termine oder Begegnungen in den ersten 100 Tagen, die besonders waren?

Marré: Natürlich, das macht diesen Beruf ja so spannend. Ob die erste Rede bei einer Entlassungsfeier im vollen Theater, der Besuch bei einem Vereinsjubiläum, bei goldenen Hochzeiten oder Gespräche mit Flüchtlingen, die dem neuen Bürgermeister unbedingt gratulieren wollen. Besondere Momente könnte ich viele aufzählen, denn die Eröffnung einer fertig gestellten Baumaßnahme ist ja auch besonders. Am schönsten sind aber die Begegnungen, bei denen ich Menschen helfen konnte und eine Freude bereitet habe. Für mich persönlich war natürlich die Ratssitzung am 14. Juni mit der Vereidigung als Bürgermeister meiner Heimatstadt emotional nochmal ganz besonders.

Macht das Amt Spaß?

Marré: Von „Spaß“ spreche ich in Bezug auf das Amt des Bürgermeisters nicht so gern, denn es sind viele verantwortungsvolle Themen und schwierige Entscheidungen, die anstehen. Aus diesem Grund ist mir die Ernsthaftigkeit sehr wichtig. Ich habe sehr viel Freude in und an meinem Beruf, bin glücklich diesen so ausüben zu dürfen und bin sehr gerne Bürgermeister.

Sie haben vermutlich jetzt einen volleren Terminkalender, muss die Familie öfter zurücktreten?

Marré: Das bleibt leider nicht aus. Meine Familie merkt aber, wie gern ich diese Aufgabe wahrnehme, und unterstützt mich sehr. Dafür bin ich total dankbar. Gerade deswegen ist es mir wichtig, dass die verbleibende Freizeit als Familie dann intensiv genutzt wird.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit der Politik, mit den Parteien?

Marré: Ich habe mit allen Parteien über grundsätzliche Gesprächsangebote und regelmäßige Abstimmungen zu aktuellen Themen gesprochen. Alle Parteien haben mir signalisiert, dass wir vertrauensvoll zusammenarbeiten können. Auf diese offene und vertrauensvolle Kommunikation setze ich. 

Das heißt ja nicht, dass wir immer inhaltlich einer Meinung sein müssen. Ich bin überzeugt, dass wir im Stadtrat bessere inhaltliche Entscheidungen treffen können, wenn die Art und Weise der Zusammenarbeit verbessert wird. Aus diesem Grund habe ich einen Prozess zur Beratung über die Regeln des Umgangs miteinander angeregt. Dieser wird im Herbst beginnen und für diesen Schritt aufeinander zu kann ich den Parteien nur danken.

Zu Ihren Zielen: Was ist schon realisiert worden und was steht jetzt als Nächstes auf der Agenda? Wo hat Sie die Realität eingeholt?

Marré: Ich habe nicht den Eindruck, dass mich die Realität einholt, denn dann hätte ich im Vorfeld unrealistisch sein müssen. Das habe ich stets versucht zu vermeiden und denke, dass mir das auch ganz gut gelungen ist. Auch im Wahlkampf habe ich nur gezielte und machbare Wahlversprechen abgegeben. 

Zu meinen drei Kernthemen Bürgerbeteiligung, Bildung und Wirtschaft ist trotz der kurzen Zeit schon einiges passiert: Wir haben das erste Bürgerbeteiligungsprojekt durchgeführt, wir planen die ersten Bürgerversammlungen in Diepholz und den Ortsteilen, haben eine Personalauswahl für das städtische Bildungsbüro getroffen, die Planungen für den Bildungs-campus mit dem Stadtrat erörtert und ich habe bereits knapp 30 Vertreter von Unternehmen, Vereinen und Institutionen persönlich besucht – weitere Firmenbesuche stehen noch aus – und dort Wünsche und Anregungen angenommen, umgesetzt und vermittelt. Jetzt stehen die Haushaltsberatungen vor der Tür und insbesondere die Vorbereitung für die Innenstadtförderung wird weichenstellend sein.

Im Wahlkampf haben Sie gesagt, dass es in Diepholz einige Themenfelder „mit Luft nach oben“ gibt. Welche sind dies und haben Sie seit der Wahl noch zusätzliche erkannt?

Marré: Möglichkeiten zur Verbesserung gibt es immer. Diese Sicht ist und muss der Antrieb für die Arbeit sein. Damit fangen wir gerade an: Zunächst bei den grundsätzlichen Themen wie „Zusammenarbeit im Stadtrat“ und „Einbindung der Bürgerinnen und Bürger“. Das ist die Basis für jede einzelne inhaltliche Entscheidung. Weitere Schritte und Themen der Verbesserung werden dann folgen und mich mindestens die nächsten acht Jahre begleiten.

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