Gefahr in Deutschland

Experte: Coronavirus-Hysterie ist übertrieben – andere Infektionen gefährlicher

Personenkontrollen auf Coronavirus-Symptome an Reisenden, wie am Flughafen in Wuhan (Bild), sind im Landkreis Diepholz nicht nötig. Foto: Mark Schiefelbein / dpa
+
Personenkontrollen auf Coronavirus-Symptome an Reisenden, wie am Flughafen in Wuhan (Bild), sind im Landkreis Diepholz nicht nötig.

Das Coronavirus schürt nicht nur in China die Angst bei vielen Menschen. Doch Experten des Gesundheitsamts stellen klar, dass ein anderes Virus viel gefährlicher ist.

  • Experte: Coronavirus löst in Deutschland Hysterie aus
  • Symptome von Coronavirus ähneln der Grippe
  • Risiko für Epidemie in Deutschland deutlich geringer als in China

Landkreis Diepholz - Das gefährliche Coronavirus hält die Welt in Atem. Es scheint so, als würde sich bei vielen die Angst auch vor der eigenen Haustür ausbreiten, in einigen Diepholzer Apotheken sind derzeit die Atemschutzmasken ausverkauft. Hysterie, urteilt Daniel Tabeling, Fachdienstleiter des Gesundheitsamtes Landkreis Diepholz: „Jeder virusbedingte Tod ist ein trauriges Schicksal, das darf man nie vergessen, aber die Krankheit ist im Wesentlichen nicht anders anzusehen als andere.“

Mitverantwortlich für die Angst in der Bevölkerung seien laut Tabeling die Medien und ihre Coronavirus-Berichterstattung. Zwar würden die Fakten meistens stimmen, „aber leider wird oft nicht sonderlich differenziert berichtet“. Laut Tabeling beruhen die Schlagzeilen zu oft auf bloßen Zahlen: „Was man als erstes hört, ist die Anzahl der Infizierten und wie viele Todesopfer das Coronavirus fordert. Das wird bei der Grippe nicht gemacht, da gibt es jährlich weltweit Hunderttausende Todesopfer, und niemand hat Angst.“

Coronavirus: Symptome ähnlich der Grippe

Dadurch würden viele denken, dass es sich um ein besonders tödliches Virus handelt, weil nur die schwerwiegenden Fälle für die Öffentlichkeit relevant gemacht werden würden. Dass Krankheitsverlauf, Symptome und Behandlung fast genau wie bei einer Influenza seien, spiele für die meisten keine Rolle.

Neben der Berichterstattung sei es auch das Unbekannte an dem Virus, was die Angst bei den Menschen auslöse: „Nötig ist das jedoch nicht“, so Tabeling, dafür würde die Forschung bereits große Fortschritte in Sachen Kenntnis über das Virus verzeichnen. Das Robert-Koch-Institut schätzt die Bedrohung durch das Coronavirus als sehr gering ein und sieht eine deutlich größere Gefahr bei der bekannten Influenza. Pro Jahr fordert diese alleine in der Bundesrepublik 5000 bis 30.000 Todesopfer.

Coronavirus-Ausbreitung: Pandemie-Angst macht sich breit

Tabeling erwartet, dass sich an der Risikoeinschätzung in den kommenden Monaten nichts ändert. Er empfiehlt, den Krankheitsverlauf individuell anzusehen, denn es sei ähnlich wie mit der Grippe: „Bei einem jungen Menschen, der gerade voll im Saft steht, ist die Wahrscheinlichkeit äußert gering, dass er daran stirbt.“ Die eigentliche Gefahr bei einer Coronavirus-Infektion in Niedersachsen und Bremen bestehe laut dem Fachdienstleiter anderweitig, denn die Todesopfer seien zum größten Teil besonders alt oder hatten schon mit anderen schweren Vorerkrankungen zu kämpfen: „Das ist bei der Grippe nicht anders.“

Dennoch machen sich Pandemie-Ängste breit. Die Weltgesundheitsorganisation WHO rief nun sogar den Gesundheitsnotstand wegen des Coronavirus aus. Doch eine Notlage im Landkreis Diepholz sei laut Kreisrat Jens-Hermann Kleine nahezu ausgeschlossen: „Vom Staat über Länder und Landkreise bis in die Kommunen sind alle, Coronavirus-unabhängig, auf Katastrophen vorbereitet, soweit es denn möglich ist.“

Coronavirus in Deutschland: Epidemie nur schwer vorstellbar

Dass Deutschland eines der weltweit besten Gesundheitssysteme habe, spiele dafür eine tragende Rolle: „Wir haben seit Jahrzehnten keine Epidemie oder Vergleichbares gehabt, das liegt nicht an irgendwelchen Notfallplänen, sondern vor allem an den sorgfältigen Maßnahmen, die sofort getroffen werden und so ein schlimmeres Ausbreiten verhindern.“

Als gutes Beispiel dienen laut Kleine die Coronavirus-Fälle in Bayern. Noch bevor die Infizierten das Virus übertragen können, stünden die betroffenen Patienten bereits unter Quarantäne und Angehörige unter Beobachtung. Ein Notfallplan habe dabei zunächst keine Relevanz: „In solch einem Fall würde der Landkreis nicht anders handeln als die Kollegen in Bayern“, so Kleine.

Eine Epidemie durch Corona sowie durch andere bekannte Viren sei in Deutschland deshalb nur sehr schwer vorstellbar. Sollte es aller Unwahrscheinlichkeit zum Trotz dennoch dazu kommen, sei nicht leicht zu sagen, wie gehandelt werden würde, da dieses Szenario zu weit von der Realität entfernt sei.

Coronavirus: Es muss schnell gehandelt werden

Das Handeln auf Coronavirus-Verdachtsfälle müsste individuell auf die Lage angepasst werden. Kleine weiß: „Entweder wir kennen die Krankheit und können uns an erfolgreichen Maßnahmen orientieren, wie am Beispiel Coronavirus in China“, weil gewonnene Erfahrungen weitergegeben würden, „oder wir haben es mit einer absolut unbekannten Sache zu tun, dann ist es generell schwer, eine Vorablösung zu finden, dann gilt es schnell zu handeln.“ Letzteres sei auch in Wuhan der Fall gewesen.

Coronavirus: Verdachtsfälle im Landkreis Verden und in Bremen

Ein erster Coronavirus-Verdachtsfall im Landkreis Verden ist Anfang Februar aus Achim gemeldet worden. Eine Frau kam von einer Reise in Dubai zurück und klagte über Fieber. Sie ist deshalb in der Aller-Weser-Klinik in Achim bei Bremen isoliert worden. Die Laboruntersuchungen laufen.

Im restlichen Niedersachsen und Bremen gab es bereits mehrere Coronavirus-Verdachtsfälle. Allerdings hat sich noch kein Verdachtsfall bislang bestätigt.

Zur Info: Viren-Krankheitsfälle weltweit

Corona-Virus (Stand 4. Februar): Insgesamt 20.679 Infizierte, 427 Tote; Sars: Insgesamt 8.096 Infizierte, 774 Tote; Mers: Insgesamt 2.400 Infizierte, 800 Tote; Influenza (Grippe): Jährlich rund 500 Millionen Infizierte (drei bis fünf Millionen schwere Fälle), 260.000 bis 650.000 Tote. Quelle: Robert-Koch-Institut

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Diese Zehn Regeln gelten fürs Homeoffice

Diese Zehn Regeln gelten fürs Homeoffice

Wandern durch Värmland auf dem Fryksdalsleden

Wandern durch Värmland auf dem Fryksdalsleden

Corona-Testzentrum öffnet in Zeven

Corona-Testzentrum öffnet in Zeven

Thomas Schäfer ist tot – Sein Leben in Bildern

Thomas Schäfer ist tot – Sein Leben in Bildern

Meistgelesene Artikel

Pilot-Projekt: „Sprungbrett“ ins Berufsleben

Pilot-Projekt: „Sprungbrett“ ins Berufsleben

Mehr Desinfektion, weniger Grundreinigung: Corona verändert Arbeit der Firma Stark

Mehr Desinfektion, weniger Grundreinigung: Corona verändert Arbeit der Firma Stark

Gratis Lebensmittel im E-Center für alle, bei denen gerade jeder Groschen zählt

Gratis Lebensmittel im E-Center für alle, bei denen gerade jeder Groschen zählt

Lerchenfeld II: Zoff ums Geld

Lerchenfeld II: Zoff ums Geld

Kommentare