Hubschrauber CH-53 werden auf Diepholzer Fliegerhorst wieder fit gemacht

Zu viel Sand im Getriebe

Die Auszubildenden Dominik Rose (l.) und Sarah Schüßler haben Spaß beim Schrubben einer CH-53.
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Die Auszubildenden Dominik Rose (l.) und Sarah Schüßler haben Spaß beim Schrubben einer CH-53.

Diepholz - Von Sönke Dwenger. „Am schlimmsten ist der Sand“, weiß Oberleutnant Ralf Haferkamp. Gemeint ist der feine afghanische Sand, der bei der Instandsetzung der Hubschrauber Probleme bereitet. „Egal, welche Luftfilter wir einbauen – er dringt selbst bis ins Getriebe vor und sorgt für hohen Verschleiß“, sagt Haferkamp. Er muss es wissen, denn er ist Luftfahrzeugtechnischer Offizier im Systemzentrum 21 (SysZ 21) der Luftwaffe in Diepholz. Der frühere Unteroffizier und gelernte Mechaniker koordiniert auf der Fliegerhorst-Werft die Instandsetzungsarbeiten – salopp gesagt die Inspektion – der mittelschweren Transporthubschrauber Sikorsky CH-53.

Die Luftwaffe plant jährlich bis zu 10000 Flugstunden mit der CH-53, hauptsächlich zur Flugschein-Erhaltung der Piloten, aber natürlich auch im Einsatz, schwerpunktmäßig bislang in Afghanistan. Nach 200 Flugstunden – etwa alle eineinhalb Jahre – muss eine CH-53 zur „großen Inspektion“. Das macht 52 solcher Wartungen pro Jahr. Davon werden 22 von den Standorten Diepholz und im 90 Kilometer entfernten Rheine bewältigt, zehn in Schönewalde-Holzdorf in Brandenburg, zwölf in Laupheim bei Nürnberg und acht von der Industrie.

„Wir haben Unikat-Fähigkeiten“, schwärmt Oberstleutnant Hartmut Sakowsky. Er ist seit Januar 2014 Leiter des Systemzentrums 21 in Diepholz. Mehr als die Hälfte seiner Mitarbeiter sind zivile Fachkräfte aus der Region – Metaller, Elektrotechniker, Triebwerkmechaniker, Werkstoffprüfer, Dreher, Schlosser, Maler, Sattler, Tischler. Von den 130 Zivilbeschäftigten sind allein 95 auf die CH-53 spezialisierte Luftfahrzeugtechniker. „Dock-Chef“ ist seit Juli 2010 Oberleutnant Haferkamp: „Ich dirigiere die Mannschaft wie ein Orchester“, beschreibt er die Koordinierung der Instandsetzungsabläufe, also den verantwortungsvollen Einsatz der qualifizierten Frauen und Männer in den Werfthallen.

Nicht nur der Wüstensand, auch die ungewöhnlichen Bedingungen, unter denen im Einsatz geflogen werden muss, setzen den Maschinen mächtig zu. „Die Piloten fliegen am technischen Limit. Zum Beispiel mit Höchstgeschwindigkeit in nur zehn Metern Höhe, um in Deckung zu bleiben, also möglichst spät gesehen zu werden“, berichtet der Offizier. Die schnellen Richtungswechsel sorgten für extreme Belastungen an der Luftfahrzeugzelle und schädigten unter Umständen das Material. Es könnten Risse entstehen. Diese Risse werden während der Inspektion mit speziellen Prüfverfahren gesucht und gefunden.

Die meisten der Hubschrauber kommen direkt aus dem Einsatz in Afghanistan. Da sie besonders beansprucht sind, dauert die Inspektion sechs bis sieben Monate. Jedem Luftfahrzeug wird eine feste Techniker-Crew zugewiesen, bestehend aus vier oder fünf Fluggerätemechanikern, die den jeweiligen Hubschrauber fast bis auf die nackte Zelle zerlegt.

Jedes einzelne Teil wird unter die Lupe genommen, auf Störungen, Defekte, Risse oder Leckagen untersucht. Dann wird alles instand gesetzt.

Besondere Aufmerksamkeit gilt den sechs Haupt-Rotorblättern der CH-53, die in einer anderen Halle inspiziert und gewartet werden. Für ihre „Befundung“ ist in Diepholz seit 2007 Michael Eger verantwortlich. Er ist gelernter Fluggerätemechaniker und Luftfahrzeug-Metaller. Die Blätter sind beeindruckende 9,72 Meter lang, haben jeweils eine Oberfläche von zirka 14 Quadratmetern und wiegen 167 Kilogramm das Stück. Gebaut wurden sie aus drei Schichten Glasfasermatten.

Erst nach rund 7000 Arbeitsstunden ist eine solche Maschine, die vorher im rauen Afghanistan gelitten hat, wieder einsatzbereit. Alle Prozesse der technischen Betriebsführung, vor allem die Ablaufplanungen und Materialanforderungen, werden weitgehend papierlos mittels SAP-Software abgewickelt. Alle notwendigen Kooperationsstellen und Zulieferer sind bundesweit verknüpft. „Ein hochmodernes System, das sogar die zivile Luftfahrt-Industrie neidisch beäugt“, wie Haferkamp schmunzelnd anmerkt.

Gut 80 CH-53 hat die Bundeswehr im Bestand. Angepeilt ist, diese Zahl bis 2017 auf 64 zu verringern. Die restlichen Hubschrauber werden dann komplett zerlegt, die Einzelteile geprüft und bei Eignung ins Ersatzteillager gebracht. Voraussichtlich von 2019 an sollen die umfangreichen Instandsetzungs-Arbeiten am ostdeutschen Standort Schönewalde-Holzdorf erledigt werden. Absicht der Bundeswehr ist es bekanntlich, das Systemzentrum 21 nach dort zu verlegen und den Standort Diepholz aufzugeben. Die Ausbildungsplätze, beispielsweise zum Beispiel zum Fluggerätemechaniker, sind begehrt. „Auf drei Lehrstellen bewerben sich rund 90 junge Leute“, berichtet die Leiterin der Metaller-Ausbildungswerkstatt des Systemzentrums 21, Swantje Frank.

Am Ende der großen Hubschrauber-Inspektion steht der Einflugbetrieb: Das heißt, die vorher komplett zerlegte und wieder zusammengesetzte Maschine wird auf dem Flugplatzgelände in Diepholz von zwei Piloten, einem Bordtechniker und jeweils notwendigen Fachprüfern ein bis vier Wochen auf Herz und Nieren getestet, sprich neu eingeflogen. Erst danach darf die bewährte CH-53 wieder hinaus in den afghanischen Wüstensand.

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