Ulrich Walter zum Diepholzer Ehrenbürger ernannt

Höchste Ehrung in einer Stadt

Ulrich Walter (links) ist nun Ehrenbürger der Stadt Diepholz. In einer Feierstunde im Rathaus überreichte Bürgermeister Florian Marré ihm die Urkunde. Ein Portrait Walters kommt in die
+
Ulrich Walter (links) ist nun Ehrenbürger der Stadt Diepholz. In einer Feierstunde im Rathaus überreichte Bürgermeister Florian Marré ihm die Urkunde.
  • Eberhard Jansen
    vonEberhard Jansen
    schließen

Diepholz – Diese Ehrung hatten bislang nur 15 Menschen erhalten, seit Diepholz 1380 das erste Stadtrecht bekam. Ulrich Walter ist nun der 16. Diepholzer Ehrenbürger. In einer Feierstunde – mit den coronabedingten Einschränkungen – überreichte Bürgermeister Florian Marré dem 70-jährigen sozial engagierten Unternehmer aus Rehden, der Gründer der Diepholzer Bio-Firma „Lebensbaum“ ist, am Dienstagabend im Rathaus die Urkunde.

Im Urkunden-Text heißt es: „Ulrich Walter hat sich als Vorbild für die heutige Gründergeneration mit einem beispielgebenden sozialen Unternehmertum und der langjährigen Treue zum Wirtschaftsstandort Diepholz besondere Verdienste erworben. Das soziale, ökologische und nachhaltige Engagement von Ulrich Walter ist herausragend und beispielgebend.“

Einstimmig vom Rat beschlossen

Bürgermeister Florian Marré hatte Walter beim Neujahrsempfang der Stadt im Januar als Ehrenbürger vorgeschlagen. Einstimmig folgten die Fraktionen im Diepholzer Rat, mit denen die Ehrung nicht abgesprochen war, diesem Vorschlag. „Ulrich Walter steht aus meiner Sicht für Werte und Tugenden, die es gerade in heutigen Zeit noch mehr wertzuschätzen gilt“, sagte Marré bei der Übergabe der Urkunde.

An der Feier nahmen neben Vertretern des Rates und der Stadtverwaltung auch die Familie und Freunde Ulrich Walters als Gäste teil. Für die musikalische Umrahmung sorgten die Diepholzerinnen Janina und Alica Christen an Klavier und Gitarre.

Marré: „Eine solche Veranstaltung ist nicht alltäglich, ganz im Gegenteil. Die Verleihung des Ehrenbürgerrechts ist die absolute Ausnahme. Sie stellt die wohl größte Ehrung dar, die in einer Stadt erfolgen kann.“

Vertreter aller Ratsfraktionen würdigten das Wirken Ulrich Walters, dankten ihm und ließen keine Zweifel an der Richtigkeit, dem 70-Jährigen das Ehrenbürgerrecht zu verleihen – auch wenn Walter in Rehden, dem Geburtsort seiner Mutter, wohnt.

CDU-Fraktionsvorsitzender Gerhard Albers ging auf das Engagement Walters – über dessen Stiftung – für das Diepholzer Moor und andere Naturschutzprojekte ein.

„Ein Mann mit Grundsätzen und Grundwerten“

SPD-Sprecher Manfred Albers blickte auch auf seine gemeinsame Zeit mit Ulrich Walter im Diepholzer Jugendzentrum in der politisch bewegten Zeit der 1970er und 80er Jahre zurück. Für die SPD sei die Ehrung etwas Besonderes, so Albers. Ulrich Walter ist Mitglied dieser Partei und war in Rehden als SPD-Vertreter mehrere Jahre im Gemeinde- und Samtgemeinderat. Für Manfred Albers ist Ulrich Walter „ein Mann von Grundsätzen und Grundwerten“. Das Thema Nachhaltigkeit habe er schon früh erkannt und umgesetzt.

FDP-Fraktionssprecher Wilhelm Reckmann sah die Ehrung Walters als „Ausdruck großer Wertschätzung und Anerkennung für sein außerordentliches Lebenswerk“. Wer hätte vor mehr als 40 Jahren geglaubt, dass aus dem Betreiben eines Bioladens an der Lohnstraße in Diepholz durch Ulrich Walter und seine Frau Angela diese einzigartige Erfolgsgeschichte wird? Grundsatz von Ulrich Walter sei immer „faire Partnerschaft auf Augenhöhe mit den Erzeugern“ gewesen. Die Bio-Firma Lebensbaum hat heute etwa 200 Mitarbeiter (mit der Kaffeerösterei in Gronau).

Grünen-Sprecher Andreas Pawelzik versuchte es in seine Rede mit Humor: Ob Ulrich Walter wisse, auf was er sich da eingelassen habe, fragte er. Bei der Abstimmung über die Ehrung sei sich der „zerstrittene Haufen“ Diepholzer Rat aber einig gewesen.

Dass sich Ulrich Walter in Diepholz auch als Rehdener bestens auskennt, machte er in seiner Dankesrede klar, die er mit den Worten „Ich bin baff“ begann. Er blickte in lockerer Art zurück auf seine Jugend, auf Besuche in der legendären Diepholzer Gaststätte „Brauner Bomber“ und der „Kaiserhalle“. Rückblickend sei er nicht stolz auf das, was er geschaffen habe, sondern er freue sich darüber und sei dankbar. Die Ehrenbürgerwürde sei für ihn etwas ganz Besonderes unter den Auszeichnungen, die er bislang erhalten habe.

Materiell haben Diepholzer Ehrenbürger übrigens keine Vorteile. Mit der Ehrung verbunden sind Einladungen zu allen offiziellen Veranstaltungen der Stadt und die namentliche Begrüßung.

Lebenslauf

Ulrich Walter wurde am 23. August 1949 in Dörverden geboren und besuchte in Rehden die Volksschule, danach die Realschule in Diepholz sowie die Höhere Handelsschule, bevor er zur Berufsschule für Großhandel, Außenhandel und Verkehr in Bremen wechselte. Die letzte schulische Station war die Fachschule für Sozialpädagogik in Hannover, die er berufsbegleitend besuchte. Beruflich hat Walter mit einer Lehre im Reedereigewerbe die Basis für das wirtschaftliche Handeln erlernt. Nach erfolgreicher Ausbildung kam er 1971 zur Luftwaffe nach Diepholz. Danach folgte ein Branchenwechsel in den Bereich der Erziehungswissenschaften mit der Station in Freistatt und 1977 der Start als Leiter des städtischen Jugendfreizeitheimes in Diepholz. Diese Leitung hatte er fast sechs Jahre.

Es folgte der Aufbau der Ulrich Walter GmbH und ihrer Handelsmarke „Lebensbaum“ zu einem der bedeutendsten und bekanntesten Unternehmen im Biohandel. Auch die damit verbundenen Unternehmen, wie die Logistikfirma BioLogX, haben ihren Firmensitz in der Stadt Diepholz. Mit ökologisch hergestellten Gewürzen, Tees und Kaffees agiert die Firma weltweit und verbreitet den Namen der Stadt Diepholz bei Partnern, Produzenten und Kunden auf beinahe allen Kontinenten.

Anlässlich seines 70. Geburtstages hat Ulrich Walter zum 31. Dezember 2019 die Geschäftsführung der Ulrich Walter GmbH verlassen und konzentriert sich auf die Arbeit der Auwa Holding mit Sitz an der Bahnhofstraße in Diepholz.

Von Eberhard Jansen

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Verletzte bei Protesten gegen Regierung in Beirut

Verletzte bei Protesten gegen Regierung in Beirut

Bis zu 38 Grad - und die Hitze bleibt

Bis zu 38 Grad - und die Hitze bleibt

Hochsommerliche Hitze stellt sich ein

Hochsommerliche Hitze stellt sich ein

Tierische Begegnungen in Badeseen

Tierische Begegnungen in Badeseen

Meistgelesene Artikel

Corona-Aus für 265 VHS-Kurse im Kreis Diepholz

Corona-Aus für 265 VHS-Kurse im Kreis Diepholz

Waldlehrpfad wird aufgearbeitet

Waldlehrpfad wird aufgearbeitet

BTR erweckt E-Autos zum Leben

BTR erweckt E-Autos zum Leben

Der Hut ist keine Lösung

Der Hut ist keine Lösung

Kommentare