Minister besucht Bohlenweg-Ausgrabung

Historische Messstäbe im Moor gefunden

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Archäologin Dr. Marion Heumüller zeigte Minister Björn Thümler einen historischen Messstab im Bohlenweg.

Aschen - Von Simone Brauns-bömermann. Der Bohlenweg Pr 6 bei Diepholz schreibt derzeit Moorarchäologie-Geschichte. Das sagte die aus Süddeutschland stammende Referentin für Moor- und Feuchtbodenarchäologie Dr. Marion Heumüller am Montagnachmittag beim Ortstermin im Aschener/Heeder Moor. Anlass war der Besuch des Niedersächsischen Ministers für Wissenschaft und Kultur, Björn Thümler

Heumüller präsentierte im ausgegrabenen, 2 000 Jahre alten Original-Bohlenweg einen hölzernen Stab, im oberen Bereich auf einer Länge von rund zehn Zentimetern sorgsam geschnitzt, entdeckt unter den Fahrbohlen: „Es handelt sich um einmalige Fundstücke.“

Ob diese Stäbe eine Art prähistorischer Zollstock für den Gebrauch bei Wagenbruch oder Nivellierinstrument für den Wegebau sind, werde derzeit noch untersucht. „Wir wissen, dass die Römer solche Messinstrumente hatten, die Germanen offensichtlich auch.“

Anderer „Beifang“ wie Rad- und Wagenbruchstücke, Leder- und Wollgewebe seien bei der Ausgrabung in dem Torfabbaugebiet zwischen Lindloge und der Verlängerung des Ossenbecker Moorweges eher selten geborgen worden. „Die Menschen schätzten das, was sie hatten. Wenn sie etwas verloren hatten, suchten sie es“, so die Wissenschaftlerin: „Es ist kein Gold, was wir gefunden haben, aber viel wert.“

Ein Teil des 2 000 Jahre alten Bohlenweges Pr 6 wird derzeit im Aschener/Heeder Moor ausgegraben. Anlässlich des Ministerbesuches verschafften sich Gäste aus Politik, Wissenschaft und Verwaltung einen Eindruck.

„Wir haben auch ausgefeilte Gegenstände aus dem Wagenbau geborgen“, ergänzte die Archäologin. Wie diffizil der Wegebau mit Schwellhölzern und Bohlen quer dazu als Fahrbahndecke gewesen sein musste, erklärte die Archäologin den geladenen Teilnehmern des Besichtigungstermines: „Die ältesten Hölzer liegen komischerweise oben, die jüngeren unten.“ Das lasse vermuten, dass bei der Überarbeitung von Wegen immer wieder von anderer Orts Holz herangeschafft werden musste – aus Rückbau, Recycling oder Raub, da im Moor selbst Holz für Wegebau knapp war.

Das freigelegte Teilstück des Bohlenweges verschaffte den Gästen aus Politik, Wissenschaft und Verwaltung einen Eindruck der einmaligen Arbeit der Archäologen. Diese ist wichtig für die zukünftigen profunden Einblicke in die prähistorische Geschichte zur Siedlungs- und Verkehrsgeschichte der Moorgebiete in der Diepholzer Moorniederung nahe der Grenze zum Landkreis Vechta.

Seit über 6 000 Jahren bauten die Menschen Wege aus Holz durch unwegsames Gelände. Der jetzt freigelegte und fast ganz abgebaute Bohlenweg Pr 6 ist über 2 000 Jahre alt und führte ursprünglich über vier Kilometer quer durchs Moor von Lindloge nach Kroge.

Die seit 2019 laufenden archäologischen Untersuchungen sind Teil des Projektes „Naturerlebnis am prähistorischen Bohlenweg im Aschener/Heeder Moor“ des Naturpark Dümmer, das durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und regionalen Förderern unterstützt wird (wir berichteten). „Wir konnten mit einem einmaligen Social Event von Führungskräften der Deutschen Bahn ein Teilstück der geplanten Rekonstruktion des Bohlenweges realisieren, so der Geschäftsführer des Naturpark Dümmer, Detlef Tänzer. Wenn das Bohlenweg-Replikat fertig ist, entstehen entlang der Strecke Infostellen zum Leben im Moor, zum Bohlenwegbau und zum Beziehungsgeflecht wie „unsere Vorfahren lebten.“

Der Ortstermin warf Fragen auf, die an die Vertreter aus Hannover gingen: „Wie können wir möglichst viele ausgegrabene Bohlen konservieren, damit nicht überproportional viele Hölzer verloren gehen, wie bereits bei anderen Wegen?“

Die Frage nach geeigneten Lagerstätten für die freigelegten Hölzer und ob Hannover bei der der Finanzierung von möglicher Konservierung durch Gefriertrocknung mithelfen könne, nahm Minister Björn Thümler (CDU) mit: „Es ist noch nichts verloren.“

Vor Ort können die Bohlen mit ihrem Unterbau nicht bleiben, da dort Torf abgebaut wird. Ziel sei es, Teile im Original zu erhalten. Ist der Weg vollständig ausgegraben und archiviert, werden die Flächen weiter abgebaut und später renaturiert.

Für Wissenschaftsminister Björn Thümler war es ein Termin ohne roten Teppich, aber von großer kulturhistorischer Bedeutung in Niedersachsen.

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