Inhaber Hans-Georg Bachen im Ruhestand

Hindenburg-Apotheke schließt nach 33 Jahren:„Davon kann man nicht mehr leben“

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Nach 33 Jahren schließt Inhaber Peter-Georg Bachen seine Hindenburg-Apotheke in Diepholz und verabschiedet sich in den Ruhestand.

Diepholz – Abschiedsstimmung in der Hindenburg-Apotheke: Wo sonst Tablettenschachteln, Hustensaftflaschen und medizinische Hilfsmittel über den Tresen gingen, wurden in den vergangenen Tagen Umzugskartons gefaltet und gefüllt, leerten sich Regale, wurden Aktenordner fortbewegt. Nach mehr als 33 Jahren schließt die Apotheke im Ärztehaus an der Ecke Hindenburgstraße/Grafenstraße in Diepholz ihre Türen. Am Freitag dreht Inhaber Peter-Georg Bachen dort zum letzten Mal den Schlüssel um.

Bachen geht in Ruhestand, einen Nachfolger für die Apotheke gibt es nicht. „Die Apotheke ist unverkäuflich“, sagt er nüchtern. Onlinehandel, Gesundheitssystem – die Ertragslage gebe es für mögliche Nachfolger nicht mehr her, die Apotheke wirtschaftlich zu betreiben. Nun also der Schlusspunkt. Über eine neue Nutzung der Räume ist noch nicht entschieden.

Die Gespräche mit Kunden dauerten etwas länger in den letzten Tagen. Viele gaben Peter-Georg Bachen gute Wünsche für die Zukunft mit auf den Weg. „Wenn die sagen, wir werden Sie vermissen, dann geht einem das schon nahe.“ Auch auf diesem Weg dankt er den Kunden, die ihm über all die Jahre die Treue gehalten haben.

Dass Hans-Georg Bachen nach Diepholz kam, war ein kleines Stück dem Zufall zuzuschreiben und hat mit einem Freund und Studienkollegen zu tun.

Geboren 1953 in Oberschlesien zog Bachen mit seinen Eltern in jungen Jahren 1961 nach Ibbenbüren, wo er seine Jugend verbrachte. Nach dem Abitur entschied er sich für ein Chemie-Studium, dem sich zweieinhalb Jahre ein Pharmazie-Studium in Berlin anschloss, das Bachen 1983 mit der Approbation abschloss. Nach dreijähriger Tätigkeit als angestellter Apotheker wagte er 1986 den Schritt in die Selbstständigkeit, eröffnete die eigene Apotheke an der Hindenburgstraße in Diepholz.

Warum Diepholz? Ursprünglich hatte der erwähnte Studienkollege geplant, hier seine eigene Apotheke zu eröffnen, erinnert sich Bachen. Der habe dann aber kurzfristig ein noch deutlich lukrativeres Angebot bekommen. Und er bot Bachen an, das Projekt in Diepholz zu übernehmen. Ein großer Schritt. „Ich habe das ein paar Nächte überdacht und bin dann zum Schluss gekommen: Das traue ich mir zu.“ Die Entscheidung wies den Weg für mehr als 30 Jahre.

„Es war ein Auf und Ab“, sagt Peter-Georg Bachen heute rückblickend.

Zunächst habe die Ertragslage gestimmt, aber spätestens, als eine gut frequentierte Arztpraxis das Haus verließ, wurde es für die Apotheke schwieriger. Dazu kommen die Dinge, die an übergeordneter Stelle entschieden werden: Die Gesetzgebung im Gesundheitswesen mit der neuen Preisverordnung, der Freigabe der Arzneimittel, „heute kann man davon nicht mehr leben“, ist Bachen überzeugt. Dass es nun mittlerweile zu Medikamenten-Engpässen in Deutschland kommt, schmerzt und ärgert einen langjährigen Pharmazie-„Fahrensmann“ wie Bachen. „Wir sind auf dem besten Weg zur Bananenrepublik“, schimpfte er in einem Schreiben an Berufskollegen.

Eine weitere Sache machte ihm den Abschied zusätzlich leichter: die ständig zunehmende Bürokratie. Für die sage und schreibe 600 Aktenordner, die das „bürokratische Erbe“ der Apotheke sind, hat Bachen eigens eine kleine Wohnung in dem Ärztehaus angemietet. Es gilt ja auch, Aufbewahrungsfristen einzuhalten.

Die kommenden apothekenfreie Zeit will Bachen nutzen, um den Ausbau seines Resthofes zwischen Aschen und Ossenbeck („Ich bin Aschenbecker“) weiter voranzubringen. „Da ist in den letzten Jahren einiges liegen geblieben.“ Gut möglich, dass sich der ehemalige Schützenkönig auch wieder öfter bei seinem Schützenverein Ossenbeck sehen lässt. Er gehe „mit zwei lachenden Augen“, sagt Bachen. Nicht ganz: „Meine treuen Stammkunden, die werden mir fehlen.“

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