Hilfstransport trotz(t) Ausnahmezustand

Belarus-Fahrt: DRK-Team meistert politische und pandemische Hürden

Das Team vom DRK Kreisverband Diepholz berichtet vom Hilfstransport: Günter Schweers, Theres Mattke und Ulrike Hirth-Schiller (vorne, von links). Kurt Schirrmacher, Joachim Claus, Simon Becker und Horst Wiesch (hinten).
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Das Team vom DRK Kreisverband Diepholz berichtet vom Hilfstransport: Günter Schweers, Theres Mattke und Ulrike Hirth-Schiller (vorne, von links). Kurt Schirrmacher, Joachim Claus, Simon Becker und Horst Wiesch (hinten).

Landkreis Diepholz – Diese Fahrt nach Belarus wird dem Team vom DRK-Kreisverband Diepholz wohl noch lange in Erinnerung bleiben. Neben politischen gab es auch etliche pandemische Hürden zu bewältigen. Jetzt sind die Helfer zurück und sprechen von Dankbarkeit, Gastfreundlichkeit aber auch von erschreckenden Erfahrungen.

Insgesamt liegen rund 3500 Kilometer und zehn anstrengende Tage hinter den sechs Helferinnen und Helfern des DRK-Kreisverbands Diepholz. Mit unzähligen Eindrücken und Erfahrungen sind sie von ihrem Hilfstransport nach Witebsk zurückgekehrt. Gerade zu Zeiten der Corona-Pandemie sei die Unterstützung aktueller denn je. „Wir hatten bei der Planung Bedenken aufgrund der poltischen Lage vor Ort und an der polnischen Grenze. Vor dieser Fahrt war ich stärker angefasst und auch unruhiger als vor anderen Fahrten. Es hat aber alles super geklappt“, erklärt Kreisverbandsgeschäftsführerin Ulrike Hirth-Schiller.

Günter Schweers, der Organisator dieser Hilfsfahrt, berichtet: „Die in diesem Jahr bereits zweite Fahrt war für uns eine schwere Entscheidung, im Nachhinein aber genau die richtige. Die Hilfsgüter werden vor Ort einfach benötigt.“

Von Grenzproblemen nichts mitbekommen

Bevor sich der Hilfs-Konvoi – beladen mit Krankenhaus- und Pflegebedarf – in Bewegung setzte, schätzte das Team die Lage noch einmal ab. Die Probleme an der polnisch-weißrussischen Grenze drohten zu eskalieren. „Davon haben wir aber nichts mitbekommen“, sagt Schweers im Nachhinein. Denn der Konvoi umfuhr das von Flüchtlingen und Grenzpolizisten besetzte Gebiet. 200 Kilometer mehr nahmen die Helfer dafür in Kauf. Statt über Berlin und Minsk, fuhren die DRK-Mitglieder über das Baltikum. Jeweils eine zusätzliche Nacht mussten die Ehrenamtlichen – die teilweise ihren Jahresurlaub für die Fahrt nach Belarus einsetzten – auf dem Hin- und Rückweg einplanen, um Kraft zu tanken.

Zwei neue Gesichter bereicherten das ehrenamtliche Team vom DRK bei dieser Fahrt: Theres Mattke und Simon Becker engagierten sich im Landkreis Diepholz bei den dezentralen Corona-Impfangeboten. Sie wollten als Bonus an dem Hilfstransport teilnehmen. Hirth-Schiller: „Das verdient großen Dank und Respekt, dass die beiden trotz der Situation in Polen und Belarus und der zusätzlichen Herausforderungen durch die Corona-Pandemie mitgefahren sind.“

Exklusive Einblicke in Regionalkrankenhaus

Die Beiden erhielten vor Ort exklusive Einblicke im Regionalkrankenhaus in Witebsk. Im Vollschutz besichtigten Mattke und Becker unter anderem die Corona-Intensivstation. „Uns wurde vor Augen geführt, dass unsere Hilfsgüter dringend benötigt werden. Bedarf ist auch noch immer da. Es ist nur ein kleiner Tropfen auf den heißen Stein“, so Mattke.

Simon Becker spricht von einer „erschreckenden“ ersten Fahrt: „Ich arbeite bereits viele Jahre beim DRK und ich dachte zu wissen, was das Rote Kreuz bedeutet. Das muss ich jetzt überdenken. Hier in Deutschland ist das Rote Kreuz anders als international. Es ist ein besonderes Gefühl, unsere Materialien dort zu sehen, wo sie gebraucht werden und zu wissen, dass wir mit einfachen Mitteln helfen können.“

Das Team spricht von einfachen Holzkonstruktionen als provisorische Betten in den Krankenhäusern und Matratzen, die mit Stroh gefüllt sind. Das in Deutschland ausrangierte Material, das mit dem Hilfstransport nach Belarus gebracht wird, erleichtere dort die Arbeit. In Witebsk werden die Hilfsgüter an das Belarussische Rote Kreuz in der Region übergeben. Auch nach der Übergabe wird Kontakt zu den belarussischen Partnern gehalten, die Verteilung der Spenden verfolgt und neue bedarfsgerechte Hilfsprojekte werden abgesprochen.

Situation in Belarus verschlechtert sich

Die Situation in Belarus habe sich in den vergangenen Jahren allerdings verschlechtert. „Wir hatten Hoffnung, dass es mit der Ausstattung besser werden könnte. Es geht aktuell aber nicht in die richtige Richtung“, sagt Schweers. „Wir können uns aber zu 100 Prozent auf die Kollegen vor Ort verlassen und sehen, dass die Hilfe ankommt“, so der Organisator.

Das Deutsche Rote Kreuz im Landkreis Diepholz organisiert bereits seit 1991 Hilfstransporte nach Belarus. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre hätten gezeigt, dass es günstig ist, direkte Ansprechpartner vor Ort zu haben, sagen die Verantwortlichen. Aus diesem Grund besteht eine Kooperation mit dem Roten Kreuz in Belarus. Damit sei sichergestellt, dass nur Hilfsgüter gesammelt werden, die tatsächlich benötigt werden.

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