Hildegard Landgraf erzählt aus ihrer Zeit als Malschülerin von 1951 bis 1962

Malerin Thea Hucke als private Lehrerin

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Hildegard Landgraf vor den interessierten Zuhörern im „Taubenschlag“ des Tuchmacher-Hauses und ihren Bildern, die sie als Schülerin bei Thea Hucke malte.

Diepholz - Von Helge Bredemeyer. Für die „Tuchmacher“, den Vorstand und ihre Mitglieder, war es wie ein vorweg genommenes Weihnachtsgeschenk, als ihnen Hildegard Landgraf (geb. Körner) ihre Bilder aus der Zeit als Malschülerin bei Thea Hucke schenkte und zum Weiterverkauf anbot. Ein Verkauf, dessen Einnahme die ehrenamtliche Arbeit des Tuchmacher-Hauses und aktuell die Sprachförderung von Müttern und Kindern in der Flüchtlingsarbeit unterstützen soll.

Mit dieser Aktion ergab sich die Gelegenheit, Hildegard Landgraf aus ihrer Zeit als Malschülerin in den Jahren um 1951 bis 1954 berichten zu lassen. Der „Taubenschlag“ des Tuchmacher-Hauses konnte knapp alle erwartungsvollen Besucher aufnehmen. Zum Teil waren es ältere Diepholzer wie Lieselotte Schöttler mit eigenen Erinnerungen an Thea Hucke, aber auch andere, die Thea Huckes Werke in Ausstellungen kennen gelernt hatten.

Und hier besonders in der Ausstellung im Alten Rathaus vom 25. bis 1. Juli 2012. Eine Initiative der Diepholzer Fördergemeinschaft Lebendiges Diepholz. Dank eines bildreichen Ausstellungskataloges aus der Hand von Bärbel Schmitz und Reinald Schröder als Herausgeber mit bibliografischen Informationen der Deutschen Bibliothek nimmt Thea Hucke seitdem einmal mehr den ihr als Künstlerin dieser Stadt zustehenden Stellenwert ein. Ihre Werke sind gefragt und würden, wenn möglich, heute von vielen gerne erworben.

Thea Hucke galt als eine Persönlichkeit, die genau wusste, was sie wollte, sich in ihrem Stil nicht beirren ließ und ihre Ansicht, aber auch ihre Fähigkeiten mit Pinsel und Farbe und besonders mit Blick auf das Motiv so weitergab, dass Schüler motiviert den Unterricht besuchten. Dazu gehörte von 1951 bis 1962 auch die Schülerin der Graf-Friedrich-Schule (GFS), Hildegard Körner aus Wagenfeld. In ihrer Familie wurde gern gemalt. Sehr begabt waren ihr Vater Adolf und ihr Bruder Otto, ebenfalls GFS-Schüler, so berichtete es die ehemalige Malschülerin vor den ausgestellten Bildern im Taubenschlag.

Einige Zeit kam Thea Hucke nach Wagenfeld zu Körners und gab dort Unterricht. Samstags fuhr Vater Adolf mit den Geschwistern zu Thea Hucke an der Steinstraße 12. Der ehemalige Diepholzer Bibliothekarsleiter Klaus Seehafer, der sich auch Thea Hucke widmete, erkannte in den Bildern von Hildegard eine bestimmte Verwandtschaft zur Maltechnik Huckes und betitelte sie als den „Huckischen Stil“.

1943 zog Thea Hucke mit ihrer Zwillingsschwester Anna aus dem zerbombten Hannover in das Haus der Großmutter an der Steinstraße, wo sich die Künstlerin im Hühnerstall ein Atelier eingerichtete. Schon bald befreundete sie sich mit einigen Diepholzer Familien, besonders mit der Familie von Dachdeckermeister Adolf Jacobs. Sie malte Porträts von Diepholzer Persönlichkeiten und fuhr gerne ins Moor. Aber auch ganz in der Nähe ihres Hauses fand sie ansprechende Motive und ermutigte ihre Schüler, die Hinterlohne mit den anliegenden Häusern und Gärten als Ganzes, aber auch im Detail mit Blick auf Zuordnung und Fachwerk wiederzugeben.

Genau diese Motive sind es denn, die Hildegard Körner (Jahrgang 1937) unter ihrer Anleitung malte und jetzt im Tuchmacher-Haus anbietet. Thea Hucke ließ ihre Schüler erst Skizzen mit Kohlestiften anfertigen, bevor sie dann mit Ölfarben vollendet wurden. Die Schülerin Hildegard liebte Aquarellbilder, übermalte aber oft die erste Farbgebung, sodass der leuchtende Aquarellcharakter verblasste. Die heute meistens verwendeten Acrylfarben gab es noch nicht.

Schaute Hucke ihren „Lehrlingen“ kritisch über die Schulter, gerade bei der Porträtmalerei, sah sie auf Anhieb, wo das Bild oft nur mit einem Pinselstrich zu verbessern war. Ab und zu fuhr sie zum Erlernen der Landschaftsmalerei mit den Malschülern auch in die Umgebung, an den Dümmer und ins Moor. Im Atelier hielt sie verschiedene Stoffe und Utensilien bereit, arrangierte daraus Stillleben und ließ sie malen. An blaue Tulpen in einem Krug erinnert sich Bettina Kaufmann noch sehr genau. Sie war damals Schülerin und Hörerin während ihres Lehrerstudiums in Kursen der Kunst- und Mallehrerin Thea Hucke an der Osnabrücker Volkshochschule.

Neben der Malerei schuf Hucke auch Skulpturen. Bruder Otto, so erzählte Hildegard Landgraf, modellierte damals Krippenfiguren aus Ton.

Im Rückblick ist Thea Hucke als eine sehr eigenständige, selbstbewusste Malerin zu bezeichnen. Es brauchte schon einige Zeit, sie zu verstehen und Sympathie zu entwickeln, was im Rückblick der Schülerin Hildegard wunderbar zustande kam. Auf jeden Fall baute die Kunst Brücken und schuf Zugänge, die im Nachhinein auch mehr als nur eine künstlerische Ausbildung waren. Die Malschüler nahmen an Kunstausstellungen über die Schule teil und beteiligten sich auch an Wettbewerben.

Das Gespräch bei den Tuchmachern weckte erneut Beachtung und Verständnis für die Diepholzer Künstlerin. Es lohnt sich sehr, die der Malerin Hucke „verwandten Bilder“ anzusehen und sie als Kunst und Dokument auch zu erwerben. Die Tuchmacher laden dazu herzlich ein – noch mal an diesem Samstag und Sonntag von 14 bis 18 Uhr, an der Lohnstraße 2.

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