Die heute 94-jährige Martha Rasper überlebt Untergang der „Wihelm Gustlow“

Eine ewige Narbe

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Überlebte den Untergang der „Wilhelm Gustlow“ vor 70 Jahren: Die heute 94-jährige Martha Rasper – hier mit ihrem Sohn Dr. Bernd Rasper.

Diepholz - Von Eberhard Jansen. Das eiskalte Wasser der Ostsee, die Panik, die Rettung: Martha Rasper erinnert sich genau an diese schicksalhafte Nacht am 30. Januar 1945. Heute vor 70 Jahren war sie auf der „Wilhelm Gustlow“, die nach einem russischen Torpedo-Angriff vor der Küste Pommerns sank. 9250 Menschen – die meisten Kriegsflüchtlinge – starben. 1230 überlebten. Darunter Martha Rasper.

Als heute 94-Jährige macht sie einen glücklichen Eindruck, ist trotz ihres hohen Alters bewundernswert fit. Doch die Erinnerung hat sie ihr ganzes Leben nicht losgelassen. „Eine ewige Narbe“, nennt es ihr Sohn, der Diepholzer Urologe Dr. Bernd Rasper.

Martha Rasper war mit ihrem damaligen Mann, Dr. Karl-Heinz Peters, an Bord der „Wilhelm Gustloff“. Peters war Marine-Arzt der U-Boot-Flotte und eigentlich auf Urlaub in Gotenhafen. Als die russische Armee näher kam, wurde „Festungsalarm“ ausgerufen und Dr. Peters zum Dienst auf die „Wilhelm Gustloff“ zitiert.

In der Nacht, als Torpedos des russischen U-Bootes „S13“ das mit mehr als 10000 Menschen besetzte Schiff trafen, half Dr. Peters gerade einer Frau bei der Entbindung. Während das Riesenschiff sank, brachte er die Patientin in ein Rettungsboot. „Die Frau hat später im Torbedoboot ,Löwe‘ ihr Kind bekommen“, erzählte Martha Rasper

Dieses deutsche Torpedoboot rettete auch die heute 94-Jährige, die damals selbst im sechsten Monat schwanger war.

Von der kenternden „Gustloff“ war sie in die etwa vier Grad kalte Ostsee gesprungen, hatte Halt auf einem Rettungsfloß gefunden – gemeinsam mit zwei Männern und einer Frau, die sie später aus den Augen verlor.

Mehr als vier Menschen konnte das Floß nicht tragen. So musste Martha Rasper miterleben, wie einer der Männer Menschen, die sich in Todesangst an das Floß klammerten, auf die Finger schlug und sie so am Hinaufklettern aus dem eiskalten Wasser hinderte, um nicht mit ihnen unterzugehen.

Wie lange sie in der Januar-Nacht auf dem Floß ausharren musste, weiß Martha Rasper nicht. Als sie auf das Torpedoboot getragen wurde, spürte sie ihre Beine nicht mehr vor Kälte und glaubte, ihr Kind verloren zu haben.

Doch Martha Rasper, die aus Westpreußen stammt, hatte Glück: Sie brachte Ende April 1945 eine gesunde Tochter zur Welt. Diese lebt heute in Hannover. Auch ihren Mann fand sie nach gut einer Woche wieder. Mit ihm hatte sie zuvor ausgemacht, dass sie sich bei einem Bekannten in Stralsund melden wollten. Durch ein Telegramm erfuhr Dr. Peters, dass seine Frau lebt. Körperlich relativ unbeschadet hatte die heute 94-Jährige die größte Katastrophe der Seefahrtsgeschichte überstanden.

Auf der „Wilhelm Gustlow“ war sie in der Katastrophennacht nicht zum ersten Mal. Einige Jahre zuvor, als das Schiff noch für Kreuzfahrten der nationalsozialistischen Organisation „Kraft durch Freude (KdF) genutzt, hatte Martha Rasper auf diesem Schiff mit ihrem Mann einen Ausflug gemacht. Und dabei einen prominenten Passagier kennen gelernt: Den Humoristen Heinz Erhardt.

Bei ihrer zweiten Fahrt war dann niemand mehr zum Lachen.

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