Mediziner folgt falscher Spur

Herzerkrankung nicht erkannt - Chefarzt entschuldigt sich

Diepholz - Von Eberhard Jansen. Menschliche Fehler passieren. Auch in Krankenhäusern. In der Klinik Diepholz hätte ein solcher Fehler nun möglicherweise schlimme Folgen für eine Frau haben können. Dort wurde bei einer Notfallpatientin eine Herzbeutelentzündung nicht erkannt. Der junge diensthabende Arzt war allerdings durch eine vorhergehende Diagnose einer Kollegin auf die falsche Fährte „Rücken“ gelockt worden.

Die 36-jährige Nadine Diels, die mit ihrem Mann Attila in Diepholz eine Pizzeria betreibt, klagte über Rückenschmerzen – ohne zu wissen, dass diese von einer akuten Herzerkrankung und einer Rippenfellentzündung herrühren.

Im hausärztlichen Notdienst bekam sie von einer Ärztin Spritzen in den Rücken. Doch das half nicht.

Am nächsten Tag – ein Samstag – suchte sie am frühen Nachmittag den Notfalldienst in der Klinik Diepholz auf. In der chirurgischen Ambulanz schilderte Nadine Diels ihre Schmerzen in Brust und Rücken. Eine weitere Untersuchung habe dort nicht stattgefunden, berichtete sie unserer Zeitung. Man habe sie nach Hause geschickt und auf den hausärztlichen Notdienst ab 17 Uhr verwiesen. Wegen Rückenschmerzen dürfe man sie nicht aufnehmen.

Da die Schmerzen schlimmer wurden, fuhr Attila Diels mit seiner Frau nach Damme. Im dortigen Krankenhaus habe man die schwere Erkrankung sofort erkannt.

„Die Herzmuskelentzündung wäre zwei Tage später tödlich gewesen“

Nadine Diels wurde stationär aufgenommen und entsprechend behandelt. „Die Herzmuskelentzündung wäre zwei Tage später tödlich gewesen“, berichtete die 36-Jährige.

Unsere Zeitung vermittelte ein Gespräch zwischen dem zuständigen Diepholzer Chefarzt, Privat-Dozent Dr. Frank Hinrichs, und Attila Diels, der die Notfall-Situation mit seiner Frau im Krankenhaus als „schockierend“ bezeichnete. Die betroffene Patientin Nadine Diels konnte wegen der Herzerkrankung, die einen weiteren Krankenhausaufenthalt notwendig machte, nicht an dem Gespräch teilnehmen.

Dr. Hinrichs, Chefarzt der Abteilung für Orthopädie, Unfallchirurgie und Allgemein-/Viszeralchirurgie in der Klinik Diepholz, hatte sich im Krankenhaus in Damme nach dem Fall erkundigt. Er übernahm in dem sachlichen Gespräch klar die Verantwortung und bedauerte den Fehler des jungen, diensthabenden Arztes.

Fehler im Notdienst

Laut Hinrichs haben in der Klinik Diepholz neben Chirurgen auch immer Fachärzte für Innere Medizin Notdienst. Ein solcher Internist hätte von dem jungen Chirurgen zurate gezogen werden müssen.

Hinrichs erklärte, er werde dafür sorgen, dass die diensthabenden Ärzte zukünftig sensibler reagieren und schneller einen Kollegen eines anderen Fachgebietes hinzuziehen.

Der Chefarzt entschuldigte sich bei Attila Diels und seiner Frau: „Es tut mir leid, dass es so gelaufen ist.“

Attila Diels erklärte gegenüber unserer Zeitung, seine Frau und er seien nur an die Öffentlichkeit gegangen, um Verantwortliche wach zu rütteln, nicht um das Diepholzer Krankenhaus schlecht zu machen.

Nadine Diels ist inzwischen auf dem Weg der Besserung. Arbeiten kann die 36-jährige Diepholzer Gastronomin vorerst nicht.

ej

Rubriklistenbild: © dpa

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