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Heizen mit „Eisspeicher“

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Von: Eberhard Jansen

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„Krater“ auf den Gelände der PHWT an der Thüringer Straße in Diepholz: Dort wird derzeit die Zisterne für die Eisspeicherheizung des neuen „Forums Technik“ gebaut. Foto: Jansen
„Krater“ auf den Gelände der PHWT an der Thüringer Straße in Diepholz: Dort wird derzeit die Zisterne für die Eisspeicherheizung des neuen „Forums Technik“ gebaut. Foto: Jansen

Diepholz - Von Eberhard Jansen. Ein Krater ist an der Thüringer Straße zu sehen. Doch auf dem Gelände der Privaten Hochschule für Wirtschaft und Technik (PHWT) in Diepholz ist kein Meteorit eingeschlagen: Dort wird die Zisterne für eine „Eisspeicherheizung“ gebaut.

Diese noch wenig verbreitete Technik wird zum klimaneutralen Heizen und Kühlen der Räume des neuen „Forums Technik“ verwendet, das auf dem früheren Bolzplatz-Grundstück gebaut wird – neben dem Zentrum für Werkstoffe und Technik (ZWT) und dem Zentrum für Mechatronik und Elektrotechnik (ZME) der PHWT.

Etwa 270 Kubikmeter Wasser – beziehungsweise Eis – wird der unterirdische, vier Meter tiefe Betonbehälter fassen, der derzeit im hinteren Teil des Grundstückes in der Erde installiert wird.

„Mit der Eisspeichertechnik kann im Sommer auch das benachbarte ZME gekühlt werden“, erläuterte PHWT-Präsident Prof. Dr. Ludger Bölke unserer Zeitung die neue, umweltschonende Technik.

Das ZWT habe eine Klimaanlage, weil hier die Räume für Materialmessung immer genau dieselbe Temperatur haben müssen.

Da eine Eisspeicherheizung in der Region noch sehr selten ist und dieses System, das auch für den Privatgebrauch einsetzbar ist, viele interessieren dürfte, plant die PHWT für Oktober/November eine öffentliche Informationsveranstaltung.

Die Arbeiten zum Bau des „Forums Technik“ zur Erweiterung der PHWT in Diepholz beginnen im Frühjahr.

In den kalkulierten Kosten von zehn Millionen Euro für dieses dritte Gebäude auf dem Campus ist die Eisspeicherheizung enthalten.

Das neue, dreistöckige Gebäude umfasst etwa 4 000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche. Im Erdgeschoss sind neben dem Empfangsbereich Labors und der „Studentenclub“ – ein Aufenthaltsraum für die Studenten – vorgesehen.

Mit 9,7 Millionen Euro übernimmt die Dr. Jürgen und Irmgard Ulderup-Stiftung den weitaus größten Teil der Finanzierung des „Forums Technik“. Der Landkreis Diepholz stellt das Grundstück zur Verfügung, die Stadt Diepholz beteiligt sich mit etwa 50 000 Euro an den Kosten.

Bezug des neuen Gebäudes soll Anfang 2022 sein. Die Räume an der Schlesierstraße in Diepholz, die die PHWT derzeit belegt, sollen danach von der Akademie der Dr. Jürgen und Irmgard Ulderup-Stiftung genutzt werden.

Die PHWT hat insgesamt 600 Studenten an ihren beiden Standorten Diepholz und Vechta. Diese lernen im Dualen Studium – also mit Praxisanteilen in den 180 an der Hochschule beteiligten Partnerunternehmen.

Betriebswirtschaftslehre kann man an der PHWT in Vechta studieren, Maschinenbau, Elektrotechnik und Wirtschaftsingenieurwesen am Standort Diepholz.

Das Prinzip der Eisspeicherheizung

Der Eisspeicher besteht aus einer Zisterne unter der Erdoberfläche. Im Inneren befinden sich große Spiralen aus Leitungen, in denen eine frostsichere Flüssigkeit (Sole) zirkuliert. Diese Spiralen teilen sich in einen Entzugswärmetauscher und einen Regenerationswärmetauscher. Während des Betriebes entzieht der erste Wärmetauscher dem flüssigen Wasser in der Zisterne die Energie und leitet sie weiter an die Wärmepumpe. Dort findet der Verdichtungsprozess statt, bei dem ein Kältemittel zunächst verdampft und anschließend komprimiert wird. Die dabei entstehende Wärme lässt sich für die Heizung und zur Warmwasserbereitung nutzen. Indem das Wasser seine Wärme an den Entzugswärmetauscher abgibt, sinkt seine Temperatur und es gefriert allmählich. Durch die fehlende Isolierung um den Betonbehälter erwärmt sich der Eisspeicher durch das umgebende Erdreich und beschleunigt so das Auftauen des Eiswassers. Ergänzt wird das durch Solarthermie. Ist das Wasser wieder flüssig, lässt sich der Kreislauf beliebig oft wiederholen. Der Eisspeicher liefert auch dann Energie, wenn das Wasser zu Eis gefriert. Denn bei diesem Wechsel des Aggregatzustandes wird dieselbe Energiemenge freigesetzt, die benötigt wird, um einen Liter Wasser von 0 auf 80 Grad Celsius zu erwärmen. In der Praxis liefert ein Eisspeicher mit einem Volumen von zehn Kubikmetern die gleiche Energiemenge wie die Verbrennung von 110 Litern Heizöl, so ein Hersteller dieser Heizungstechnik. Im Sommer kann das System zum Kühlen genutzt werden. (Quelle: www.viessmann.de)

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