Landkreis wirbt für Grippeschutzimpfung / RKI stuft Gefahrenlage als hoch ein 

Heißer Herbst durch Corona?

Für die Grippeschutzimpfung wirbt der Landkreis Diepholz, weil sie gerade in Corona-Zeiten Menschen schützen kann.
+
Für die Grippeschutzimpfung wirbt der Landkreis Diepholz, weil sie gerade in Corona-Zeiten Menschen schützen kann.

Landkreis Diepholz – „Corona hat uns überrollt“, bilanzierte Kreisrätin Ulrike Tammen im Fachausschuss für Jugend, Gesundheit und Soziales, der im Barnstorfer Hotel Roshop tagte. Vorsitzender Ortwin Stieglitz (SPD) war fest überzeugt: „Die Krise ist noch nicht vorbei.“ Anders ausgedrückt: Covid-19 kann für einen heißen Herbst sorgen, weil in dieser Zeit die Zahl der Atemwegserkrankungen erfahrungsgemäß hoch ist. Was ist in solchen Fällen Corona – und was nicht?

Das könnte zu einer fatalen pandemischen Frage werden. Damit davon möglichst wenige Menschen betroffen sind, rät Dr. Daniel Tabeling als Leiter des Landkreis-Fachdienstes Gesundheit zur Grippeschutzimpfung. Denn das Robert-Koch-Institut (RKI) stuft die Gefahr einer Ansteckung aktuell als hoch ein. Kreisrätin Ulrike Tammen: „Wir werben sogar für die Impfung.“

Dass die Pandemie als größte Herausforderung nach dem Zweiten Weltkrieg, wie Dietrich Struthoff (CDU) es bezeichnete, die Kreisverwaltung vor elementare Herausforderungen stellte, bewies der Bericht von Dr. Tabeling. Weil die 67 Mitarbeiter des Gesundheitsamtes („nur ein kleiner Teil des Fachdienstes Gesundheit“) zur Bearbeitung der Corona- und Quarantänefälle sowie tausenden von Anfragen nicht ausreichten, mussten alle Fachdienste der Kreisverwaltung Personal dafür abgeben. Daniel Tabeling formulierte das so: „Der öffentliche Gesundheitsschutz wird durch nahezu alle Fachdienste in einer bemerkenswerten Zusammenarbeit sichergestellt.“

Ein maximaler Personaleinsatz nach Ausbruch von Corona im Landkreis war auch deshalb unverzichtbar, weil immer wieder Erlasse und Verordnungen des Landes umgesetzt werden mussten. Die Ausschussmitglieder erfuhren, dass diese Vorgaben „teilweise nicht mal 24 Stunden Bestand hatten“. Ganz zu schweigen von etlichen Empfehlungen des RKI und des Landesgesundheitsamtes sowie den plötzlich notwendigen, besonderen Kooperationen mit Senioreneinrichtungen und Gemeinschaftsunterkünften, ebenso der stabilen Partnerschaft mit den Ärzten vor Ort und der Kassenärztlichen Vereinigung (KVN).

Schon zwei Tage nach dem ersten bestätigten Fall im Landkreis war das Bürgertelefon geschaltet (wir berichteten) und in kürzester Zeit das Testzentrum im ehemaligen Gesundheitsamt Diepholz eingerichtet worden.

Wie schlecht das anfangs funktioniert hatte, beschrieb der selbst an Corona erkrankte Dietrich Struthoff aus Weyhe. Erst habe man bei seinem Arzt vor Ort die Testergebnisse nicht finden können. „Dann mussten wir mit Fieber von Weyhe nach Diepholz fahren.“ Trotz kühler Temperaturen habe man vor dem Gebäude des Testzentrums ausharren müssen. „Das war alles Wildwest. Erschreckend“, bilanzierte Struthoff – und hinterfragte, ob aus den bisherigen Erfahrungen ein standardisiertes Verfahren entwickelt werde, um solche Missstände künftig zu vermeiden.

„Wir werden ein Management entwickeln“, versprach Ulrike Tammen, „aber einen Plan in der Schublade wird es definitiv nicht geben“. Zu unwägbar sei die Dynamik einer Pandemie, so ihre Botschaft. Sie erläuterte gleichzeitig, warum ein vorsorglicher Test auf Corona nicht zielführend ist: „Heute kann er negativ sein, aber morgen schon positiv“, blickte sie auf ein unberechenbares Risiko der Ansteckung.

Augenblicklich, so erläuterte Daniel Tabeling, sei die Lage im Landkreis stabil. Aus Erfahrung seit dem ersten Coronafall im Landkreis Diepholz am 10. März fügte Kreisrätin Ulrike Tammen hinzu: „Es kann zwei Wochen ruhig sein. Aber dann kann die Welt wieder ganz anders aussehen.“

Wie gut ist die Kreisverwaltung auf ein solches Szenario vorbereitet? Die Empfehlung des Landes laute, in einer Kreisverwaltung über 55 geschulte Kräfte zu verfügen, so Ulrike Tammen. „Wir haben aber 80 Personen, die auf Abruf zur Verfügung stehen.“

Sollte es zum Beispiel zu einem erneuten Corona-Ausbruch in einem Seniorenheim kommen, wäre das extrem wichtig: „Wenn man 200 Personen erfassen, beraten und informieren muss, braucht man Personal“, so Daniel Tabeling.

Wie wichtig ein schneller und fundierter Informationsfluss gerade für Menschen ist, die eine Ansteckung mit Corona befürchten müssen, machten zwei Politikerinnen deutlich. Wiebke Wall (SPD) berichtete, dass ihr Mann Kontakt zu einem nachweislich Covid-19-Infizierten gehabt habe. Nach dem Test sei alles „superschnell geklärt“ worden und der erlösende Anruf aus dem Gesundheitsamt noch um 21.30 Uhr erfolgt.

Ihrem Dank dafür konnte sich Dörte Meyer (CDU) nur anschließen. Sie habe sich dreimal in Quarantäne begeben müssen, sagte sie, „und ich habe mich in dieser Zeit gut aufgehoben gefühlt“.

Von Anke Seidel

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Friedlicher Start der Nicht-Wiesn

Friedlicher Start der Nicht-Wiesn

Playstation 5 und Xbox Series im Überblick

Playstation 5 und Xbox Series im Überblick

Das große Sommergewinnspiel: Alle Fotos

Das große Sommergewinnspiel: Alle Fotos

Japanische Roadsterträume in Italien

Japanische Roadsterträume in Italien

Meistgelesene Artikel

Corona-Großtest: Bangen bis spätestens Montag

Corona-Großtest: Bangen bis spätestens Montag

Corona-Großtest: Bangen bis spätestens Montag
Statt Brokser Heiratsmarkt: Politik erlaubt Freizeitpark in Bruchhausen-Vilsen

Statt Brokser Heiratsmarkt: Politik erlaubt Freizeitpark in Bruchhausen-Vilsen

Statt Brokser Heiratsmarkt: Politik erlaubt Freizeitpark in Bruchhausen-Vilsen
Corona-Infektionen in Sulingen: Weitere Grundschulklasse in Quarantäne

Corona-Infektionen in Sulingen: Weitere Grundschulklasse in Quarantäne

Corona-Infektionen in Sulingen: Weitere Grundschulklasse in Quarantäne

Kommentare