Heimatmuseum präsentiert Neuheiten

Reise in die Vergangenheit

Anke Riesmeyer (l.) und Paula Dieckmann blätterten im Archiv des Heimatmuseums.

Aschen - Von Simone Brauns-Bömermann. Das Heimatmuseum in Aschen öffnete am Ostermontag seine Pforten. Zum Start in die neue Saison war offenbar kein Weg zu weit. Brigitte und Philippe Dubois kamen aus Thouars, der französischen Partnerstadt von Diepholz. Im Rahmen des mehrtägigen Aufenthaltes schaute sich das Ehepaar gerne auf dem herausgeputzten Gelände um.

Das Ehepaar genoss nicht nur im alten Schulzimmer längst vergangene Tage. „Kannst Du die Schrift dort über der Tür lesen?“, fragte der langjährige Freund Jürgen Reinsch, mit dem sie den Besuch geplant hatten. In gutem Deutsch erwiderte Brigitte Dubois: „Ich glaube, die Schrift heißt Sütterlinschrift“. Volltreffer! Die Antwort war richtig. Die verzierte Schönschrift stammt aus einer Zeit, als die Kinder noch in Bänken saßen, mit Griffel auf Tafeln mit Karokästchen oder Linien schrieben und den Rohrstock fürchteten.

Der Heimatverein Aschen unter der Regie von Werner Schneider öffnete am frühen Nachmittag die Türen der vielen Gebäude, Werkstätten und der Koopschen Scheune. Im Schlesierhaus wartete eine Kaffeetafel auf die Besucher, die nach und nach eintrudelten und ihren Rundgang über das Areal machten. Doch wer glaubt, dass ein umfänglicher Besuch in Kürze zu schaffen ist, hat sich geschnitten. „Ich war einmal mit einem Geschichtsprofessor vor Ort“, erinnerte sich Jürgen Sillmann, „nach vier Stunden musste ich los, aber der Professor meinte, er müsse Tage, wenn nicht Wochen bleiben, um den Fundus an Gebäuden und Inventar zu begreifen“.

Einmal wieder in die Schulbank rutschen: Das dachten sich Jürgen Reinsch (links) und seine Gästen aus Thouars, Brigitte und Philippe Dubois.

Und so ergeht es all denjenigen, die an Geschichte allgemein und an der Geschichte der hiesigen ländlichen Region, dem Leben und Arbeiten interessiert sind. Jede Ecke des Museums ist mit Utensilien, Raritäten und Einzelstücken bestückt. Sie können ganze Romane und Leben erzählen. Ob Schule, Spritzenhaus, Werkstatt, Scheune, Remisen, Brunnen oder Speicher: Überall laden stumme Zeugen zum Spaziergang in die Vergangenheit ein.

„Wir planen aber immer auch für die Zukunft der Vergangenheit“, berichtete Werner Schneider bei einem Rundgang und spielte damit auf die Pläne für die neue Saison an: „Im Winkel zum Schulgebäude wollen wir eine einseitig offene Remise errichten, wo ein alter Traktor Platz findet zum Bestaunen.“ Die etwa fünf mal sieben Meter große Remise, gestiftet von Wilhelm Lüdeker, könnte dann bei größeren Veranstaltungen auch als überdachter Allzweckraum genutzt werden.

Dass das Team praktisch denkt, ist an allen Ecken und Enden im Museum zu erkennen. Nicht nur die Kenntnis „Wie war wohl alles früher arrangiert in Wohn- und Arbeitsräumen oder welche Utensilien gehören wohin“ fügt sich wie selbstverständlich. „Wenn wir einmal nicht wissen, wie es war, dann kennen wir jemanden in Aschen, der das weiß und der wird dann gefragt“, so Schneider. Überlieferung und Weitergabe von Kenntnissen und Fertigkeiten, ergo Tradition, nennt sich diese Kunst.

Neben dem Teilstück der Treppe aus dem Diepholzer Schlossturm werden die Besucher in diesem Jahr noch viele Neuheiten entdecken. Die Autowerkstatt hat Zuwächse mit Motorrädern, LKWs und sogar einem Kindertraktor bekommen. Im Dachgeschoss des Schlesierhauses könnten rund 35 Näherinnen einziehen und sofort loslegen. „Die letzte Errungenschaft haben wir von Schneidermeister Walter Kollwey aus Ströhen erhalten“, berichtete der Vorsitzende. Der Herrenschneider habe dem Museum Nähmaschine und Zubehör überlassen, um die Zunft zukünftigen Generationen erklären zu können.

Dort unter dem Dach finden sich auch zwei große Stapel mit Sammelmappen, die der Verein angeschafft hat, um Zeitungsberichte aus Aschen zu archivieren. „Wir ordnen sie nach Jahrgängen seit 1972“, zeigte Schneider stolz auf die Mappen. Sein Vater Heinrich hatte damit begonnen und Inge Rostek führt das Werk heute fort. Auch hier können Besucher in der neuen Saison in der Vergangenheit stöbern.

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