Diepholzer Soldatenheim wird zum Kauf angeboten / Fragen an Ratsfraktionen

„Haus Herrenweide“: Politiker lehnen Übernahme ab

Das Diepholzer Soldatenheim „Haus Herrenweide“ steht zum Verkauf. Es solle privat weiterbetrieben werden, meinen die Fraktionen des Diepholzer Rates. - Foto: Jansen

Diepholz - „Nur für geschlossene Gesellschaften geöffnet“, steht am Eingang des Diepholzer Soldatenheims „Haus Herrenweide“. Seit 20. März gibt es dort keinen täglichen Gastronomiebetrieb mehr – bis zum 30. April, dem Ende des Pachtvertrages von Wirt Djoko Eric, der nun Soldatenheime in den struktursicheren Bundeswehrstandorten Flensburg und Munster betreibt.

Der Soldatenheim-Träger Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung (ESA) hat bereits der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) den Auftrag erteilt, das Gebäude zu vermarkten. Mit einem weiteren Pacht-Interessenten rechnet die EAS laut Sprecher Dr. Marlon Berkigt (Berlin) nicht mehr. Einen Diepholzer Interessenten hatte sie ablehnt (wir berichteten). So lange das Verfahren laufe, würden aber Bewerber ernsthaft geprüft, erklärte der EAS-Sprecher.

Wann und zu welchem Preise die BImA das „Haus Herrenweide zum Kauf anbietet, ist noch nicht klar. „Wir hoffen, dass das Gebäude nicht zu lange leer steht“, sagte Dr. Berkigt im Gespräch mit unserer Zeitung. Ein Käufer hätte andere Handlungsspielräume als ein Pächter der EAS, der Auflagen für die Soldatenbetreuung erfüllen und entsprechende Angebote vorhalten muss.

Wie sehen die Fraktionen des Diepholzer Rates die Zukunft des 1978 eröffneten Soldatenheims an der Von-Braun-Straße, das mit seinem Saal und den Nebenräumen ein wichtiger Treffpunkt für Bürger und Vereine ist?

Sollte die Stadt Diepholz – gegebenenfalls über die Stadtwerke-Tochter Diepholzer Verkehrsgesellschaft – das „Haus Herrenweide“ weiter betreiben (auch mit anderem Konzept, zum Beispiel nur Saalnutzung)?

Haben Sie eine Idee oder einen Plan, wie in Diepholz Ersatz für die Räume/den Saal des Soldatenheims geschaffen werden könnte, wenn der weitere Betrieb nicht gewährleistet ist?

Halten Sie den Neubau einer Mehrzweckhalle (ähnlich wie in Rehden) oder eines Saales für sinnvoll?

Sollte die Stadt Diepholz Interesse daran haben, das „Haus Herrenweide“ zu erwerben?

Diese Fragen stellte unsere Zeitung den Fraktionen von CDU, SPD, FDP und Grünen im Diepholzer Stadtrat.

„Das ,Haus Herrenweide' muss und kann aus Sicht der SPD unbedingt privat weiterbetrieben werden. Wir sind überzeugt, dass die Nachfrage eine solide Grundlage bietet“, so die Sozialdemokraten, die alle Fragen mit „Nein“ beantworteten. Im Rahmen einer Existenzförderung könnte einem neuen privaten Betreiber über die Wirtschaftsförderungsgesellschaft eine Unterstützung gewährleistet werden, schlagen die Sozialdemokraten vor. Eine Anschubfinanzierung dürfte aber auf keinen Fall als dauerhafte Subventionierung gestaltet sein, so SPD-Fraktionssprecher Manfred Albers.

Die CDU-Fraktion – vertreten durch Sprecherin Heide-Anna Friedrichs – schrieb: „Es kann nicht Aufgabe der Stadt sein, jeden gastronomischen Betrieb mit Existenzproblemen zu übernehmen. Es laufen Gespräche und Planungen, in der Nähe des ehemaligen Moorhofs einen Festsaal zu errichten. Eine solche Errichtung einer Festhalle durch einen Investor wäre aus unserer Sicht sinnvoll und würde den fehlenden Saalbetrieb in Diepholz ersetzen. Die Stadt sollte das ,Haus Herrenweide' nicht kaufen Dies sollten wir Investoren überlassen“, so die CDU. Ein dauerhaftes Unterstützungsmodell durch die Stadt kann es nach Auffassung der CDU-Fraktion nicht geben.

Die Grünen im Rat meinen: „Die Stadt Diepholz ist mit dem Alten Rathaus und der Münte bereits Inhaber und Vermieter von gastronomischen Räumlichkeiten und kennt die Mühen und Risiken des Geschäfts. In den Ortsteilen haben wir noch Versammlungsmöglichkeiten. Was in Diepholz fehlt, ist ein großer Saal in der Stadt selber. Die Stadt Damme hat eine Art Dorfgemeinschaftshaus hergerichtet. Wir müssen prüfen, ob dies ein Modell für Diepholz ist, erklärte die Grünen-Fraktion.

„Bevor die Stadt Diepholz als Konkurrent den Markt betritt – ob mit Neubau oder Übernahme oder als Betreiber – muss eingehend geprüft werden, ob es überhaupt Bedarf gibt“, so Grünen-Sprecher Andreas Pawelzik. Die Stadt solle hier initiativ werden und Veranstalter, Verbände und Vereine befragen.

Für die anstehenden Wahlkämpfe müsse die Stadt allen zur Wahl zugelassenen Parteien eigene Räumlichkeiten (Ratssaal, Schulaula, Altes Rathaus) zur Verfügung stellen, meinen die Grünen. Auch die Kirchen haben Versammlungsräume in den Gemeindehäusern. Es sei nicht schlecht, wenn das wirkliche Leben in Schulen und Kirchen einzieht. Historisch gesehen scheint es nach Auffassung der Grünen ein Fehler gewesen zu sein, in Diepholz ein reines Theater statt der damals auch diskutierten Mehrzweckhalle gebaut zu haben. Viele kleine Städte haben sich andererseits schon am Bau und vor allem dem Betrieb einer „Stadthalle“ verhoben. Vielleicht sei dies aber in zehn oder 20 Jahren für Diepholz eine Option.

Die FDP-Fraktion im Rat der Stadt Diepholz spricht sich „klar und deutlich“ gegen einen Betrieb des „Haus Herrenweide“ durch die Stadt (oder die Stadtwerke-Tochter) aus. Entsprechenden Ersatz zu den Räumlichkeiten „Haus Herrenweide“ könne nur ein privater Investor und Betreiber schaffen.

„Die Wirtschaftlichkeit spielt in dem schwierigen Umfeld der Gastronomie eine ausgesprochen wichtige Rolle. In Rehden handelt es sich um eine Sporthalle. Eine Mehrzweckhalle für mehrere Millionen aus städtischer Haushaltsmitteln zu bauen, halte ich für undenkbar“, so FDP-Fraktionssprecher Wilhelm Reckmann. Daneben seien die Kosten für den Betrieb und die Unterhaltung zu berücksichtigen, das heißt ein etwaiger jährlicher Verlustausgleich aus Steuermitteln.

Von der BImA erwerben sollte die Stadt Diepholz das „Haus Herrenweide“ nach Auffassung der FDP nicht.

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