Elfjähriger macht Fund auf Dachboden

Ein „Hauch von Ramses“: Die letzte Ruhe der Diepholzer „Quatsch-Mumie“

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Die vermeintliche Mumie ist nicht 2000 Jahre alt, sondern ein präpariertes Plastikskelett.

Hamburg/Diepholz - Von Helmut Reuter. Die Diepholzer Mumie versetzte 2013 Wissenschaftler, Medien und Ministerien in Aufregung. Eine 2.000 Jahre alte Mumie in Diepholz? Es roch nach Sensation, allerdings nur kurz. Die Mumie war ein Fake. Ihre letzte Ruhe fand sie in einer Lehrmittelsammlung.

Im August 2013 machte ein zehnjähriger Junge beim Spielen auf dem Dachboden des Hauses seines Großvaters in Diepholz einen seltsamen Fund. Da stand eine sargartige Kiste mit ägyptischen Zeichen, eine Metallplatte zeigte kopierte Szenen vom kleinen Goldschrein des Tutanchamun. Im Inneren des Sarkophags: Eine Mumie, genauer: die Diepholzer Mumie. Der Fund sorgte für ein gewaltiges Sommerrauschen im Medien-Blätterwald. Staatsanwälte schalteten sich ein, Ägyptologen, Historiker, Archäologen beugten sich rätselnd über den Fund, Ägypten dachte über eine Rückholung nach. Bis dann rechtsmedizinische Untersuchungen dem Spuk eine Ende bereiteten.

Eine „Quatsch-Mumie“, so erklärte der renommierte Hamburger Rechtsmediziner Klaus Püschel jungen Zuhörern bei einer Kinderuniversität das Artefakt. Das Skelett war aus Plastik, wie eine Untersuchung damals ergab. Die Bandagen waren mit Uhu zusammengeklebt. Unter den Klebebandstreifen kamen mehrere Lagen Plastikbeutel (Mülltüten), breites Klebeband, mit Blümchenmuster bedrucktes Küchenpapier und teilweise bedrucktes Packpapier zum Vorschein, schrieb Püschel damals mit acht Fachkollegen, dem LKA Hamburg und dem Ostfriesischen Landesmuseum Emden in einem Fachbeitrag für die Zeitschrift „Rechtsmedizin“.

„Die meisten stammten aus Fernost“

Aber: Der Kopf war echt - es war ein Menschenschädel. Als Lehrmittel für Studenten war es lange Zeit durchaus üblich menschliche Schädel als Anatomieschädel zu kaufen. "Die meisten stammten aus Fernost", so Püschel, der seit 1991 das Institut für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf leitet. Heute seien diese Lehrmittel-Schädel aus Plastik und oft im 3-Druck-Verfahren hergestellt. 2013 analysierten die Experten den seltsamen Fund genau. Als sie nach einer Teilsektion und der Mumien-Enthüllung feststellten, dass es Plastikteile waren, war die Erheiterung groß. "Wir haben gelacht und uns auf die Schenkel geklopft", erinnert sich Püschel.

Dabei war es bis zur Untersuchung nicht so ganz klar, was es mit der Mumie auf sich hatte. Die Ernsthaftigkeit lässt sich auch an der anfänglichen Ermittlung der Staatsanwaltschaft Verden ablesen, die damals auch einen Kriminalfall nicht ausschloss. Auch der „Zukunftsforscher“ Erich von Däniken meldete sich zu Wort. Er vermutete in dem Körper eines der zahlreichen Mischwesen – halb Mensch, halb Tier –, die in der altägyptischen Mythologie vorkommen und bei denen es sich seiner Meinung nach um Außerirdische handelt. Letztlich blieb von der Sensation nur Kuriosität übrig.

Viel Lärm um nichts

Der Fundort in Diepholz ist mittlerweile baulich verändert worden und eigentlich gebe es zu der Angelegenheit nichts mehr zu berichten, sagte auch Lutz Wolfgang Kettler, dessen Sohn die Mumie damals fand. „Das ganze Spektakel um die Mumie hat sich letztendlich als viel Lärm um nichts herausgestellt“, schrieb er rückblickend in einer Mail.

Die Staatsanwaltschaft Verden stellte Püschel die Mumie letztlich als Dauerleihgabe für seine Lehrmittelsammlung zur Verfügung. Auf das kuriose Artefakt geht der Rechtsmediziner und Autor auch in seinem neuesten mit der Journalistin Bettina Mittelacher verfassten Buch „Der Tod gibt keine Ruhe“ ein, das im September im Verlag „Ellert & Richter“ erscheint. Das Kapitel über die Diepholzer Mumie trägt den Titel: „Ein Hauch von Ramses“.

dpa

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