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Suchtprävention: Mitarbeiterinnen der Diepholzer Kindertagesstätten sind „medienfit“

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Von: Janin Meyer

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Birgit Greve nahm die Auszeichnung „medienfit“ von Projektleiterin Leonie Rathkamp entgegen (vorn, v.l.). Fachstellenleitung Jens Rusch und Präventionskraft Torben Kohring (hinten, v.l.) kamen zum Abschlussgespräch.
Birgit Greve nahm die Auszeichnung „medienfit“ von Projektleiterin Leonie Rathkamp entgegen (vorn, v.l.). Fachstellenleitung Jens Rusch und Präventionskraft Torben Kohring (hinten, v.l.) kamen zum Abschlussgespräch. © Meyer

Wichtig sei, wie man mit Medien als solche umgeht, meint Präventionskraft Torben Kohring. Das brachte er Mitarbeiterinnen der Kitas in Diepholz bei. Für sie gab es die Auszeichnung „medienfit“.

Diepholz – „Nicht der Bildschirm an sich ist das Negative. Es kommt darauf an, wie wir die verschiedenen Medien nutzen“, betont Präventionskraft Torben Kohring. Gemeinsam mit Projektleiterin Leonie Rathmann von der Fachstelle Sucht der Diakonie in Diepholz traf er sich zum Abschlussgespräch mit den Teilnehmerinnen des Projekts „Smart@Home“. Das Angebot zur Frühintervention im Bereich Mediensucht lief in den vergangenen zwei Jahren und richtete sich an Mitarbeiter aus Einrichtungen des Kindertagesstättenverbands Grafschaft Diepholz. Es wurde finanziert von der Landeskirche in Hannover. Am Ende gab es die Auszeichnung „medienfit“.

„In der Fachstelle Sucht erleben wir, aus welchen Gründen Süchte entstehen“, erklärte Fachstellenleiter Jens Rusch. Dabei habe sich herausgestellt, dass Fähigkeiten wie Emotionsregulation, das Selbstbewusstsein, die Selbstachtung, die Genussfähigkeit und der Umgang mit Grenzen oft nicht in ausreichendem Maß vorhanden sind. „Im Rahmen unseres Projekts haben wir uns dazu entschlossen, diese Kompetenzen zu fördern“, so Rusch. „Sie lassen sich schon im Krippen- oder Kindergartenalter entwickeln und können so einer späteren Sucht vorbeugen“, erklärte Leonie Rathmann.

In neun Treffen entwickelten die Fachkräfte gemeinsam mit den pädagogischen Mitarbeiterinnen Ideen und Konzepte, um Kinder vor Mediensucht zu schützen. Sie gaben zudem Werkzeuge an die Hand, wie sich Suchtverhalten im Allgemeinen erkennen lässt. „In der Hauptsache haben wir dabei auf die Arbeit mit den Kindern geschaut. Allerdings war auch Thema, wie die pädagogischen Kräfte mit potenziell erkrankten Eltern umgehen können. Wie sie sie erkennen und ansprechen können“, erklärte Sozialarbeiterin Leonie Rathmann.

Frühintervention „Smart@Home“

„Internet und Medien haben in den letzten Jahren zunehmend an Einfluss in unserem Alltag gewonnen. Innovationen und die fortschreitende Digitalisierung sind im heutigen Alltag kaum noch wegzudenken. Dies führt dazu, dass ein problematischer Mediengebrauch in vielen Familien immer mehr zum Thema wird. Damit verbunden steigt auch die Unsicherheit darüber, wie Medien richtig und in gesundem Maß zu Hause eingesetzt werden können“ – so ist die Grundidee für das Projekt „Smart@Home“ im Jahresbericht der Fachstelle für Sucht und Suchtprävention formuliert. Das Projekt startete 2019 mit der Vorstellung in der Leitungskonferenz. Im Februar 2020 begannen die Treffen.

In der Praxis zeigte sich, dass das Projekt den Blick der Teilnehmerinnen verschärfte. „Nach den Treffen bin ich immer ganz anders in den Kindergarten zurückgekehrt“, meinte Gaby Hartjen von der Kita Hemsloh.

„Wir können die Augen nicht vor den modernen Medien verschließen“, zeigte sich Birgit Greve, pädagogische Leitung des Kindertagesstättenverbands, überzeugt. Selbst in den Einrichtungen des Verbands sei es möglich, moderne Medien mit in den Alltag einzubinden. Wichtig sei der richtige Umgang.

„Handy, Tablet und so weiter bieten viel mehr als nur Youtube und Spiele“, betonte Michaela Speckmann von der KiTa „Pusteblume“ in Wagenfeld. Das sei vielfach das, was die Kinder zu Hause kennenlernen würden. „Ich kann mir aber über das Internet auch Wissen aneignen. Es lassen sich Antworten auf Fragen der Kinder finden oder Beispielbilder“, meinte sie. Ein wichtiger Punkt sei auch, schon den Kindern zu verdeutlichen: Es ist nicht alles real, was im Netz zu finden ist. „Mit einem Greenscreen erfahren die Mädchen und Jungen, wie schnell sie auf einem Foto in den Bergen oder am Meer sein können, obwohl das gar nicht stimmt“, so Michaela Speckmann.

Entsprechend ist für die Zukunft der Verleih eines Medienkoffers durch die Fachstelle Sucht geplant. „Wir visieren den Herbst an, was die Fertigstellung angeht“, sagte Rusch. Enthalten soll der Koffer unter anderem Ipads, Kameras und Mikrofone, mit denen die pädagogischen Kräfte mit den Kindern arbeiten können. Geplant ist dann auch ein erneutes Treffen der Teilnehmerinnen, um das technische Gerät kennenzulernen. Weitere Treffen sind bereits angedacht.

„Es wäre schade, wenn wir jetzt einfach so auseinandergehen“, meinte Gaby Hartjen. Auch aus Reihen der restlichen Teilnehmerinnen kam der Wunsch nach einem Austausch, nachdem etwas Zeit ins Land gegangen ist. Zudem sei ein Elternabend, an dem Leonie Rathmann über ihre Arbeit referiert, denkbar.

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