Kreis Diepholz setzt auf neues Angebot

Häusliche Gewalt: Auch Täter brauchen Hilfe – und sollen sie auch bekommen

Täterarbeit zur Reduzierung von häuslicher Gewalt hat der Landkreis Diepholz bislang nicht angeboten. Das soll sich nun ändern, hat der Kreistag beschlossen.
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Täterarbeit zur Reduzierung von häuslicher Gewalt hat der Landkreis Diepholz bislang nicht angeboten. Das soll sich nun ändern, hat der Kreistag beschlossen.

Häusliche Gewalt ist in Deutschland noch immer viel zu oft vorhanden. Im Landkreis Diepholz wird der Fokus nun auch verstärkt auf Hilfe für die Täter gerichtet.

Landkreis Diepholz – Zahlen, die betroffen machen: Lebensbedrohliche häusliche Gewalt gab es im Landkreis Diepholz gleich siebenmal in nur sechs Jahren. Außerdem registriert die Polizeiinspektion Diepholz im genannten Zeitraum 33 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Rohheitsdelikte und Straftaten gegen die persönliche Freiheit gibt es um ein Vielfaches: 1 624 Taten weist die Fünf-Jahres-Statistik aus.

Rechnet man den sogenannten Diebstahl unter erschwerenden Umständen, Vermögens- und Fälschungsdelikte sowie sonstige Straftatbestände im Kontext häuslicher Gewalt hinzu, kommt die Polizeiinspektion unter dem Strich auf 1 758 Taten.

Gruppe / Jugendhilfe aus Neustadt am Rübenberge als Partner des Landkreises Diepholz

Zahlen, gegen die der Landkreis Diepholz wirken will. „Bürgermut tut allen gut“, unter diesem Motto war es bereits Ziel eines Projektes, Nachbarschaften gegen häusliche Gewalt zu aktivieren. Für die Opfer gibt es Hilfe. Aber für die Täter, nach wissenschaftlichen Erkenntnissen oft ehemals selbst Opfer, gibt es in diesem Lebensraum bislang keine Entlastung. Das hat der Kreistag nun mit einem Beschluss geändert – und will damit die fatale Kette unterbrechen. Er hat einmütig beschlossen: „Der Landkreis Diepholz unterstützt die Implementierung von Täterarbeit als Teil der Interventionskette häusliche Gewalt.“

Will heißen: Menschen, die als Täter in der Gewaltspirale gefangen sind, soll künftig ein Ausweg gezeigt werden. Dazu holt sich der Landkreis Diepholz einen Partner an die Seite – und beauftragt mit der Umsetzung der Täterarbeit nach den Standards der Bundesarbeitsgemeinschaft Täterarbeit häusliche Gewalt einen Verein, der bereits Erfahrung in der Täterarbeit hat: die Gruppe / Jugendhilfe gGmbH aus Neustadt am Rübenberge.

Täterarbeit zunächst als dreijähriges Projekt

Für ihre Arbeit braucht sie im Landkreis Diepholz einen praktisch erfahrenen Partner. Diese Aufgabe soll der Verein Kontakt übernehmen, der straffällige Menschen unterstützt. „Die Finanzierung dieses Angebotes wird sichergestellt aus seit 2013 jährlich im Kreishaushalt für Präventionsprojekte im Rahmen von häuslicher Gewalt bereitgestellten Finanzmitteln“, heißt es im einmütig gefassten Kreistagsbeschluss. Es ist zunächst ein Projektzeitraum von drei Jahren geplant. „Nach einer Projektlaufzeit von zwei Jahren ist eine Zwischenbilanz zum Projektverlauf zu erstellen“, lautet eine Bedingung.

Es ist ein ergänzendes Angebot. Denn eine Interventionskette häusliche Gewalt gibt es bereits. Sie ist eng verknüpft mit dem Frauen- und Kinderschutzhaus Diepholz und richtet sich bislang ausschließlich an den Schutz und die Beratung von Opfern häuslicher Gewalt aus.

Kreistag betont, dass nur Täter die Gewalt stoppen können

„Es hat sich ein tragfähiges und das gesamte Kreisgebiet abdeckendes Angebot mit Interventions-, Schutz- und Beratungsmaßnahmen gebildet“, heißt es in einem Arbeitspapier zur Kreistagssitzung. Und weiter: „Aber es fehlt ein Angebot für die Täter häuslicher Gewalt. Eine lediglich auf die Opfer ausgerichtete Interventionskette ist nicht ausreichend, da nur Täter die Gewalt stoppen können.“

Das Bundesfamilienministerium weiß, wie wichtig solche Angebote sind, und richtet sich direkt an die Täter: „Durch gewalttätiges Verhalten verletzen Sie Menschen, die ihnen nahestehen. Sie bedrohen oder zerstören die körperliche und seelische Gesundheit ihrer Partnerin oder ihres Partners, indem Sie ihr oder ihm gegenüber gewalttätig werden und gefährden damit auch unmittelbar Ihre Partnerschaft. Auch Ihre Kinder – selbst, wenn sie dies ,nur’ als Zeugen miterleben – werden durch gewalttätiges Handeln geschädigt.“

Gleichwohl, so betont das Ministerium ausdrücklich, haben Täter die Macht, ihrem Verhalten etwas entgegenzusetzen, neue Formen der Konfliktlösung sowie Beziehungsmuster zu lernen. Genau darum geht es in dem Projekt, das der Kreistag beschlossen hat.

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